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Rennberichte & Analysen

UCI Weltmeisterschaft im Straßenrennen: Eine Übersicht

Der Kampf um die Regenbogentrikots beginnt in Bergen mit dem Mannschaftszeitfahren

Die 90. Ausgabe der UCI Weltmeisterschaft im Straßenrennen findet vom 17. – 24. September in Bergen, Norwegen statt. Zum zweiten Mal ist das skandinavische Land der Gastgeber für diese angesehene und wichtige Veranstaltung im Radsport: 1993 gewannen Lance Armstrong und Leontien van Moorsel das begehrte Regebogentrikot in Oslo. 

Die nördliche Lage des Austrageortes, Bergen, kann die Fahrer allein schon witterungsbedingt vor eine Herausfoderung stellen. Bei den Höchsttemperaturen kommt man auf 14 Grad, aber die Fahrer müssen sich auf Niedrigwerte von 5 Grad und kalten Regen einstellen.

Am 17. September startet die UCI Welmeisterschaft im Straßenrennen. Bergen in Norwegen ist für 2017 der Austragungsort. (Foto: Sirotti)

Die Weltmeisterschaft beginnt am 17. September mit dem Mannschaftszeitfahren der Damen und der Herren. Darauf folgen die Einzelzeitfahren und Straßenrennen. Das Straßenrennen der Herren bildet den Abschluss dieser renommierten Woche im Rennkalender. Mit 276,5 Kilometern ist die Strecke, die am 24. September den Weltmeister 2017 entscheiden wird, die längste Strecke bei den Weltmeisterschaften seit Prag im Jahre 1981.

Marcus Burghardt, amtierender Deutscher Meister im Straßenrennen, fährt für Bora-hansgrohe im Mannschaftszeitfahren und repräsentiert Deutschland im Straßenrennen. (Foto: Sirotti)

Das Straßenrennen wird auf einem 19,1 Kilometer langen Rundkurs ausgetragen, auf dem auch Teile der Strecke für die Zeitfahren genutzt werden. Der Salmon Anstieg wird die Beine der Fahrer auf jeder Runde immer wieder auf die Probe stellen. Die Männer müssen zwölf Runden, die Frauen acht Runden des Kurses bewältigen. Das Straßenrennen wird eher den Charakter eines Klassikers haben und mit seinem Profil eignet es sich nicht unbedingt einem spezifischen Fahrertypus. Taktik und Geschick werden gefragt sein und es verspricht ein unterhaltsames und spannendes Rennen zu werden, bei dem es schwierig sein wird, einen Sieger vorauszusagen.

Das Einzelzeitfahren der Männer endet nach einem 3,4 Kilometer langen Anstieg auf dem Berg Floyen, was diese Strecke etwas besonders macht. Der Anstieg hat Teilabschnitte von bis zu 10% Steigung. Nicht nur der Weg zum Ziel ist bei dieser Weltmeisterschaft etwas anders: Die Strecke ist mit 31 Kilometern die kürzeste Strecke für diese Disziplin in der Geschichte der UCI Weltmeisterschaft. Dieses etwas ungewöhnliche Streckenprofil mit der Bergankunft wird einem Fahrer wie Chris Froome (Großbritannien) und Tom Dumoulin (Niederlande) eher entgegenkommen, als den Puristen unter den Zeitfahrern wie Tony Martin (Deutschland).

 

 

Das Mannschaftszeitfahren

Auch wenn das Mannschaftszeitfahren nicht immer die Teams zur Teilnahme begeistern kann, weil es Teams an Erfahrung und Können mangelt, die Spezialisten im Feld wie Quick-Step Floors ernsthaft herauszufordern, hat es sich als das Eröffnungsrennen der UCI Weltmeisterschaft etabliert.

 

Quick-Step Floors (hier als Etixx – Quick Step bei den Welmeisterschaften in Qatar) wollen ihren Titel als Weltmeister im Mannschaftszeitfahren verteidigen. (Foto: Sirotti)

Das Mannschaftszeitfahren der Herren und Damen wird auf der gleichen Strecke ausgetragen, die auf der Inselgruppe Askøy startet und nach 42,5 km zum Ziel nach Bergen führt. Nach 30 Kilometer treffen die Mannschaften auf Birkelundsbakken, ein 1,4 km langer Anstieg. Dieser Teil der Strecke wird ausschlaggebend auf den Rest und das Ergebnis des Rennens sein: Die Mannschaften, die es schaffen, auf dem Anstieg zusammen zu bleiben, haben eine größere Chance ihre hohe Geschwindigkeit auf den letzten 11 Kilometern zum Ziel in Bergen zu halten.

Der regierende Weltmeister Quick-Step Floors ist verständlicherweise scharf darauf, seinen Titel zu verteidigen und sich einen weiteren Weltmeistertitel in Folge zu holen. Für das Team stehen  Niki Terpstra, Bob Jungels, Yves Lampaert, Julien Vermote, Philippe Gilbert und Jack Bauer am Start. Sowohl BMC als auch Orica-Scott stellten im Gegenzug ihre sechs Rouleurs auf.

Team Sky hofft hingegen mit Chris Froome, Vasil Kiryienka und Geraint Thomas eine Mannschaft zusammenstellen zu können, die ihnen einen Podiumsplatz einbringen wird. Bora-hansgrohe fährt unter anderem mit Marcus Burghardt, Lukas Pöstlberger und Maciej Bodnar auf, und Team Sunweb erhofft sich mit dem Zeitfahrspezilisten Tom Dumoulin ein gutes Ergebnis. Dumoulin fährt in einer Mannschaft unter anderem mit Lennard Kämna, der bei der Vuelta a España den 8. Rang beim Einzelzeitfahren belegte, und Wilco Keldermann.

