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Tour de France 2017

Tour de France 2017: 4. Etappe – Sagan disqualifiziert nach Sturz von Cavendish, Arnaud Demare gewinnt

Mark Cavendish stürzt im Sprintfinale, Geraint Thomas bleibt weiterhin in gelb.

Der Franzose vom Team FDJ gewann nach 207 Kilometern in Vittel seine erste Etappe. Er hatte erfolgreich die Spaltungen in den Gruppen vermieden und war in keinen der Stürze auf dem Weg zum Ziel verwickelt.

Sein Erfolg wurde von einem heftigen Sturz überschattet, der sich hinter ihm abspielte, als die Sprinter Peter Sagan (Bora Hansgrohe) und Mark Cavendish (Dimension Data) ineinander gerieten. Cavendish stürzte schwer. Sagan wurde für den Sturz verantwortlich gemacht und daraufhin von der Tour de France disqualifiziert.

(Bild: Sirotti)

Démare befand sich vor der Gruppe der Sprinter, die einen Massensturz einen Kilometer vor dem Ziel vermeiden konnten und in dem unter anderem der Führende der Gesamtwertung Geraint Thomas (Team Sky) verwickelt war. Démare segelte an den Absperrung an seinem Landsmann und Rivalen Nacer Bouhanni (Cofidis) vorbei, schnitt zur Straßenmitte und schlug Alexander Kristoff (Katusha-Alpecin) direkt an der Ziellinie.

Das Drama nimmt seinen Lauf (Bild: Sirotti)

Dramatische Szenen im Schlusssprint bei Etappe 4

Hinter ihm spielte sich ein Drama des Radsports ab wie es im Buche steht: Die verbleibenden Sprinter kämpften um den begehrten Platz an dem Laufrad des Franzosen, um sich zum Ziel ziehen zu lassen. Cavendish hatte den Platz ergattert aber Sagan fuhr in die Richtung der Absperrung, um Démare besser folgen zu können.

Der Fahrer von Bora-Hansgrohe und amtierende Weltmeister schien nicht zu merken, dass Cavendish mit einem Höllentempo angefahren kam. Cavendish ging ein großes Risiko ein, dem Franzosen direkt zu folgen, aber er hatte eigentlich keine Alternative, es sei denn, er würde den Franzosen ziehen lassen. Damit hätte er aber auch jede Chance auf einen Sieg im Sprint verloren.

Cavendish entschloss sich, das Risiko einzugehen, aber als die Sprinter sich der Absperrung näherten, war sein Weg nach vorne plötzlich verschlossen. Er versuchte vergeblich, sein Gleichgewicht zu halten, aber krachte mit voller Geschwindigkeit in die Absperrung.

Peter Sagan (Bora-hansgrohe) wurde im Nachhinein von der Tour de France disqualifiziert (Bild: Sirotti)

Sagan kämpfte auch um sein Gleichgewicht und streckte seinen Ellbogen aus, um seine Balance zu halten, vielleicht aber auch in einer Art Abwehrhaltung in dieser Situation. John Degenkolb (Trek-Segafredo) und Ben Swift (UAE Emirates) fanden keinen Ausweg mehr und flogen regelrecht über Cavendish, der am Boden lag. Zwar stand er wieder auf, aber es wurde schnell klar, dass der Dimension Data Fahrer mehrere Verletzungen erlitten hatte. Am meisten Sorgen schien ihm seine Schulter zu bereiten, die er sich bei einem Sturz bei der Tour de France 2014 verletzt hatte.

