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Rennberichte & Analysen

Die Strecke des Giro d’Italia 2018: Eine Übersicht

Am 29. November wurde die langerwartete Strecke des 101. Giro d’Italia in Milan offiziell bekannt gegeben. Die Grand Tour, die am 4. Mai mit einem Einzelzeitfahren in Israel starten wird, scheint auf dem Papier eine ausgeglichene Strecke zu sein, die Chris Froome zusagen könnte.

Der Giro d’Italia hat kein Mannschaftszeitfahren und wenige reine Etappen, bei denen die Sprinter um den Sieg kämpfen können. Stattdessen wird bei den acht Bergankünften und 44,4 Gesamtkilometern im Zeitfahren der Kampf um den Gesamtsieg das Renngeschehen des 101. Giro d’Italia bestimmen.

(Bild: Sirotti)
(Bild: Sirotti)

Der Kampf um den Gesamtsieg wird nach 21 Tagen und 2546 Kilometern in Rom enden, wo am 27. Mai 2018 der Sieger des Giro d’Italia gekrönt werden wird. Zwischen der Grand Partenza in Israel und der Ankunft in Rom liegen acht Bergankünfte verschiedenen Schwierigkeitgrades. Allein vier von ihnen sind in der letzten Woche des Rennens, die mit einer Bergankunft auf dem steilen Monte Zoncolan auf der 14. Etappe eingeläutet wird und mit drei aufeinanderfolgenden Etappen in den Alpen mit Zielen auf dem Prato Nevoso, Jafferau und Cervinia endet. Die 19. Etappe führt die Fahrer auf den unbefestigten Straßen des Colle delle Finestre zum Ziel.

Der Titelverteidiger des 100. Giro d
Der Titelverteidiger des 100. Giro d’Italia hält sich noch bedeckt, ob er beim Giro d’Italia antreten wird (Foto: Sirotti)

Der Giro d’Italia beschreibt sich gerne als „das härteste Rennen in der schönsten Gegend der Welt“ und mit der Strecke, die für die 101. Austragung in 2018 ausgearbeitet wurde, wird der Giro d’Italia seinem Spitznamen gerecht. Es ist eine klassische Grand Tour und nach der historischen Grand Partenza in Israel verläuft die Strecke einem traditionellen Muster, die mit ihren bergigen Herausforderungen die Profis auf eine harte Probe im Frühling stellen wird.

Es wurde schon vor einiger Zeit bestätigt, dass die Grand Partenza und zwei darauf folgenden Etappen des Giro d’Italia in Israel gehalten werden. Das Einzelzeitfahren am 4. Mai könnte Chris Froome die Chance bieten, schon am ersten Tag das Maglia Rosa zu erobern. Darauf folgen zwei flache Etappen entlang des Toten Meeres nach Tel Aviv und Eilat, bei denen die Sprinter im Peloton ihre Muskeln spielen lassen und einer von ihnen sogar die Führung der Gesamtwertung und somit das Rosa Trikot übernehmen können.

Der Start in Israel war von Anfang an eine umstrittene Angelegenheit, mit Sorgen über die Sicherheit und die politische Lage in Palästina als einer der Hauptgründe derer, die sich gegen diese Entscheidung aussprachen. Die israelische Regierung hat den Teams und Organisatoren des Giro d’Italia Sicherheit versprochen. Dennoch hat Mauro Vegni eine alternative Grand Partenza in der süditalienischen Region Puglia als Ausweichplan zusammengestellt, falls es doch noch zu massiven Problemen in Israel kommen sollte, die die Sicherheit der Teilnehmer beim Giro stark gefährden könnten.

Acht Bergankünfte: Das härteste Rennen der Welt in der schönstn Gegend der Welt wird beim Giro d
Acht Bergankünfte: Das härteste Rennen der Welt in der schönstn Gegend der Welt wird beim Giro d’Italia 2018 diie Profis bis auf das Äußerste fordern. (Foto: Sirottii)

Nach seinem Abstecher nach Israel kommt der Giro d’Italia am 7. Mai nach Italien, genauer nach Sizilien, um die Grand Tour fortzufahren. Zwei Etappen führen das Peloton in das Innere der Insel nach Caltagirone und Santa Ninfa und zu ersten Bergankunft des Giro d’Italia auf dem Ätna. Der Berg wird über eine neue Straße von Ragalina in Angriff genommen. Die erste Bergankunft wird die Bergform der Profis auf eine frühe Prüfung stellen, wenn sie die 14,1 Kilometer lange Steigung und das Teilstück über 4 Kilometer bei 8 % in Angriff nehmen.

