Share

Tour de France 2017

Tour de France 2017: 9. Etappe – Richie Porte und Geraint Thomas müssen nach schweren Stürzen die Tour aufgeben

Chris Froome (Team Sky) behält gelb, Rigoberto Uran gewinnt im Fotofinish die Etappe

Was für ein Tag! Die erste richtige bergige Etappe versprach schon im Vorfeld Drama und Spannung, wenn sich die Favoriten auf das Gesamtklassement zum ersten mal richtig in den Wettkampf auf Zeitvorsprünge stürzen. Aber keiner konnte absehen, was sich auf dieser Etappe ergeben würde.

Rigoberto Úran (Cannondale-Drapac) gewann die Etappe, die schon im Vorfeld als die härteste Etappe der 104. Tour de France gehandelt wurde. Er konnte sich mit einer Felgenbreite gegen Warren Barguil (Sunweb) behaupten, nachdem ein Fotofinish den Beweis lieferte. Es war ein dramatisches Ende zu einer Etappe, in der zwei der großen Fahrer im Feld, Geraint Thomas (Team Sky) und Richie Porte (BMC) durch schwere Stürze zur Aufgabe gezwungen wurden.

(Foto: Sirotti)

Urán führte ein erlesenes Gruppetto von Kletterkünstlern über die Ziellinie, nachdem Romain Barguil als letzter Überlebender der Fluchtgruppe auf den letzten Kilometern vor dem Ziel von ihnen eingeholt worden war. Der Titelverteidiger und Führer in der Gesamtwertung Chris Froome (Team Sky) wurde dritter und behält somit das gelbe Trikot.

Es war wieder ein knappes Finale, das über ein Fotofinish entschieden werden musste. (Foto: Sirotti)

Dieses Jahr haben die Organisatoren sich eine andere Etappe als Königsetappe ausgesucht: Anstatt einen Riesen der Alpen und Ikone des Radsports als Bergankunft  zu wählen, führte die heutige Etappe als härteste und anspruchsvollste Etappe der diesjährigen Tour de France durch das Juragebirge und wartete mit vier grandiosen und harten Anstiegen auf: Nach einem Berg der zweiten Kategorie am Start folgten drei weitere harte Berge, die den Fahrern alles abverlangten.

Daraus erhofften sich die Organisatoren, dass das Rennen von einigen Teams in Einzelteile zerstört werden würde, so dass es nicht von den großen Teams der Tour de France von Anfang bis Ende kontrolliert wird, sondern auch andere Fahrer eine Chance bekämen. Die Rechnung ging auf: Das Rennen war spannend bis zum Schluss.

Die Sonne hatte sich nach der gestrigen Hitzeschlacht verzogen. Zwar machte der Regen auch keine Erscheinung, aber die Straßen auf dem Weg von Nantua nach Chambery waren stellenweise sehr feucht und nass, was auf den anspruchsvollen und schwierigen Abfahrten einigen Fahrern zum Verhängnis wurde.

Die 9. Etappe war von schweren Stürzen gezeichnet: Richie Porte (hier in Düsseldorf) kam schwer zu Fall und musste ins Krankenhaus (Foto: Sirotti)

Ein Sturz jagte den nächsten: Jesus Herrada (Movistar), Geraint Thomas und Rafel Maika (Bora-Hansgrohe) waren drei der Fahrer, die auf dem nassen Asphalt stürzten. Thomas wurde nach seinem Sturz wegen eines gebrochenen Schlüsselbeines zur Aufgabe gezwungen. Nach Quintana mit Valverde hat nun auch Chris Froome seinen Königshelfer der Tour de France verloren.

Aber schon am Anfang, nach knapp sieben Kilometern, kam es zu schweren Stürzen im Peloton. Manuele Mori (UAE Emirates), Robert Gesink (LottoNL-Jumbo) und Angelo Tulik (Direct Energie) waren unter den Fahrern, die zu Fall kamen. Mori und Gesink waren die ersten Fahrer, die bedauerlicherweise durch den Sturz die Tour de France aufgeben mussten. Sepulveda (Fortuneo-Oscaro) und Stake Laengen (UAE Team Emirates) kamen auf der Abfahrt des ersten Berges zu Fall, konnten aber weiterfahren.

