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Werkstatt & Material

So bekommst du dein Rennrad fit für den Sommer – 10 Schritte

Ist dein Drahtesel schon sicher und fahrbereit? Nein!? Wir sagen dir, was zu tun ist.

Die Tage sind länger, heller und wärmer geworden. Na gut, ein wenig untertrieben dargestellt sind sie bisher auch ziemlich nass gewesen. In Wirklichkeit hat Mutter Natur mit starkregenbedingten Sturzfluten für vollgelaufene Keller, Millionenschäden und Existenzängste gesorgt. Und all das obwohl der meteorologische Sommer schon in vollem Gange ist.

Der Sommer steht vor der Tür – hoffentlich!?

Pünktlich zum kalendarischen Sommeranfang scheint sich nun aber doch alles zum Guten zu wenden. Zumindest gibt der Wetterbericht derzeit Grund zur Hoffnung. Sofern nicht schon geschehen, kann du dein Winterbike jetzt endgültig einmotten und deine Sommermaschine entstauben. Natürlich musst du bevor es losgeht erst dafür sorgen, dass dein Untersatz nach dem Winterschlaf wieder sicher und fahrtauglich ist. Entweder bringst du es zur Fahrradwerkstatt deines Vertrauens oder du legst, genau wie wir es schon vor vielen Wochen getan haben, selber Hand an. Unsere Anleitung beinhaltet zehn Schritte, die dir dabei helfen, dein Rennrad wieder fit für den Sommer zu machen.

Der kalendarische Sommeranfang steht unmittelbar bevor. Ist dein Bike schon fit für die warme Jahreszeit?

1) Reinige dein Bike

Ein sauberes Rennrad ist ein schnelles Rennrad. Ganz oben auf deiner Agenda sollte also die gründliche Reinigung deiner Maschine stehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob du sie auch im Winter genutzt hast oder ob sie die kalten Monate in Garage, Keller oder Wohnzimmer Winterschlaf gehalten hat.

Die Reinigung deines Rennrades sollte auf deiner Sommer-Checkliste an erster Position stehen.

Wenn du in Form und motiviert bist, darf dein Bike nicht das Gegenteil ausstrahlen. Vielmehr muss es genau wie du in neuem Glanze erstrahlen. Es mal eben mit einem alten Shirt zu entstauben, reicht bei Weitem nicht aus. Du liebst den Radsport. Du liebst dein Rennrad. Nimm dir also die Zeit, die es verdient und sorge dafür, dass es aussieht wie neu. Dein Bike wird es dir danken.

Stell dein Bike aufrecht hin oder noch besser, spanne es in einen Bike-Ständer ein und befreie es zunächst von losem, offensichtlichen Schmutz. Anschließend stellst du Reiningungsmittel, einen sauberen Schwamm und einen Eimer mit warmem Wasser bereit. Jetzt kann es losgehen. Beginne mit dem Antrieb und arbeite dich dann Komponente für Komponenten bis zu den Laufrädern vor. Den Bremsen und der Kassette solltest du besondere Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Spüle alles mit klarem Wasser ab, trockne das gesamte Bike anschließend gründlich mit einem sauberen Lappen und beende den Reiningungsvorgang durch das Einfetten der Kette.

Sorge dafür, dass deine Kette immer in einem super Zustand ist.

2) Kontrolliere, reinige und schmiere den Antrieb

Der Antrieb ist das mechanische Herzstück deines Bikes. Diesem Bereich solltest du also deine ganz besondere Aufmerksamkeit widmen – und das nicht nur zum Beginn der Saison. Kontrolliere deine Kette regelmäßig auf Schmutz, prüfe ihre Funktionalität und wechsle sie wenn nötig aus. Am besten checkst du sie mit einem Kettenprüfer. Solltest du keinen zur Hand haben, kannst du die Kontrolle auch manuell durchführen. Hebe die Kette an einer Stelle des Kettenblattes an und prüfe, von wie vielen Zähnen sie sich abheben lässt. Offenbaren sich drei oder sogar vier Zähne lässt das auf eine starke Abnutzung schließen.

