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Reise & Trainingslager

Wind, Bären und Einsamkeit: mit dem Rennrad durch Amerikas Wilden Westen

Jonas Deichmann berichtet exklusiv von seiner Vorbereitung auf seinen nächsten Weltrekord und von seinen Erlebnissen im dünn besiedelten Westen der USA.

Nach meinem bergigen Höhentraining in Colorado stand die letzten zwei Wochen ein Training in flacherem Gebiet bei ständigem Gegenwind auf dem Programm. Die Route führte mich durch die Prärie Wyomings bis zu den hohen Bergen Idahos.

Die Pässe der Rocky Mountains waren beeindruckend, aber nach zehn Tagen mit täglich über 3000 Höhenmetern war ich dann doch froh, als ich Wyoming erreichte und es erst mal flacher wurde. Direkt nach der Grenze kam ich nach Saratoga, einem kleinen Ort mit heißen Quellen. Der ideale Platz für einen Ruhetag, um den Körper wieder aufzuladen.

Wyoming ist nach Alaska der am dünnsten besiedelte Staat der USA und hat auf einer Fläche etwa so groß wie Deutschland nur eine Million Einwohner. Ich merke schnell, dass ganze Landstriche unbesiedelt sind.

Von Saratoga geht es direkt in die Hochprärie, eine flache Graslandschaft auf 2200 Metern Höhe. Der Wind kommt direkt von vorne und bläst mich fast vom Rad. Nach 10 Stunden Schwerstarbeit schaffe ich gerade einmal 180 Kilometer und finde etwas Schutz vor dem Wind in der ersten Siedlung des Tages. Die Geisterstadt Jeffrey City war einst eine wachsende Minenstadt mit 2.000 Einwohnen, heute gibt es noch eine Bar und ein paar Dutzend Bewohner, die den harten Bedingungen trotzen.

Land der Bären

Ab hier verändert sich die Landschaft und es geht über baumlose, langgezogene Hügel. Ich habe die Straße fast für mich alleine und genieße trotz des erbarmungslosen Gegenwinds die endlose Weite. Mittags erreiche ich Lander, mit 8000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt in Südwest-Wyoming. Der nette Besitzer des Radladens lacht nur, als ich vom Wind erzähle. Im Herbst, sagt er, käme der Wind mit einer solchen Kraft, dass Radfahren nicht mehr möglich sei und er wehe fast immer von Westen. In Lander kaufe ich noch Bärenspray, denn von jetzt an bin ich in Bear Country und ein abendlicher Besuch der Pelzträger am Zelt ist nicht auszuschließen.

Von Lander fahre ich das Wind Valley hinauf, das seinem Namen gerecht wird, und bin froh, als ich Abends wieder die Berge erreiche und der Wind nachlässt. Die Tetons ragen hier 4.000 Meter in die Höhe und ich bleibe zwei Tage zum Wandern. Am ersten Wandertag begegnet mir gleich ein Grizzly und ich kann ihn beim Fischen beobachten.

Weiter geht es in den Yellowstone National Park. Ich hatte eine Rundtour durch den Park geplant, flüchte aber nach wenigen Kilometern wieder vor den Touristenmassen und bin froh, als ich wieder aus dem Park raus bin.

Eine Wildnis, wie es sie in Europa nicht mehr gibt

Es folgt ein flacher Tag entlang des Snake Rivers durch Idaho, bevor es in die Sawtooth-Berge geht. Abends habe ich Gesellschaft von Nate aus Minnesota der auch mit dem Rad nach Alaska unterwegs ist, allerdings etwas langsamer. Wir machen ein Lagerfeuer und fischen im Fluss nach Forellen. Am nächsten Morgen geht es direkt einen langen Pass hinauf und ich fahre alleine weiter. Ich radle vorbei an hohen Bergen, tiefen Schluchten, Bisonherden und wilden Gebirgsflüssen durch eine Wildnis, wie es sie in Europa nicht mehr gibt. Abends finde ich eine heiße Quelle, zelte daneben und verbringe die Nacht im warmen Wasser.

Morgen erreiche ich Oregon und dann sind es noch vier Tage bis an den Pazifik.

Mehr Infos rund um Jonas Deichmanns Abenteuer kannst du auf seiner Webseite finden:

www.jonasdeichmann.com

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