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Profi-Radsport

Grand Touren 2017: Die unvergesslichen Momente

Spannung, Drama, Kontroversen - hier sind einige der unvergesslichen Momente der 2017 Saison

Ein erstmaliger Grand Tour Sieg für den einen, ein Doppelsieg für den anderen, ein geparktes Motorrad, das zum Verhängnis wird, Suspendierung, Siege und Niederlagen: Die drei Grand Touren der 2017 Saison enttäuschten nicht.

Wenn die Tage kürzer, die Trikots und Radhose und Abende länger werden, kommt man dazu, sich an die großen Momente der großen Rennen der Saison zu erinnern. Wir haben hier einige der Dramen, Geschichten und Kontroversen zusammengefasst.

Tom Dumoulin gewann die 100. Giro d’Italia. “Eine sehr coole und verrückte Zeit folgte.” (Foto: Sirotti)

Radfahrer, die Geschichte schrieben

Es gibt fast keinen besseren Anlass, als eine Jubiläumsausgabe einer Grand Tour, um in die Geschichte des Radsports einzugehen: Bei der 100. Auflage des Giro d’Italia gewann Tom Dumoulin (Team Sunweb) nicht nur seine erste Grand Tour seiner Karriere: Mit seinem Sieg war er auch der erste Niederländer in der Geschichte des Radsports, der eine Grand Tour gewann. Dumoulin und sein Sieg wurden in seinem Heimatland gebührend gefeiert. Dumoulin konnte seine Führung gegen seine Rivalen, vor allem Nairo Quintana (Movistar) und Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida) erfolgreich verteidigen, verlor dann dennoch das maglia rosa an den Mitstreiter Quintana. Letztendlich war es das Zeitfahren auf der letzten Etappe, in dem Dumoulin seine Führung zurück eroberte und das ihn auf das erste Treppchen des Podiums katapultierte. So schnell wird das Zeitfahren, das viele mit Spannung verfolgten und in dem Dumoulin sein Können und seine Kraft souverän unter Beweis stellte, nicht in Vergessenheit geraten.

Chris Froome gewinnt die Vuelta a España 2017 und erreicht somit den Doppelsieg der Tour de France und Vuelta in der gleichen Saison. (Foto: Sirotti)

Chris Froome wurde mit seinem vierten Sieg bei der Tour de France zu einem der erfolgreichsten Radrennfahrer der Geschichte gekürt. Aber damit war es noch nicht geschehen: Mit seinem Sieg bei der Vuelta a España gelang dem Briten der seltene und begehrte Doppelsieg dieser Grand Touren in der gleichen Saison. Beide Siege waren heiß umkämpft. Bei der Tour de France war auch das letzte Einzelzeitfahren allentscheidend – Chris Froome stand unter enormen Druck und konnte sich keine Fehler leisten, wenn er sich seinen vierten Sieg bei der Tour de France sichern wollte. Er hielt dem Druck stand und verteidigte nur vier Wochen später das rote Trikot der Vuelta. In dieser Saison hat Chris Froome bewiesen, dass er derzeit mit Recht der erfolgreichste Radrennfahrer ist.

Wenn die Not am größten ist …

… ist der Straßenrand am nächsten. Die Königsetappe des 100. Giro d’Italia wird vielen in Erinnerungen bleiben: Nicht unbedingt wegen des zweimaligen Anstiegs des berühmten Passo dello Stelvio, der den Fahrern alles abverlangte und versprach, den Kampf um den Gesamtsieg anzuheizen. Sondern wegen der Not, in der sich der Träger des begehrten maglia rosa mit einem mal befand, als sein Magen am Anstieg des Umbrail rebellierte. Keiner wird so schnell vergessen, wie sich Dumoulin seiner Bibshorts am Straßenrand entledigte, bevor ein Unglück geschehen konnte. Der Niederländer sah es gelassen, den 100. Giro d’Italia gewann er dennoch.

