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Tour de France 2017

Tour de France 2017: 15. Etappe – Vom Ausreißer zum Sieger: Ein starker Soloritt sichert Bauke Mollema den Tagessieg

Chris Froome konnte unterdessen das gelbe Trikot erfolgreich gegen die Angriffe von AG2R verteidigen.

Es waren noch 29 Kilometer zum Ziel als Bauke Mollema (Trek Segafredo) zu einem beherzten Soloangriff ansetzte und sich von der großen Fluchtgruppe absetzte. Seine mutiger Angriff wurde mit dem ersten Tour-de-France-Etappensieg seiner Karriere belohnt, als er mit seinem Soloritt vor Diego Ulissi (UAE Team Emirates) and Tony Gallopin (Lotto-Soudal) in Le-Puy-en-Valey ins Ziel kam.

Es war eine sehr unruhige aber auch sehr spannende Etappe, die sich in den Bergen des Central Massif entfaltete. Chris Froome konnte seine Gesamtführung verteidigen und konnte dem Druck von Romain Bardet (AG2R La Mondiale) und seinem Team standhalten, wenn auch mit einigen Schwierigkeiten. Der Titelverteidiger wurde von einem Angriff des französischen Teams überrascht. Abgesehen von Mikel Nieve verlor Froome sein ganzes Team. Kurz darauf widerfuhr Froome eine Panne. Das Peloton wartete nicht auf das gelbe Trikot, sondern stürmte weiter die Anstiege hinauf. Nieve fuhr weit über sich hinaus, um dafür zu sorgen, dass Froome wieder den Anschluss an die Gruppe schaffte, dem auch der Gesamtzweite, Fabio Aru (Astana) und Romain Bardet, Gesamtdritter, angehörte.

(Foto: Sirotti)
(Foto: Sirotti)

Vor dem zweiten Ruhetag der 104. Tour de France bestand heute nocheinmal die Gelegenheit für die Mitfavoriten und Anwärter auf das Gesamtklassement, die Dinge in der Gesamtwertung etwas aufzumischen. Es war eine anstrengende und sehr fordernde Strecke: 4.000 Meter galt es auf dem Weg zum Ziel zu erklimmen und die, zum Teil unklassifizierten, Anstiege kamen unerbittlich, einer nach dem anderen. Es war ein Tag für eine Fluchtgruppe, die sich ein Rennen innerhalb des Rennens um die Gesamtwertung liefern würden. Und die Radsportfans wurden nicht enttäuscht.

Froome kam auf dieser Etappe zum ersten mal in echte Schwierigkeiten (Foto: Sirotti)
Froome kam auf dieser Etappe zum ersten mal in echte Schwierigkeiten (Foto: Sirotti)

Eine 23 Mann starke Fluchtgruppe setzte sich schon innerhalb der ersten Kilometer vom Peloton ab, unter ihnen war Mollema. Team Sky gab sich entspannt und ließ die Gruppe ziehen, die zweitweise bis zu neun Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld hatten. Die Taktik von Team Sky war offensichtlich: Sie wollten das gelbe Trikot beschützen und das Rennen, mitsamt der Rivalen, im Hauptfeld kontrollieren. Die Rechnung wäre heute beinahe nicht aufgegangen.

Unter den Ausreißern befanden sich unter anderem Tony Martin (Katusha-Alpecin), Marcus Burghardt (Bora-Hansgrohe) und Warren Barguil (Team Sunweb). Am ersten Berg angekommen, dem Montée de Naves d’Aubrac, hatte die Gruppe schon zwei Minuten Vorsprung auf das Peloton. Auf der Jagd nach den Punkten der Bergwertung, setzte sich Barguil am Côte de Vieurals von der großen Fluchtgruppe ab. Mit einer Führung von 1’20“ kommt er als erster über den Anstieg, die Ausreißer hart auf seinen Fersen. Letztendlich findet die Ausreißergruppe wieder zusammen.

Es waren noch 65 km zum Ziel, als Tony Martin einen starken Angriff fährt und sich im Zeitfahrmodus von den Ausreißern absetzt. Er schafft einen Zeitabstand von 1’30“ und ganze 9 Minuten auf das Peloton, kann die Leistung aber nicht halten. Am Col de Peyra Taillade holt ihn erst Barguil und dann der Rest der Ausreißer wieder ein.

Nairo Quintana verlor den Anschluss an die Gruppe um das Gelbe Trikot und verliert noch mehr an Zeit. (Foto:Sirotti)
Nairo Quintana verlor den Anschluss an die Gruppe um das Gelbe Trikot und verliert noch mehr an Zeit. (Foto:Sirotti)

Auf der vorletzten Abfahrt des Tages, 29 Kilometer vor dem Ziel, fuhr Mollema seinen Angriff und setzte sich von der großen Ausreißergruppe ab. 17 Kilometer zum Ziel und Mollema hatte einen Vorsprung von 38 Sekunden, der auf 20 Sekunden geschrumpft war, als sich die Gruppen der 10-Kilometer-Marke näherten. Der Holländer schaffte es, seine vier Verfolger erfolgreich abzuhalten und kam 20 Sekunden vor Ulissi, Gallopin, Roglic und Barguil ins Ziel.