Nach den zwei Etappen verlässt der Giro d’Italia die Insel und erreicht nach einer Bootsfahrt das Festland, wo es Richtung Norden über Kalabrien und Kampanien weitergeht. Auf der 8. Etappe kämpfen sich die Profis hoch nach Montevergine do Mercogliano zum Ziel. Die erste Rennwoche neigt sich mit einer Bergankunft auf dem Campo Imperatore im Schatten des Bergriesen Gran Sasso seinem Ende zu, wo vor 19 Jahren kein anderer als die Radsportlegende Marco Pantani zum Sieg fuhr.

Die Appeninen, die sich wie ein Rückgrad durch die Mitte Italiens schlängeln dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Mit ihren Anstiegen und rollenden Landstraßen können sie den einen oder anderen Fahrer unangenehm überraschen, wenn er sich mit dieser Landschaft im Vorfeld nicht beschäftigt hat. Die vier Etappen in den Appeninen, die nach dem zweiten Ruhetag im Programm stehen, sich hier abspielen werden, haben Zielankünfte in Gualdo Tadino und Osimo. Die Bergankunft in Osimo liegt am Ende eines steilen Anstiegs und ist im Frühling häufig beim Tirreno-Adriatico vertreten.

Auf den zwei flachen Etappen entlang der adriatischen Küste und durch das Podelta geht es über Imola und Ferrara weiter Richtung Norden. Auch wenn die Sprinter auf diesen Etappen wieder zum Zug kommen können, wird ihnen der Weg zum Ziel nicht leicht gemacht: Auf beiden Etappen ist das Ziel über einen  kurzen Anstieg zu erreichen, die Sprinter müssen sich ihren Sieg hart erkämpfen. Nach der Etappe in Ferrara haben die Fahrer eine letzte Möglichkeit, sich für die letzte Rennwoche zu erholen, bevor es in die entscheidende letzte Woche des Giro d’Italia geht. Nach der Strecke zu urteilen, wird es eine spannende und brutale Woche, die die Gesamtwertung und das Renngeschehen noch einmal aufmischen kann.

In der letzten Woche geht es mit vier aufeinanderfolfenden Bergetappen im Hochgebirge in den entscheidenden Kampf um den Gesamtsieg. (Foto: Sirotti)
In der letzten Woche geht es mit vier aufeinanderfolfenden Bergetappen im Hochgebirge in den entscheidenden Kampf um den Gesamtsieg. (Foto: Sirotti)

Mit der 14. Etappe beginnt das Höhenmetermassaker im Großgebirge. Nach 181 Kilometern erreicht das Rennen das Ziel auf dem Monte Zoncolan. Auf dem Weg dorthin überquert das Peloton vier kurze, giftige Anstiege bevor von Ovaro aus auf den langen, fordernden Anstieg des Zoncolan geht. Mit seinem Teilstück über 5 Kilometer bei 14,9 % werden auch die reinen Bergziegen an ihre Grenzen gehen.

In den Dolomiten in Veneto geht es mit dem Kampf in den Bergen auf der 15. Etappe weiter. Die Fahrer erklimmen den Passo Tre Croci, bevor es über die relativ unbekannten Passo di Sant’Antontio und Costalissoio zum Ziel geht. Für die Hauptfavoriten auf den Gesamtsieg ist es wichtig, sich auf dieser anspruchsvollen Etappen ihre Energien richtig einzuteilen, denn für sie wir das Einzelzeitfahren, das auf den letzten Ruhetage folgt, ein entscheidender Tag beim Giro d’Italia.

Nach dem Ruhetag folgt das zweite, und letzte, Einzelzeitfahren des Giro d’Italia 2018. Die 34,5 km Strecke zieht sich durch das Tal zwischen Trento und Rovereto. Dieses Profil wird Chris Froome sehr zusagen und wahrscheinlich das meiste aus dieser Etappe holen wollen, um sich einen erheblichen Vorsprung zwischen sich und seinen Rivalen herauszufahren. Den Mitfavoriten bleibt nicht viel übrig, als das Rennen untereindander und gegen Chris Froome in den Bergen auszutragen.