Wenn du dein Rennrad reinigst, solltest du für den Antrieb die meiste Zeit einrechnen. Ein Kettenreiniger wie beispielsweise der Muc-Off X3 Dirty Chain Machine kann den Reinigungsprozess beschleunigen. Hast du allerdings genügend Zeit und scheust dich nicht vor dreckigen Fingern, kannst du die Kette, den Umwerfer, das Schaltwerk, die zugehörigen Schaltungsrädchen sowie Kettenblätter und Kassette auch mit einem Lappen vom Schmutz befreien. Ist der Dreck erst einmal entfernt, musst du mit Hilfe eines Entfetters und einer Bürste (eine alte Zahnbürste erfüllt diesen Zweck ganz gut) noch alle Schmiermittelreste beseitigen.

Bist du zufrieden mit dem was du als Reinigungskraft geleistet hast, spülst du alle Komponenten mit sauberem Wasser ab und trocknest sie mit einem sauberen Tuch. Um das Projekt Antrieb abzuschließen, fettest du die Kette mit einem sommertauglichen Schmiermittel. Es ist vollbracht. Du kannst die Straßen wieder mit einem sauberen, leisen und rundlaufenden Antrieb unsicher machen.

Für präzises, zuverlässiges und schnelles Schalten müssen sowohl der Umwerfer als auch das Schaltwerk optimal eingestellt sein.

3) Kontrolliere die Schaltung

Wenn etwas ähnlich an den Nerven sägen kann wie eine quietschende Kette dann ist das eine schlecht eingestellte Schaltung. Ohne einen optimal eingestellten Umwerfer ist ein geschmeidiges Schalten zwischen dem kleinsten und dem größten Kettenblatt unmöglich. Zudem reibt die Kette an der Mechanik. Ein gut eingestelltes Schaltwerk ermöglicht hingegen einen präzisen, zuverlässigen und schnellen Schaltvorgang an der Kassette.

Das richtige Einstellen der Schaltung gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten eines jeden Hobbymechanikers. Was ist aber zu tun, um die Schaltung optimal einzustellen? Keine Sorge. Die Sache klingt komplizierter als sie ist. Die folgenden beiden Videos zeigen dir, wie es funktioniert:

4) Kontrolliere die Laufräder

Der Saisonbeginn ist der optimale Zeitpunkt, um auch die Laufräder einem Check zu unterziehen. Gerade wenn sie auch in den Wintermonaten zum Einsatz kamen, solltest du sicherstellen, dass sie den Anforderungen, die der Sommer an sie stellt, noch gerecht werden. Prüfe, ob die Speichen noch die richtige Spannung haben und tausche sie wenn nötig aus. Stelle auch sicher, dass die Laufräder noch rundlaufen.

Unterziehe auch Laufräder und Speichen einem Check bevor du mit deinem Bike in den Sommer startest.

Folgende Anleitung sagt dir anhand von Tipps und Bildern Schritt für Schritt, was bei einer kaputten Speiche zu tun ist:

Gebrochene Speiche austauschen – so gehts

Es ist unnötig, zu erwähnen, dass du in einem Aufwasch auch prüfst, ob mit den Schnellspannern und den Naben alles in Ordnung ist. Solltest du dir nicht sicher sein, kann dir folgender Artikel weiterhelfen:

Wartung des Konuslagers

Mit einem kurzen aber gründlichen Reifencheck kannst du einer lästigen Reifenpanne vorbeugen.

5) Kontrolliere die Reifen

Wie schon so oft erwähnt, sind die Reifen die einzige Komponente an einem Bike, die Kontakt zum Untergrund hat. Lasse also auch ihnen unbedingt deine Aufmerksamkeit zuteil werden. Sind sie nicht in einwandfreiem Zustand, musst du Abhilfe schaffen.

Inspiziere deine Reifen regelmäßig und sorgfältig auf Beschädigungen und Fremdkörper, die die Sicherheit beeinträchtigen oder das Pannenrisiko erhöhen könnten. Taste die Oberfläche, die Innenseite und die Seitenwände vorischtig mit deinem Finger ab und entferne alles, was an einem Reifen nichts verloren hat. Das ist eine Arbeit, die sich mit Hilfe eines Fahrradständers und Reifenhebern leicht und schnell erledigen lässt. Opferst du den Reifen also fünf Minuten deiner wertvollen Zeit, kannst du lästigen Momenten der Pannenbehebung am Straßenrand, die deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, vorbeugen. Vergesse dabei auch nicht, für den richtigen Reifendruck zu sorgen.

