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Rennberichte & Analysen

UCI Weltmeisterschaft 2017: Die Kontroversen beim Einzelzeitfahren der Männer

Eine kurze Strecke, ein Anstieg zum Ziel, erlaubte Radwechsel: Tony Martin äußert sein Missfallen an der Wahl der Besonderheiten des Einzelzeitfahrens.

Tony Martin wird versuchen, seinen Titel im Einzelzeitfahren bei den UCI Weltmeisterschaften in Bergen zu verteidigen. Aber der regierende Weltmeister, der den Titel viermal gewonnen hat, rechnet seine Chancen nicht hoch aus.

Beim Einzelzeitfahren der Männer verläuft das Rennen eher untypisch: Die Strecke ist mit 31 Kilometern die kürzeste Strecke in der Geschichte der UCI Welmeisterschaften im Einzelzeitfahren. Als zweite Besonderheit ist der Weg zum Ziel: Die Fahrer müssen den 3,4 km langen Anstieg  Fløyen bezwingen, der im Schnitt 9 % , auf dem letzten Kilometer sogar auf 10 % Steigung kommt.

Der regierende Weltmeister Tony Martin rechnet seine Chance sehr gering ein, seinen Titel in Bergen verteidigen zu können und zum fünften Mal Weltmeister zu werden (Foto: Sirotti)

Für die Puristen unter den Einzelzeitfahrern wie Tony Martin, die mit Kraft und Power überzeugen, ist ein solches untypisches Streckenprofil bei der Weltmeisterschaft eher von großem Nachteil. „Das letzte Stück der Strecke ist für mich viel zu schwierig. Als der abgehende Weltmeister werde ich alles geben und kämpfen, aber ich weiß, dass meine Chance auf einen Erfolg minimal sein werden“, sagte Martin.

Tom Dumoulin (Niederlande) ist der große Favorit auf den Weltmeistertitel in Bergen. (Foto: Sirotti)

Die UCI hat außerdem Fahrern die Erlaubnis erteilt, am Fuß des Anstiegs Fløyen ihre Zeitfahrmaschinen gegen ein Rennrad auszutauschen. Damit bekommen die starken Bergfahrer eine Chance, etwas von der Zeit zurückzugewinnen, die sie auf dem Flachstück verloren. Ein Radwechsel birgt auch Risiken, denn es kann zwischen 5 und 10 Sekunden dauern, bis der Wechsel vollzogen wurde. Aber Berechnungen haben im Gegenzug ergeben, dass ein leichteres Rennrad  auf einem Berg wie Fløyen bis zu 20 Sekunden Zeiteinsparungen bringen kann.

Tony Martin gab sich mit der Entscheidung der UCI nicht einverstanden. „Ich bin schwer enttäuscht und kann nicht verstehen, warum sie es Fahrern erlauben, ihre Räder zu wechseln“, beklagte sich Martin. „Jetzt haben die Bergfahrer einen echten Vorteil. Sie werden durch den Wechsel nicht so viel Zeit verlieren wie sie auf dem Anstieg mit einem Rennrad wieder rausholen.  Wenn die Strecke für das Einzelzeitfahren so gelegt wird, sollte alle auf einer Zeitfahrmaschine fahren müssen. Es wäre für mich immer noch schwierig, zu gewinnen, aber ich hätte eine bessere und faire Chance, wenn es auf einem Zeitfahrrad ausgetragen werden würde.“

Zu den Top-Favoriten auf das begehrte Regebogentrikot zählen Chris Froome (Großbritannien), Rohan Dennis (Australien) und Tom Dumoulin (Niederlande). Dumoulin. Am Sonntag gewann Dumoulin mit seinem Team Sunweb den Weltmeistertitel im Mannschaftszeitfahren. Sunweb fuhr ein perfekts ausgespieltes Rennen und behaupteten sich gegen die Favoriten BMC Racing und Team Sky.

Für Dumoulin ist Rohan Dennis (Australien) der größte Rivale auf den Weltmeistertitel im Einzelzeitfahren. (Foto: Sirotti)

Der Niederländer, der im Mai den Giro d’Italia gewann, hat den Sommer damit verbracht, seine Vorbereitungen auf die Rennen in Bergen auszurichten. Nach der Leistung im Mannschaftzeitfahren zu urteilen, hat sich es ausgezahlt und Dumoulin wird als großer Favorit gehandelt.

Chris Froome, der von seinem Sieg bei der Vuelta a España nach Norwegen kommt, gibt sich realistisch in seinen Erwartungen. „Dumoulin ist der absolute Favorit“, sagte Froome, der im Juli seine vierte Tour de France gewann. „Er ist weder bei der Tour de France noch bei der Vuelta gestartet, Ich denke, er hat sich voll auf diese Rennen konzentriert und ich denke, er ist der Favorit.“

Dumoulin gibt sich realistisch in was er erreichen kann. Der Niederländer sieht in dem Australier und Zeitfahrspezialist Rohan Dennis seine größte Bedrohung. „Eine Strecke wie die hier in Bergen passt zu mir, aber es kommt auch auf die Form und die Beine an. Wenn ich die Beine habe, aber Rohan Dennis hat einen guten Tag, zum Beispiel, geht der Sieg an Dennis. Das ist klar.“

„Dennis ist mein Hauptrivale. Schon seit einem Jahr konnte ich ihn nicht mehr schlagen. Bei jedem Zeitfahren, in dem wir zusammen starten, hat er mich geschlagen. Es wird also schwierig. Froome könnte auch eine Bedrohung werden. Tony Martin muss man immer im Auge behalten, auch wenn ihm dieses Streckenprofil nicht unbedingt zusagt. Aber es kommt immer auf die Beine an.“

Tom Dumoulin gewann mit seinem Team Sunweb den Weltmeistertitel im Mannschaftszeitfahren. Das Regenbogentrikot im Einzelzeitfahren wäre „das Sahnehäubchen“ einer starken Saison. (Foto: Sirotti)

Der Sieger des Giro d’Italia gibt sich entspannt und motiviert. Mit seinem starken Auftakt zur Saison hat er sein größtes Ziel schon erreicht. Alles weitere ist ein Sahnehäubchen. „Ich muss meine Saisonziele nicht mehr erreichen“, sagte er. „Das ist natürlich ein guter Ausgangspunkt. Aber ich hoffe, dass ich meiner Saison noch ein Sahnehäubchen aufsetzen kann.“

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