Die 17. und 18. Etappe führt das Peloton in die Alpen, wo drei Bergetappen die erschöpften Fahrer in der letzten Woche auf eine harte Probe stellen werden. Die 17. Etappe ist der Übergang vom flachen in das bergige Gelände. Die Sprinter werden eine seltene Gelegenheit bei dem 101. Giro d’Italia haben, ihre Power und Kraft unter Beweis  zu stellen, bevor sie sich wieder auf den Pässen darum bemühen müssen, im Zeitlimit zu bleiben. Der plötzliche Wechsel vom Flachland in die Berge wird einigen Fahrern Schwierigkeiten bereiten, anderen wiederum, die keine Anpassungsschwierigkeiten haben, wird es mehr zusagen.

Der Giro d
Der Giro d’Italia 2018 schreibt Geschichte: Der Kampf um das Maglia Rosa startet in Israel. (Foto: Sirotti)

Der Giro d’Italia fackelt nicht lange: Schon auf der 18. Etappe, der ersten der drei Bergetappen, kommt es zu einer Zielankunft auf einem Alpenpass – Prato Nevoso ist 13,9 km lang bei einer durchschnittlichen Steigung von 7 %.  Beim 100. Giro d’Italia in 2017 war Tom Dumoulin der stärkste Fahrer bei einer ähnlichen Streckenführung auf der 14. Etappe nach Oropa. Der Niederländer erreichte einen Zeitvorsprung von 43 Sekunden über Nibali und übernahm die Führung in der Gesamtwertung.

Die 19. Etappe ist wohl die härteste und anspruchsvollste Etappe des Giro d’Italia 2018. Auf 181 Kilometern erobern die Fahrer vier Alpenpässe, unter anderem die unbefestigte Straße des Colle delle Finestre und den Cima Coppi, der den höchsten Punkt des Giro ausmacht. Der Weg schlängelt sich bei konstanten 9,2 % an der Seite des Berges hoch, bevor es auf der Straße nach Sestriere wieder etwas gleichmäßiger zugeht und die Fahrer eine kurze Atempause haben. Darauf folgt der 7,2 km lange Jafferaupass von Bardonecchia. 2013 stattete der Giro d’Italia Bardonecchia einen Besuch ab – Nibali wurde zweiter Tagessieger und gewann in dem Jahr den Giro d’Italia.

Der Kampf um den Gesamtsieg in den Bergen endet mit der letzten Bergetappe des Giro d’Italia am vorletzten Tag des Rennens: 214 Kilometer nach Cervinia müssen die Profis zurücklegen. Das Ziel erreicht das Peloton über den Col Tsecure und Col de Saint-Pantaleon. Beide Pässe sind sich in ihrer Beschaffenheit sehr ähnlich: Sie winden sich 16 Kilometer an der Bergseite in die Höhe und haben steile Streckenabschnitte, die den Fahrern am vorletzten Tag nach drei Wochen im Rennen alles abverlangen werden. Die 19 Kilometer auf dem letzen Berg der letzten Bergetappe des Giro d’Italia kann der allentscheidenden Pass des Rennens werden. Auf diesem Pass wird der Sieger des 101. Giro d’Italia endgültig entschieden.

Für die letzte Etappe fliegen die Fahrer am Samstagabend nach Rom, wo am Sonntag der Giro d’Italia nach 118 Kilometer zu Ende kommt. Die zehn Runden am Schluss der Etappe kommen erreichen nicht den Vatikan wie im Vorfeld immer wieder vermutet wurde. Stattdessen wird das alte Rom mit dem Kolosseum die Kulisse für die Gladiatoren auf zwei Rädern bilden und die Geschichte Roms würdig zur Schau stellen.

Am letzten Tag geht es bei den Sprintern wieder um das Ganze, wenn sie sich nach zehn Runden auf der Via dei Fori Imperali in einem Massensprint um den Etappensieg bekriegen. Wird Chris Froome als Sieger nach Rom kommen und sein Ziel vom Giro-Tour-de-France-Doppelsieg einen Schritt näher gekommen sein?

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