Der letzte Sturz der Etappe war auch einer der schwersten: Auf der Abfahrt vom Mont du Chat verlor Richie Porte die Kontrolle, als er mit hoher Geschwindigkeit die Kurve nahm. Der Australier stürzte schwer – sein Fahrrad verschwand im Straßengraben und Porte schlitterte über die Straße und krachte in die Felswand. Dabei brachte er Dean Martin (Quick-Step Floors) mit zu Fall.

 

Martin konnte aufstehen und, wenn auch mit Schürfwunden, weiterfahren. Aber Porte hatte es schwer erwischt: Der Mitfavorit wurde von einem Krankenwagen abtransportiert, war aber bei Bewusstsein und ansprechbar. Später ging die Bestätigung ein, dass Porte sich das rechte Schlüsselbein und das Becken gebrochen hatte.

Auch Geraint Thomas (hier beim EZF in Düsseldorf) wurde nach einem Sturz zur Aufgabe gezwungen (Foto: Sirotti)

Bei all dieser Aufregung, die sich auf den Abfahrten abspielte, war der Zieleinlauf ein passendes, dramatisches Finale: Barguil war der einzige, der von einer Ausreissergruppe, die sich innerhalb der ersten sieben Kilometer geformt hatte, übrig geblieben war.

Barguil  konnte sich die Verfolger vom Leib halten und war immer noch vorne, als die Fahrer den letzten Berg des Tages, Mont du Chat, überquerten. In der Verfolgergruppe befanden sich die Favoriten auf den Gesamtsieg: Chris Froome, Urán, Porte, Romain Bardet (AG2R), Dan Martin, Fabio Aru (Astana) und Jakob Fuglsang (Astana). Nairo Quintana (Movistar) und Alberto Contador (Trek-Segafredo) verloren auf dem letzten Anstieg den Anschluss.

Es war auf dieser Abfahrt, dass Porte die Kontrolle über sein Rad verlor und durch seinen schweren Sturz das Rennen aufgeben musste. Martin, der von Porte zu Fall gebracht wurde, konnte weiterfahren, aber verlor den Anschluss und verzeichnete einen starken Zeitverlust von über einer Minute.

Die Jagd nach Barguil ging weiter. Bardet zog vorne an, um die Lücke zu schliessen. Als die Strecke flacher wurde, schaffte der Franzose, sich an Barguil heranzuarbeiten und ihn zu überholen. Der Mitfavorit ging dann zum Soloangriff über, um zu versuchen, die Etappe und Zeitgutschriften zu gewinnen.

Chris Froome verteidigte erfolgreich seine Führung und zieht im gelben Trikot in den morgigen Ruhetag (Foto: Sirotti)

Bardet wurde auf den letzten vier Kilometern von den Verfolgern eingeholt. Fuglsang führte die erlesene Gruppe der Favoriten in einen Sprint zum Ziel. Mit 200 Metern vor der Ziellinie wurde er rechts von Urán überholt. Bardet versuchte noch, mit dem Kolumbianer mitzuhalten, aber er konnte die Geschwindigkeit Urans nicht parieren. Dann kam Barguil nach vorne geschossen und zog auf der Ziellinie mit Uran gleich. Nur ein Fotofinish konnte bestätigen, dass Uran um eine Reifenbreite diesen Etappensieg für sich beanspruchen konnte.

Quintana kam 1:15 später in das Ziel. Alberto Contador (Trek-Segafredo) hatte größere Verluste zu verzeichnen: Der Spanier, der auf einen Sieg hofft, liegt 4:19 hinter dem Titelverteidiger Froome.

Contador liegt nach der heutigen Etappe über vier Minuten hinter Froome in gelb. (Foto: Sirotti)

Top 10 Etappenklassement – 9. Etappe

  1. URAN Rigoberto CANNONDALE-DRAPAC 05:07:22
  2. BARGUIL Warren TEAM SUNWEB
  3. FROOME Christopher TEAM SKY
  4. BARDET Romain AG2R LA MONDIALE
  5. ARU Fabio ASTANA PRO TEAM
  6. FUGLSANG Jakob ASTANA PRO TEAM 05:08:37
  7. BENNETT George TEAM LOTTONL-JUMBO
  8. LANDA Mikel  TEAM SKY
  9. MARTIN Daniel QUICK-STEP FLOORS
  10. QUINTANA Nairo MOVISTAR
Newsletter Terms & Conditions

Please enter your email so we can keep you updated with news, features and the latest offers. If you are not interested you can unsubscribe at any time. We will never sell your data and you'll only get messages from us and our partners whose products and services we think you'll enjoy.

Read our full Privacy Policy as well as Terms & Conditions.

production