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Training & Ernährung

Radfahren im Winter – so kommst du durch die kalte Jahreszeit

Radfahren im Winter hat seinen eigenen Reiz und hält fit. Hier findest du ein paar Tipps, wie du auf dem Rad den Winter erschließen kannst.

Die Temperaturen fallen unter den Gefrierpunkt, der Schneegeruch liegt in der Luft, vielleicht sind schon die ersten Flocken gefallen. Schneller als du denkst, setzt die Dämmerung ein. Langsamer als dir lieb ist, wird es morgens hell. Unweigerlich musst du zugeben: Der Winter ist angekommen.

Aber das Radfahren im Winter hat seine eigenen Reize und Vorzüge. Mit der richtigen Einstellung und Vorbereitung kann dir das Radfahren im Winter auch Spaß bereiten und du musst nicht die ganze kalte Jahreszeit auf der Rolle verbringen.

Lassen die Wetterbedingungen einen Ausritt mit deinem Rennrad zu, musst du trotzdem immer Ausschau nach vereisten Passagen halten. (Foto: Explore Kent)

Radfahren im Winter – Wie wird das Wetter?

Radfahrer sind vom Wetter besessen – ich nehme mich da selber nicht heraus. Im Winter ist diese Besessenheit von Vorteil, denn nichts bestimmt im Winter mehr die Entscheidungen, die für die Ausfahrt getroffen werden, wie das Wetter: Von der Wahl der richtigen Klamotten bis hin zur Strecke beeinflussen die Witterungsverhältnisse die Auswahl.

Ein rechtzeitiger Blick auf die Wettervorhersage hilft bei der Planung der Winterfahrt. Das Wetter ist selten beständig, vor allem im Winter solltest du die Außentemperatur und Wetterverhältnisse am Tag der geplanten Fahrt nocheinmal genauer betrachten, um nicht böse überrascht zu werden. Ein unvorhergesehener Temparatursturz zum Beispiel, kann die Straßen in eine Eisbahn verwandeln, was eine Planänderung bedeuten kann.

Schnee und Eis müssen nicht sein: Beobachte das Wetter und plane demenstprechend deine Ausfahrt.

Was ziehe ich im Winter auf dem Rad an?

Es gibt Tage, bei denen ich beim Blick auf das Wetter am liebsten alles anziehen möchte, was mein Kleiderschrank hergibt. Die niedrigen Temperaturen können durch einen kalten Wind, der einem entgegenweht, als noch kälter empfunden werden. Es ist wichtig, während der Fahrt warm zu bleiben, ohne zu überhitzen und bei kurzen Pausen eine Unterkühlung zu vermeiden.

Die Zusammenstellung der richtigen Kombination von Unterhemd, Wintertrikot oder -jacke, langen Radhosen bis hin zu den Strümpfen, Mütze und Überschuhen wird dir nicht von Anfang an gelingen. Bevor ich anfing, auch die Winter durchzufahren, war mir das Konzept von verschiedenen Überschuhen, Unterhemden, Handschuhen und Mützen ziemlich befremdlich.

Mit der richtigen Kleidungswahl macht das Fahren in der Kälte auch Spaß. (Pic: Sirotti)

Aber mit jedem Winter, den ich durchfuhr, wuchs auch meine Garderobe immer mehr an. Jetzt habe ich eine gute Auswahl an Kleidung aus verschiedenen Materialien und mit unterschiedlichen Funktionen, die ich, je nach Wetter, beliebig kombinieren kann. Immer klappt es auch nicht, aber aus Fehlern lernt man und mit der Zeit wirst du die notwendige Erfahrung sammeln, was zu dir und deinen Winterausfahrten am besten passt. Ich weiß jetzt Bescheid: Du kannst nie genügend Strümpfe, Handschuhe, Mützen, geschweige denn Unterhemden haben.

