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Rennräder

Bergamont Prime RS MGN – Test, Technik & Bilder

Auch Bergamont aus Hamburg mischt im Aero-Wettbewerb mit dem Prime RS mit und hat seinen 2015er Renner nicht  nur weiter verbessert, sondern den Rahmen gleich komplett neu entwickelt. Das haben wir uns in der Praxis genau angesehen.

Bei Bergamont läuft die komplette Rennradfamilie unter dem Namen “Prime”. Was die Hamburger allerdings aus dem neuen Prime RS gemacht haben, setzt sich schon deutlich vom sonstigen Sortiment ab.

Mit dem Bergamont Prime RS MGN und dem Prime RS hat die kleine aber feine Fahrradschmiede aus dem hohen Norden per Komponenten-Auswahl eine gute Abstufung geschaffen. Für 4999 Euro gibt’s das Flaggschiff MGN mit mechanischer Dura Ace 9000, Carbon-Laufrädern aus dem Hausregal und Anbauteilen der EA und EC-Serie von Easton. Wir haben uns beim Testen gefragt ob MGN “Mehr geht nicht” bedeutet, das aber verworfen weil dafür noch jede Menge Potential vorhanden wäre, das Rad damit aber auch erheblich teuerer würde.

Das 2014er MGN kostete noch 5299 Euro und war mit der SRAM Red 22, sowie einigen Anbauteilen von Syntace ausgestattet.

Mit dem Prime RS erhält man den gleichen Rahmen, der mit Shimanos Ultegra 6800 (mechanisch) bestückt wurde, Carbon/Alu-Laufräder im Hochprofil-Carbonlook und viel Eigenware aus dem Bergamont-Sortiment. 2499 Euro klingen angesichts des Rahmens und dieser Ausstattung absolut fair.

Im RCDE-Test musste sich das Bergamont Prime RS MGN ebenso im Regen schlagen, wie auch alle anderen Kandidaten, die teilweise erheblich teurer waren.

Rahmen und Gabel im Test

Eines mal vorweg: Wer keine Kanten mag, ist beim neuen Prime RS vollkommen an der falschen Adresse! Der Rahmen könnte inkl. der Lackierung aus einer Waffenschmiede der US-Air Force wie Lockheed Martin stammen und setzt sich erfolgreich gegen Aero-Konzepte der Marke “tropfenförmige Rohre” zur Wehr.

Mit einem Rahmengewicht von etwa 1100g (ohne Gabel) in mittlerer Größe befindet sich Bergamont in einem guten Umfeld für Aero-Räder, die auch gerne von Triathleten gefahren werden und eher selten als Bergwaffe zum Einsatz kommen.  Der High-Modulus Carbonrahmen des neuen MGN wurde neu entwickelt und auch geometrisch an die Zielgruppe der Triathleten näher herangeführt.

Der Prime RS-Rahmen setzt auf Flächen und Doppeldreiecke. Fließende Übergänge gibt es nur am Übergang zwischen Steuerrohr und Oberrohr.

Die Sattelstützklemmung erfolgt intern und ist über das Oberrohr zugänglich. Ganz bündig ist die Klemmabdeckung nicht mit dem Oberrohr, es wirkt aber gefälliger als beispielsweise beim Fuji Transonic.

Kurz vor dem Steuerrohr fällt eine das Oberrohr abdeckende Gummimanschette auf, die den ganzen Bereich rund um den Gabelschaft und die Distanzringe strömungsgünstig einfasst.

Die Manschette um den Gabelschaft sorgt für einen sauberen Abschluss der gesamten Partie am Steuerrohr.
Im Trio wurden die beiden Schaltseile und das Bremsseil in das Unterrohr verlegt. Das klappt natürlich nur mit einer Bremse hinter dem Tretlager.