Tour de France kommt nach Deutschland

Zum ersten Mal nach 30 Jahren kam die Tour de France wieder nach Deutschland. Die Landeshauptstadt Düsseldorf war Gastgeber des Grand Depart. Man wusste, was auf einen zukommen würde und dennoch übertraf der Empfang und die Begeisterung der Zuschauer beim Einzelzeitfahren am ersten Tag und entlang der Strecke, als die Tour sich durch Deutschland Richtung Belgien aufmachte, jede Erwartung. Die Fans und Zuschauer aus aller Welt gesellten sich zu den Anwohnern und bildeten eine bunte, begeisterte und würdige Geräuschkulisse für das größte Sportereignis der Welt und ließen sich auch nicht durch den strömenden Regen davon abhalten, sich dieses einmalige Erlebnis zu gönnen. Marcel Kittel war von der Erfahrung ganz geflasht: “Vielen Dank an die Fans in Deutschland”, sagte der deutsche Sprinter. “Ihr wart super! Es war einfach nur noch geil! Danke für eure Unterstützung!”

Marcel Kittel gewann fünf Etappen der Tour de France und eroberte das grüne Trikot (Foto: Sirotti)

1,2,3,4,5 – Kittels Tour de Force

Marcel Kittel fuhr in der 104. Tour de France zur Höchstform auf. Der deutsche Sprinter holte sich nicht nur einen oder zwei, sondern gleich fünf Etappensiege. Die Kraft, Power und Geschwindigkeit, die Kittel auf den entscheidenden Etappen unter Beweis stellte, wird so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Kittel eroberte das grüne Trikot und verteidigte es erfolgreich gegen seine Mitstreiter. Mit dem Voranschreiten der Tour de France versprach es ein spannender Kampf zwischen Kittel und Michael Mathews (Team Sunweb) um die Punktewertung zu werden. Leider wurde Kittel nach einem schweren Sturz auf der 17. Etappe zur Aufgabe gezwungen. Seine Enttäuschung, sein Ziel des grünen Trikots nicht bis nach Paris verteidigen zu können, ist ebenso unvergesslich wie seine starke Leistung während der 104. Tour de France.

 

Die Disqualifikation Sagans traf bei Fans und im Peloton auf Unverständnis. (Foto: Sirotti)

Die Saga um Sagan

Die Grand Touren bieten immer einen Schauplatz für Drama und Kontroversen. Diese Saison machte da keine Ausnahme. Peter Sagan (Bora-Hansgrohe) zog in die Tour de France, um sich einen rekordverdächtigen Sieg in der Punktewertung zu holen. Der Weltmeister gewann die dritte Etappe, aber schon am folgenden Tag wurde ihm der heiße Kampf um den Sieg im Sprint zum Verhängnis.  Sagan und Mark Cavendish kamen sich im Zieleinlauf in die Quere, Cavendish stürzte schwer und wurde zur Aufgabe gezwungen. Nach eingehender Untersuchung des Videomaterials wurde Sagan von der Rennleitung erst zu einer Zeitstrafe verurteilt, letztendlich doch von der Tour de France disqualifiziert. Eine Berufung des Team Management von Bora-Hansgrohe blieb erfolglos, die Proteste der aufgebrachten Fans zogen sich durch das restliche Rennen. Selbst im Peloton traf diese harte Maßnahme auf Unverständnis.

Verflixte 9. Etappe

Auf zwei der Grand Touren wurde nicht die verflixte sieben sondern die 9. Etappe gleichbedeutend mit tragischen Unfällen, die für einige Favoriten ein frühzeitiges Ende des Rennens bedeuteten. Beim Giro d’Italia war ein Motorrad, welches am Straßenrand geparkt worden war, die Ursache eines schweren Massensturzes. Wilko Keldermann (Team Sunweb) musst das Rennen aufgeben, Adam Yates verlor aufgrund des Unfalls zu viel Zeit und somit die Führung des Jungprofi. Geraint Thomas (Team Sky), der als einer der Favoriten galt, sah sich aufgrund der Verletzungen, die er in dem Sturz erlitt, auf der 13. Etappe zur Aufgabe gezwungen.