Sofern du dein Bike auch in der kalten Jahreszeit genutzt hast, solltest du dir überlegen, die Winterreifen gegen Modelle für den Sommer zu ersetzen. Beim Thema Reifen solltest du neben dem Pannenschutz aber auch noch auf ein paar andere Faktoren wie den Rollwiderstand, das Gewicht, die Geschwindigkeit und die Haltbarkeit achten. Folgender Artikel sagt dir, worauf du beim Reifenkauf achten musst:

So findest du den perfekten Rennrad-Reifen

6) Kontrolliere die Bremsen und die Bremskabel

Wie wichtig die uneingeschränkte Funktionalität der Bremsen ist, brauchen wir nicht extra zu erwähnen. Um sicher durch den Sommer zu kommen, musst du also auch diesem Bereich deine volle Aufmerksamkeit schenken. Kontrolliere die Bremsen an sich, die Bremskabel und die Bremsbeläge.

Gerade in Bezug auf die Bremsen solltest du nichts dem Zufall überlassen.

Versetze hierzu die Räder in Bewegung und betätige die Bremsen. Das Laufrad sollte sofort zum Stillstand kommen. Ist das nicht der Fall, könnte es sein, dass die Bremsbeläge an beiden oder an einer Seite keinen optimalen Kontakt zur Felge haben. Eventuell sind die Pads auch schon zu abgenutzt und müssen durch neue ersetzt werden. Wie du die Bremsbeläge wechselst, sagt dir der folgende Artikel:

Bremsbeläge am Rennrad wechseln – so gehts

Achte auch darauf, ob der Bremshebel sich noch sauber bewegen lässt und ob die Bremskabel die nötige Spannung haben. Sofern du dein Bike schon länger nicht mehr gewartet hast, solltest du bei der Gelegenheit neben den Bremskabeln auch jedes andere Kabel an deinem Bike überprüfen. Solltest du tatsächlich einmal ein Bremskabel austauschen müssen, kannst du im folgenden Video sehen, wie es funktioniert:

Ist ein Bremskabel kaputt, sollte es sofort ausgewechselt werden. Gerade in Bezug auf die Bremsen ist Vorsicht besser als Nachsicht. Mal abgesehen vom Sicherheitsfaktor kann ein defektes Bremskabel auch die Mechanik des Schalthebels in Mitleidenschaft ziehen. Des Weiteren kann es sehr schwer sein, ein gespleißtes Kabel zu entfernen. Tu dir also selber einen Gefallen und agiere hier vorbeugend.

Um bei der Kontrolle aller Schrauben an deinem Bike nicht mehr Schaden als Nutzen zu haben, solltest du mit einem Drehmomentschlüssel arbeiten.

7) Ziehe alle Schrauben nach

Einer der letzten Schritte deines Sommer-Checks ist das Nachziehen aller am Bike befindlichen Schrauben. Gleichzeitig solltest du auch darauf achten, dass alle Schrauben in Ordnung sind. Beschädigte Schrauben solltest du unverzüglich auswechseln.

Die meisten Schrauben an einem Bike haben einen vorgeschriebenen Drehmoment. In der Regel beträgt dieser 5 oder 6nm (meistens ist der entsprechende Wert angegeben). Es ist wichtig, dass du diesen nicht überschreitest. Die Sattelklemme ist beispielsweise ein Teil, dass es leicht sprengt wenn du die Schraube zu fest anziehst. Besteht dein fahrbarer Untersatz aus Carbon, ist noch mehr Vorsicht geboten. Hier kann neben der Klemme auch der Rahmen schnell Schaden nehmen. Ein Drehmomentschlüssel ist also eine sehr sinnvolle Investition, möchte man seinem Rennrad keinen unnötigen Schaden zufügen. Es gibt auch Schlüssel mit einem festen Drehmoment. Hersteller wie beispielsweise Topeak, Ritchey oder Bontrager haben hier günstige Modelle im Angebot.

Stelle auf jeden Fall auch sicher, dass der Steuersatz optimal angezogen ist. Ein loser Steuersatz sorgt bei jedem Bremsen für ein nerviges Klopfen. Ist er hingegen zu fest angezogen, beeinträchtigt das die Lenkung und es kann schnell zu Schäden am Lager oder anderen internen Komponenten kommen. Hier die richtige Einstellung zu finden, ist keine große Sache. Das folgende Video zeigt dir, wie du das Thema Steuersatz am besten angehst:

Ein neues Lenkerband kann schon ausreichen, um dich mit einem ganz anderen Gefühl in den Sommer starten zu lassen.