Rennradfahrer sind bekannt für ihre Eitelkeit. Aber im Winter hat die Stylepolizei Urlaub. Die langen Kniestrümpfe aus Merinowolle unter meiner langen Bibtight sieht keiner. Hauptsache, meine Waden sind und bleiben warm. Warme Waden sind bei mir gleichbedeutend mit warmen Füßen. Auch sieht keiner, dass ich unter meinem farblich abgestimmten schwarz-rot-weißen Winterensemble in Vereinsfarben ein knallgrünes Unterhemd trage, das sowohl warm als auch lang ist und nicht nur über meinen gesamten Rücken, sondern auch bis über den Lendenwirbelbereich geht. Hauptsache, mir ist warm und mein Rücken und meine Nierenpartie sind geschützt und werden warm gehalten.

Heutzutage gibt es eine große Auswahl an Funktionskleidung, die es dir ermöglicht, deine Wintergarderobe zusammenzustellen, um gegen jegliche Witterung gewappnet zu sein.

Kalte Füße sind mir ein Graus und haben mir anfangs die eine oder andere Ausfahrt verdorben. Ich probierte, mehr oder weniger erfolgreich, verschiedene Kombinationen aus Lammfelleinlegesohlen, Strümpfen und Überschuhen und liebäugelte mit Radschuhen für den Winter. Dann entdeckte ich beheizbare Einlegesohlen. Sie werden aufgeladen und kommen zum Einsatz, wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen und ich länger als eine Stunde draußen unterwegs sein möchte. Aber nicht alles ist High-Tech: Für die Übergangszeit habe ich Einlegesohlen aus Lammfell, kombiniert mit Strümpfen aus Merinowolle, als wirklich angenehme, relativ günstige und brauchbare Lösung gefunden.

Checke vor Fahrtantritt den Wetterbericht und du brauchst dir keine Sorgen machen, von einem plötzlichen Wetterumschung überrascht zu werden.

Durch den Wind und die kühlen Temperaturen kann es dir an den Ohren und am Kopf empfindlich kalt werden – und zwar nicht nur, wenn die Haare etwas lichter sind. Die Belüftungschlitze an deinem Helpm sorgen im Sommer wunderbar für die notwendige Kühlung. Im Winter kann diese Kühlung Kopfschmerzen verursachen. Von einer Schirmmütze, über eine Bandana bis hin zu einer witterungsgerechten Winterkappe – jeder Kopf findet seinen Deckel, der zu seinem Kälteempfinden passt.

Wann starte ich meine Tour im Winter?

Es ist frühmorgens und der Blick auf das Thermometer zeigt Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, ein Blick auf die Straße und die Oberfläche glitzert verräterisch: Auch der Zeitpunkt der Ausfahrt unterliegt im Winter stark den wetterlichen Bedingungen. Wenn dir die Straße nicht geheuer ist, solltest du nach Möglichkeit die geplante morgendliche Ausfahrt auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, wenn die Straßen eine Chance hatten, aufzutauen. Ein Ausrutscher auf Glatteis kann dich um Wochen und Monate zurückwerfen.

Im Winter ist deine Flexibiltät gefragt. Nicht nur, was deine Trainingszeiten angeht, sondern auch die Art und Weise betreffend, wie du trainierst. Auch wenn es draußen schöner ist, weichen viele Radfahrer in der kalten Jahreszeit auf die Rolle aus. Die Rolle bietet eine gute und sichere Alternative, während du auf das Tauwetter wartest.

Wo fahre ich lang?

Wie viele Entscheidungen im Winter wird die Antwort auf diese Frage von den Witterungs- und Straßenverhältnissen bestimmt. Auch wenn die Straßen etwas getaut sind, fahre ich an den Tagen, an denen es morgens noch gefroren hat, nicht die Wege entlang, die der Sonne kaum ausgesetzt sind und im Schatten liegen. Die Gefahr, dass die Oberfläche im Schatten noch vereist ist, ist mir zu groß. Auch das Tempo wird vom Wetter bestimmt: Der Winter eignet sich hervorragend für ruhigere Ausfahrten – auf feuchten, rutschigen Straßen mit vereisten Stellen forderst du mit einem scharfen Tempo das Schicksal heraus.

Der Winter ist nicht die Zeit für Entdeckungsreisen: Wähle dir bekannte Strecken und Straßen aus.