Die Vollcarbongabel verzichtet auf Alu-Inserts an der Achsaufnahme. Den Job verrichten hochfeste Dropouts aus komprimiertem Carbon. Die Bremsaufnahme der Eigenentwicklung mit konischem Rohr erfolgt an der Front über Direct Mount an den Gabelscheiden. Das das MGN mit einer kompletten Dura Ace ausgestattet ist, finden wir folgerichtig die DA BR-R 9010 Direct Mount vor.

Am Tretlager wurde ein PressFit BB92 eingesetzt. Dieses noch recht neue und gepresste Innenlager mit einer Gehäusebreite von 86,5mm ist ebenfalls bei Mountainbikes üblich und wird auch von SRAM für GXP-Kurbeln genutzt.

Die Direct Mount-Bremse von Shimano steht nur an den Seilzugbügeln über, ansonsten bilden Gabel und Bremse eine Einheit. Ein Traum waren auch bei nasser Straße wieder einmal die Schwalbe One. So bereift konnten wir das Prime RS mit etwas mehr Mut durch schnelle Kurven steuern. Als zu schwach erwiesen sich jedoch die Bremsbeläge auf nassen Felgenflanken.
Auch die Sitzstreben verfolgen das Prinzip des Doppeldreiecks und sind nicht nur in sich dazu geformt, sondern bilden auch ein solches.

Komponenten & Antrieb

Über die Klemmung der Sattelstütze sprachen wir bereits. Die Stütze selbst besteht aus Carbon und ist wie alles am Bergamont Prime RS windschnittig geformt. In diesem Fall als Doppeldreieck mit einer Spitze an der Front und einer im Rücken. Man könnte die großflächige 300mm-Stütze auch schon fast wieder vergessen, wäre da nicht ein sehr interessantes Detail, welches gerade bei Aero-Rädern von entscheidender Bedeutung sein kann.

Der Stützenkopf ist als Mono-Rail ausgelegt und trägt eine normale Halterung für Standard-Sättel. Das ist nicht nur ein nettes Gimmick, sondern hat den handfesten Vorteil eines sehr großen Verstellbereichs. Sollte das Rad also bei Triathlon-Wettkämpfen eingesetzt werden, kann die Sitzposition näher an das Tretlager herangeführt werden. Bei normalen Rennrädern liegt der Sitzwinkel bei 73-74 Grad, während im Triathlon eher 75-76 Grad üblich sind. Eine solche Position erlaubt einen höheren Druck auf dem Pedal und  macht das Prime RS zu einem interessanten Kandidaten für Triathleten.

Der Carbon-Lenker EC-90 von Easton ist schon länger am Markt und bekanntermaßen eine gute Wahl. Die große Grifffläche in Unterlenkerhaltung hat uns sehr gut gefallen.

Der auf einer Mono-Schiene sitzende Fizik Arione R3 passt farblich optimal zum Rad und bietet guten Sitzkomfort. Die Sattelaufnahme wird von oben per Inbus geklemmt. Das ist ein bisschen Fummelei, da man wenig Raum vorfindet.

Erfreulich ist die Komplettausstattung mit Shimanos Dura Ace. Das Prime RS MGN ist wirklich sortenrein bestückt, während sich beim erheblich günstigeren Prime RS mit Ultegra-Gruppe eine 105er Kassette eingeschlichen hat. So etwas sehen wir nicht so gerne.

Die HR-Bremse findet sich hinter dem Tretlager, ebenfalls in Direct Mount-Ausführung aus der 9010er DA-Serie. Als schönes Detail hat Bergamont die Zugführung großzügig mit in das Aerokonzept aufgenommen und leitet das Seil unter dem Tretlager quasi vor die Haustür der Bremse. Großes Kino, Bergamont.
Beim viel teureren Aero-Boliden Look 795 Aerolight hat man sich für eine deutlich unschönere Lösung mit einem 15cm langen Bremsseil entschieden.

Neben dem wechselbaren Schaltauge fallen die innen verlegten mechanischen Züge auf. Das Rahmenset lässt sich im Übrigen auch problemlos auf eine elektronische Schaltung der Type Di2 oder EPS umrüsten. Angeboten wird es damit allerdings nicht.

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