“Die Wunde in meinem Finger wird genäht werden müssen – sie blutet sehr stark. Ich weiß nicht, ob die Bänder in der Schulter in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Es ist die gleiche Schulter, die ich mir vor drei Jahren verletzt habe. Ich bin zwar kein Arzt, aber so wie die Schulter sich anfühlt, bin ich nicht gerade mit Optimismus erfüllt“, sagte Cavendish über seine Verletztungen. Auf die Frage zu Sagan und dem Sprint antwortete der englische Sprinter: „Ich verstehe mich gut mit Peter, aber ich verstehe seine Aktion nicht. Wenn er mich gekreuzt hätte, das ist eine Sache, aber der Ellbogen? Ich bin kein Fan davon, dass er den Ellbogen so eingesetzt hat. Ein Sturz ist und bleibt ein Sturz, aber ich möchte wissen, was es mit dem Ellbogen auf sich hat.“

„Mark kam sehr schnell von hinten angefahren“, sagte Sagan. „Ich konnte nicht mehr reagieren und nach links ausweichen. Er kam hinter mir auf mich zu und fuhr direkt in die Absperrung.“

Andre Greipel (LottoNL Soudal) guckt, was sich hinter ihm abgespielt hat. Der deutsche Sprinter wurde Dritter. (Bild: Sirotti)

Aber nachdem die UCI-Commissaires den Sprint zum wiederholten Male im Rücklauf betrachtet und ausgewertet hatten, stimmten sie der Verteidigung Sagans nicht zu. Stattdessen wurde der Fahrer von Bora-hansgrohe auf den 115. Platz, den letzten Platz der Gruppe, die mit ihm ins Ziel gekommen war, relegiert. Dazu erhielt er noch eine Zeitstrafe von 30 Sekunden. Aber schon zwei Stunden später erschien ein UCI-Commissaire in einer Pressekonferenz und bestätigte, dass Peter Sagan von der Tour de France disqualifiziert sei.

Vittel, eine Sportstadt – hier das Olympischen Zentrum, wurde Zeuge eines Dramas der Radsportgeschichte (Bild: Sirotti)

Bis zu dem dramatischen Finale im Sprint verlief die Etappe nach Vittel ziemlich ruhig und ereignislos. Guillaume van Keirsbulck (Wanty-Groupe Gobert) versuchte sich in einem beherzten Soloausriss, aber das ganze Rennen wurde jetzt mit der Disqualifikation einer der nennenswertesten Fahrer im ganzen Peleton überschattet.

Natürlich war die Aufmerksamkeit nach diesem Drama auf Sagan und seine Disqualifikation gelenkt. Dennoch feierten Démare und seine FDJ Teamkollegen ihren Erfolg. Für den Franzosen, der in den Farben des Nationalmeisters fährt, war es sein erster Etappensieg. Und nicht nur das: Dieser Sieg verzeichnet den ersten Sieg eines Franzosen im Massensprint seit 2006, als Jimmy Casper in Straßburg gewann.

“Dieser Sieg ist unglaublich. Ich habe immer schon davon geträumt, eine Etappe bei der Tour de France zu gewinnen, seit ich ein Profi geworden bin“, sagte Démare.

 

Die übrigen Fahrer im Peleton kamen in kleinen Gruppen ins Ziel, nachdem sie auch in zwei Stürzen verwickelt waren. Geraint Thomas (Team Sky) kam wenige Minuten später ins Ziel. Aber aufgrund der 3-Kilometer-Regel, erhielt er die gleiche Zeit wie der Etappensieger und behält die Gesamtführung.

 

Geraint Thomas (Team Sky) blieb im Sturz in den letzten drei Kilometern unbeschadet und bleibt weiter in gelb. (Bild: Sirotti)

“Ich habe Glück gehabt und konnte meine Geschwindigkeit noch ziemlich stark drosseln, bevor ich in den Massensturz rauschte. Ich konnt nicht mehr ausweichen. Aber ich bin Stürze gewohnt, ist schon in Ordnung“, sagte er und bestätigte auch, dass sein Teamkollege und Titelverteidiger Chris Froome den Sturz vermeiden konnte.

Die fünfte Etappe morgen hat die erste Bergankunft der diesjährigen Tour de France. Nach 160 km erklimmen die Fahrer den Anstieg nach La Planche des Belles Filles und es wird vielleicht zum ersten Säbelrasseln zwischen den Hauptanwärtern auf die Gesamtklassifikation kommen.

Arnaud Demare feiert seinen ersten Etappensieg. (Bild: Sirotti)
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