Das Licht verändert sich im Winter, die Sonne steht tief und die Dämmerung tritt sehr schnell ein. Fahre am besten auf Wegen und Strecken, die dir bekannt sind und die du dir im Sommer gut einprägen konntest. Wenn du jede Biegung, Kurve, Unebenheit und jedes Schlagloch auf deiner Strecke kennst, wirst du in der Winterdämmerung und in der Dunkelheit selbstbewusster unterwegs sein können.

Wie viele Radfahrer weiß ich den geselligen Teil unseres Sports zu schätzen, unter anderem auch die Kaffeepause unterwegs. Im Winter verzichten meine Mitstreiter und ich auf die Pause bei Kaffee und Kuchen: Mit verschwitzter Kleidung, die am Körper auskühlt,  wieder in die Kälte treten, um weiterzufahren, kann dir den zweiten Teil der Tour verleiden. Wenn du auf den Kaffeeklatsch nicht verzichten möchtest, kannst du mit deinen Kumpels am Ende der Ausfahrt in ein Café einkehren. Der Weg nach Hause und zur heißen Dusche ist dann auch in leicht ausgekühlten Klamotten nicht mehr zu weit.

Wie lange fahre ich?

Wie schon gesagt wurde, eignen sich die Witterungs- und Straßenverhältnisse nicht unbedingt für Tempoeinheiten. Kurze, knackige und schnelle Ausfahrten auf der Hausrunde fallen dadurch weg oder werden auf die Rolle verlegt. Längere Ausfahrten, um die Grundausdauer und Fitness zu erhalten und sich an der frischen Luft zu bewegen, sind im Winter ideal. Stundenlang in der Kälte unterwegs zu sein, wenn trotz der besten Kleidungsstrategie langsam die Finger und Zehen einfrieren, ist auch kein großes Vergnügen. Letztendlich entscheidet jeder für sich, wie lange und wie weit die Winterausfahrt sein wird.

Kleine Tipps am Wegesrand

Ich stieg langsam in das Radfahren im Winter ein. Über die Jahre steigerte ich meine Umfänge im Winter, bis ich plötzlich das ganze Jahr durchfuhr und den Winter für mich entdeckte. Nicht nur mein Kleiderschrank reflektiert meine Begeisterung für das Fahren im Winter: Mit der Zeit habe ich die eine oder andere Idee gehabt und von alteingesessenen Fahrern den einen oder anderen kleinen Tipp mit auf den Weg bekommen:

Nach Möglichkeit bei nassen Straßen nicht gegen die Sonne fahren, sondern die Sonne hinter dir haben. Durch die niedrigstehende Sonne und der Nässe werden Autofahrer noch mehr geblendet. Es besteht eine größere Gefahr, dass Autofahrer dich erst im letzten Moment sehen.

Im Sommer wie im Winter packe ich mir immer eine Foliendecke in die Rückentasche. Sie ist klein und leicht. Im Notfall kann ich mich, oder jemand anderen, darauf setzen oder darin einwickeln und etwas warm bleiben, bis Hilfe kommt.

Im Winter kommt auch immer eine Windweste oder leichte Regenjacke mit, auch wenn ich sie nicht trage. Falls ich zu einer längeren Pause gezwungen werde, wird als erstes die Weste angezogen, um eine schnelle Auskühlung zu vermeiden.

Warum tue ich mir das an?

Der Frost, der dir in die Wangen und in die Nase beißt, der kalte Wind, der dir die Tränen in die Augen treibt, Rauhreif auf den Gräsern und Bäumen, die rote Wintersonne. Es ist still. Die Straßen, auf denen es im Sommer vor Radfahrern nur so wimmelt, liegen ruhig und verlassen da. Dein Atem, der sich vor deinem Gesicht formt, die Reifen, die auf der Straße rollen, das Klicken der Gangschaltung sind die einzigen Geräusche. Es ist, als sei die Welt verzaubert. Du fährst zur Erholung der Dinge, die du geschafft hast und in Vorbereitung der Dinge, die da kommen mögen. Denn der nächste Sommer kommt bestimmt.

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