Für Mollema ist ein Traum in Erfüllung gegangen. „Ich bin so froh, endlich eine Etappe gewonnen zu haben“, sagte er. „Ich war einige Male schon nahe dran, aber dieses Jahr wollte ich es endlich erreichen. Das war mein Hauptziel und gestern wusste ich, dass ich heute eine Chance bekommen würde.  Als erstes wollte ich in die Fluchtgruppe, was mir nach ein paar Schwierigkeiten gelang. Und schließlich fühlte ich mich so gut, ich dachte, ich werde es auf den letzten 30 Kilometern versuchen. Ich glaube, ich bin nie so lange alleine gefahren und es war knapp. Die Tour de France ist für mich schon immer das wichtigste Rennen gewesen. Es war immer mein Traum, hier zu fahren und endlich habe ich eine Etappe gewonnen. Ich bin überglücklich.“

Froome gerät unter Druck

Während es unter den Ausreißern um ein Rennen um den Tagessieg ging, ging es im Peloton vor allem um eines: Das Gelbe Trikot. Am Col de Payra Taillade witterte das AG2R-Team seine Chancen. Auf engen, verwinkelten Straßen, mit denen Bardet aufgewachsen ist, ging das Team um den Gesamtdritten zu einem aggressiven Angriff über: Es setzte sich nach vorne und schlug in scharfes Tempo an.

Das Hauptfeld vor Froome, der nur einen Helfer an seiner Seite hatte, zerbrach. Froome befand sich schon in einer prekären Situation: Der Brite sah sich gezwungen, eine Lücke, die sich aufgetan hatte, als er sein Hinterrad wechselte, fast alleine zufahren zu müssen. Er war auf Henai und Nieve angewiesen, die sich in Grund und Boden fuhren, um den Vorsprung der Gruppe mit Bardet und Aru wieder zu schließen.

Froome geriet unter Druck von Bardet und seinem Team AG2R...(Foto: Sirotti)
Froome geriet unter Druck von Bardet und seinem Team AG2R …(Foto: Sirotti)

Nieve holte alles aus sich heraus, bevor Froome alleine weiterfahren und ohne Helfer weiterfahren musste. Er fand etwas Begleitung in der Form von Alberto Bettiol (Cannondale-Drapac) und schaffte es unter sichtlicher Anstrengung an Landa heranzukommen. Mit seiner Hilfe schaffte Froome es wieder an die Gruppe um Aru und Bardet. Es war das erste mal in seiner Karriere, dass Froome sich in so einer stressigen und beinahe aussichtslosen Situation befand. Diese Anstrengung wird den Titelverteidiger einiges abverlangt haben. Der Ruhetag kommt für Froome vielleicht gerade rechtzeitig.

Sobald Froome wieder mit von der Partie war, wusste Bardet, dass er seine Chance verloren hatte und stürzte sich, gefolgt von Uran, in die Abfahrt. Froome holte die zwei Fahrer wieder ein und brachte eine kleine erlesene Gruppe aus Mitfavoriten und Rivalen mit sich:  Aru, Contador, Simon Yates und Dan Martin.

Chris Froome war sich der harten Arbeit, die sein Team heute geleistet hatte, bewusst und gab zu, dass er einen Augenblick zweifelte, ob er den Anschluss wiederfinden würde.“Es war ein sehr stressiger Augenblick. Ich war mir nicht sicher, ob ich wieder an die Gruppe rankommen würde“, gab der Träger des Gelben Trikots zu. „AG2R fuhren wirklich ihr Rennen und sie fuhren sehr schnell. Vor dem Anstieg hatte ich Probleme mit meinem Hinterrad. Kwiatkowski gab mir sein Hinterrad, denn unser Teamwagen steckte hinten irgendwo und kam nicht durch. Ich gab alles, wieder an die Führungsgruppe dranzukommen.“

“Ich kann mich nur bei meinem Team wieder einmal bedanken, dass sie mir geholfen und beigestanden haben. Sergio Henao und Mikel Nieve gaben wirklich alles, und auch Landa. Er hat mir am Berg sehr gheolfen. Jetzt kommt es auf meine Rivalen an, ob sie mich vor dem Zeitfahren in Marseille angreifen und Zeit rausholen wollen. Ich bin erstmal zufrieden, dass ich das gelbe Trikot habe und morgen ein Ruhetag auf dem Programm steht.“

Aber er konnte das gelbe Trikot wieder erfolgreich verteidigen (Foto: Sirotti)
Aber er konnte das gelbe Trikot wieder erfolgreich verteidigen (Foto: Sirotti)

Dan Martin, der durch den Sturz mit Richie Porte (BCM Racing) einiges an Zeit einbüßen musste, schaffte es durch einen späten Angriff auf die Gruppe um Froome ein paar Sekunden gutzumachen. Der Ire landete damit auf Platz fünf der Gesamtwertung. Nairo Quintana (Movistar) verlor noch mehr Zeit an Chris Froome. Der Kolumbianer wurde am Col de Peyra Taillade zurückgelassen und konnte, nach einem Versuch sich an die Gruppe ranzuhängen, nicht mithalten. Der Movistar-Fahrer verlor auf dieser Etappe mehrere Minuten und ist aus den Top 10 des Gesamtklassement gefallen.

Top 10 Klassement – 15. Etappe

  1. MOLLEMA Bauke TREK-SEGAFREDO 4:41:47
  2. ULISSI Diego UAE TEAM EMIRTATES 0:00:19
  3. GALLOPIN Tony LOTTO SOUDAL
  4. ROGLIC Primoz TEAM LOTTONL-JUMBO
  5. BARGUIL Warren TEAM SUNWEB +0:00:23
  6. ROCHE Nicolas BMC RACING TEAM +0:01:00
  7. CALMEJANE Lilian DIRECT ENERGIE 0:01:04
  8. BAKELANTS Jan AG2R LA MONDIALE
  9. PINOT Thibaut FDJ
  10. PAUWELS Serge DIMENSION DATA
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