Vor allem beim Giro d’Italia wurde die Erinnerung an Michele Scarponi an vielen Stellen gewürdigt. (Foto: Sirotti)

Ein paar Wochen später, eine andere Grand Tour und wieder die 9. Etappe, aber diesmal eine Abfahrt bei der Tour de France. Wieder war Geraint Thomas einer der betroffenen Fahrer, die bei der Abfahrt des Col de la Binche zu Fall kamen. Diesmal konnte der Waliser nicht weiterfahren: Ein gebrochenes Schlüsselbein bedeutete für ihn wieder das Aus seiner Grand Tour. Auf der gleichen Abfahrt war es der Sturz von Richie Porte (BMC Racing), der sich bei vielen in ihr Gedächtnis gebrannt hat. Der Australier unterschätzte die Kurve und krachte mit Höchstgeschwindigkeit in die Mauer und brachte gleichzeitig Dan Martin (Quick-Step Floors) zu Fall. Dan Martin konnte weiterfahren, Porte blieb regungslos liegen und wurde von einem Krankenwagen abtransportiert.

Warren Barguil wird suspendiert

Das Management von Team Sunweb sorgte bei der Vuelta a España für Überraschung als es bekannt gab, dass Warren Barguil von der restlichen Rundfahrt suspendiert worden sei. Der Baske war als Königshelfer für Wilko Kelderman vorgesehen worden, fuhr aber, so das Management, für sich und nicht im Interesse des Teams. Aufgrund seines Verhaltens wurde Barguil, der in der Tour de France die Bergwertung gewann, suspendiert und durfte nicht mehr bei der Vuelta a España antreten.

In Memoriam Michele Scarponi

Zu Beginn der Saison verunglückte der Fahrer des Astana Pro Teams während einer Trainingsausfahrt tödlich. Auch wenn der tragische Unglücksfall die Radsportwelt erschütterte und überschattete, wurde vor allem der Giro d’Italia eine Grand Tour der Erinnerung an den italienischen Fahrer, dem der Sieg des Giro d’Italia 2011 zuerkannt wurde.

Alberto Contador feiert seinen Abschied

Seit 2010 hatte er keine Grand Tour mehr gewonnen, die Vuelta a España 2017 wurde seine Abschiedsvorstellung: Contador entschloss sich, nach 2017 seine Profikarriere endgültig zu beenden. El Pistolero erhoffte sich einen Sieg oder einen Platz auf dem Podium, aber gegen die Kraft und Überlegenheit der Mitfavoriten, allen voran Chris Froome, kam er nicht gegen an. Seine Abschiedstour begann nicht unter einem guten Stern, der Spanier schien seine Leistung seiner Glanzzeit nicht mehr abrufen zu können, Krankheit drohte ihm ein frühzeitiges Aus.

Für Contador war die Vuelta a España seine Abschiedsvorstellung. In seinem letzten Rennen holte er sich seinen ersten Etappensieg der Saison in seinem Heimatland (Foto: Sirotti)

Aber der Spanier erholte sich und auch wenn es nicht für ein Podiumsplatz reichte, begeisterte er seine Fans wie zuvor mit seinem Können, Kampfgeist und Geschick. Es kam zu Showdown zwischen Contador und dem roten Trikot Chris Froome um den  begehrten Tagessieg auf dem Angliru auf der vorletzten Etappe der Vuelta a España: Mit altbekannter Form und Geschick und unter Anfeuerungsrufen seiner begeisterten Fans holte sich Contador in seinem Heimatland seinen ersten Sieg seiner Saison und den letzten Sieg seiner professionellen Karriere. Ein unvergessliches Schauspiel zum Ende der Karriere eines unvergesslichen Fahrers.

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