8) Weitere Upgrades für den Sommer

Der Saisonbeginn ist die beste Zeit, um ein paar Upgrades an deiner Maschine vorzunehmen. Neue Laufräder können das Fahrgefühl auf einen neuen Level heben. Wer hier ein wenig Geld in die Hand nimmt, kann sein Bike schneller und aerodynamischer machen. Das Angebot an Laufrädern ist riesig und preislich sind nach oben quasi keine Grenzen gesetzt.

Aber auch an anderer Stelle kannst du deinen Drahtesel aufhübschen ohne dabei gleich das Konto zu sprengen. Du könntest beispielsweise auf einem neuen Sattel in den Sommer starten, deinem Bike und dir eine neue Sattelstüzte gönnen, mit breiteren Reifen dem temporären Trend folgen oder einfach nur zu einem neuen Lenkerband greifen. Wie du den Lenker neu wickelst, erfährst du in folgemdem Artikel:

Lenkerband richtig am Rennrad wickeln – so gehts

9) Kontrolliere, ob dein Bike optimal auf dich eingestellt ist

Dein Bike kann noch so genial aussehen und unendlich teuer gewesen sein. Sofern es nicht auch optimal auf dich eingestellt ist, kann es dennoch unkomfortabel sein, dich daran hindern, die volle Leistung zu bringen oder im schlimmsten Fall das Verletzungsrisiko begünstigen. Sind die Schmerzen erst einmal da, gehen sie von alleine nicht mehr weg. Oft liegt es tatsächlich nur an einer kleinen Einstellung wie beispielsweise der Sattelhöhe. Begib ich auf die Suche nach dem Ursprung des Problems und behebe es. Die folgenden Artikel können dir bei der Ursachenforschung helfen:

Die richtige Sattelhöhe – so stellst du sie ein
5 Tipps für einen besseren Komfort auf dem Bike

Woher weißt du aber, ob dein Bike perfekt auf dich eingestellt ist? Zunächst musst du sicherstellen, dass dein Rahmen auch die richtige Größe für dich hat. Diesen Punkt solltest du aber beim Kauf deines Bikes bereits abgehandelt haben. Jeder vernünftige Fahrradhändler sollte bei der Wahl der richtigen Größe behilflich sein. Vereinzelte Bike-Shops bietet sogar den Service eines kompletten Bike-Fittings.

Alles beginnt mit der richtigen Rahmengröße. Lass dich also nicht von vermeindlich tollen Angeboten in Prospekten oder dem Internet blenden.

Zwickt es in den Knien, im Rücken, den Händen oder an einer anderen Stelle, ist das ein Anzeichen dafür, dass du die Einstellungen an deinem Bike überdenken solltest. Wir haben vor einiger Zeit genau zu diesem Thema mit dem Physiotherapeuten Phil Burt gesprochen, der beratend für das Sky-Team tätig ist. Was er zum Thema Bike-Fitting zu sagen hatte, könnt ihr im folgenden Artikel nachlesen:

Sitzposition, Bike-Fitting und Training – Tipps von Phil Burt (Team Sky)

10) Ein neues Rennrad gefällig?

Wer glanzvoll in den Sommer starten will und das nötige Kleingeld hat, kann es sich natürlich auch ganz leicht machen und sich ein ganz neues Bike zulegen. Der Markt ist voll von interessanten Rennrädern. Die Qual der Wahl ist also vorprogrammiert. Allerdings sollte man die Optik nicht primär in die Kaufentscheidung mit einfließen lassen. Auf dem Weg zum optimalen Bike gibt es viel wichtigere Fragen zu klären.

Aus welchem Material sollte der Rahmen bestehen? Möchte ich ein Bike mit Felgen- oder Scheibenbremsen? Soll es überhaupt ein Bike von der Stange sein oder macht es mehr Sinn, mein neues Bike selber zusammenzustellen? Welche Geometrie ist die richtige für mich?

Die folgenden Artikel können dir dabei helfen, viele der Fragen zu beantworten:

Rennrad-Geometrie – der ultimative Ratgeber
Die Qual der Materialwahl – Carbon, Stahl, Aluminium oder Titan?
Rennrad-Selbstaufbau: 6 gute Gründe
Scheibenbremse vs. Felgenbremse am Rennrad – das Duell
Fahrradkonfigurator: individuelles Rennrad selbst zusammenstellen

Nimm dir die nötige Zeit, um am Ende auch tatsächlich das passende Bike für dich zu finden.

Nimmst du dir unsere 10 Schritte zu Herzen, steht einem optimalen Start in den Sommer nichts mehr im Wege.

Gute und sichere Fahrt!

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