Das Einzelzeitfahren

Das Einzelzeitfahren findet auf dem Rundkurs in Bergen und dem Birkelundsbakken-Anstieg statt. Aber die Strecke des Einzelzeitfahrens der Herren endet mit einer harten Herausforderung: Das Ziel liegt auf dem 3,4 km langen Berg Fløyen, der sich über die Stadt windet und Teilstücke bis 10 % vorweist. Tony Martin (Deutschland) hat schon im Vorfeld eingestanden, dass er seine Chancen auf einen Titel in Bergen nicht hoch anrechnet. Es scheint, dass es ein Kampf zwischen Dumoulin, Froome und Rohan Dennis (Australien) um das Regenbogentrikot geben wird.

Tom Dumoulin (Niederlande) ist einer der Favoriten im Einzelzeitfahren bei den UCI Weltmeisterschaften. (Foto: Sirotti)

Dumoulin hat nach Absprache mit seinem Teammanagement seinen Start bei der Vuelta a España abgesagt und seine Vorbereitungen stattdessen auf die UCI Weltmeisterschaft ausgerichtet. Chris Froome bringt seine Form von der Vuelta a España nach Bergen und hat die Möglichkeit seine Saison mit einem weiteren Titel zu beenden. Dennis ist schwieriger einzuschätzen: Der Australier gab am zweiten Ruhetag die Vuelta a España auf und man kann schwerlich sagen, in welcher Verfassung er in das Rennen in Bergen starten wird.

Aufgrund des Streckenprofils für das Einzelzeitfahren habe einige Fahrer bei der UCI angefragt, für den Zielanstieg ihre Zeitfahrmaschine für ein Rennrad einzutauschen. Ein Radwechsel wird mit einer Zeiteinbuße von 20 Sekunden geahndet, aber für starke Fahrer wie Dumoulin kann ein Radwechsel, trotz der 20 zusätzlichen Sekunden, wert sein. Bei den Frauen wird die Amerikanerin Amber Neben ihren Titel der Weltmeisterin im Einzelzeitfahren verteidigen.

Das Straßenrennen

Die Weltmeisterschaft 2016, die in Qatar ausgetragen wurde, brachte mit sich die Hitze und starke Seitenwinde und eine Strecke, die für die Sprinter gemacht war. Der Strecke nach zu urteilen wird es dieses Jahr eher auf einen Sieger unter den starken Klassikerfahrern hinauslaufen, die ihre Form nach einer langen und harten Saison in das Straßenrennen bringen werden. Im Vorfeld werden Norwegens Alexander Kristoff und Edvald Boasson Hagen schon als potentielle Sieger hervorgehoben. Aber das eher rollende Streckenprofil liegt auch dem regierenden Weltmeister Peter Sagan und Fahrern wie Greg Van Avermaet (Belgien), Philippe Gilbert (Belgien), Fernando Gaviria (Kolumbien), Michael Matthews (Australien), Michal Kwiatkowski (Polen) and John Degenkolb (Deutschland).

Frankreich hat sein Team um Julian Alaphilippe aufgebaut, was darauf hinauf lief, dass die Sprinter Nacer Bouhanni und Arnaud Demare nicht in Bergen an den Start gehen werden. Für Italien werden unter anderem Matteo Trentin, Elia Viviani, Sonny Colbrelli und Diego Ulissi nach 267,5 Kilometern um den begehrten Titel im Schlusssprint zum Ziel kämpfen. Auch Mark Cavendish bleibt daheim: Großbritannien baut seine Hoffnung auf Ben Swift, Pete Kennaugh, Ian Stannard und Adam Blythe.

Peter Sagan will seinen Weltmeistertitel verteidigen. Er würde zum dritten mal in Folge das begehrte Regenbogentrikot gewinnen. (Foto: Sirotti)

Bei der Strecke der diesjährigen UCI Weltmeisterschaft wird die Ausdauer und mentale Stärke der Fahrer auf die Probe gestellt. Der Startschuss fällt in Kollsnes, den westlichen Inseln Norwegens. Nach 39,5 Kilometern erreichen die Fahrer die Rundstrecke in Bergen. Die Runden führen über Solheim und Arstad zum Ulriken Berg. Der 1,5 km lange Anstieg geht mit 7,8 % Steigung auf den ersten 500 Metern gut los und geht dann auf 5,6 %  bis zum Gipfel weiter. Darauf folgt eine verwinkelte Abfahrt und 10 Kilometer zurück ins Stadtzentrum.

Die letzten vier Kilometer sind sehr windanfällig, aber die Entfernung vom Anstieg bis zum Ziel kann sowohl den Sprintern als auch starken Rouleurs zusagen. Auf den letzten Kilometern treffen die Fahrer auf eine Rechts – und eine Linksabbiegung bevor es auf dem letzten Kilometer in Festplassen zum Zieleinlauf kommt. Abgesehen vom Wind kann das Wetter in Bergen eine große Rolle spielen, wie sich das Renngeschehen entwickeln wird.

Straßenrennen der Damen

Das Straßenrennen der Damen müssen acht Runden des 19,1 km Rundkurses in Bergen unter ihre Räder nehmen. In 2016 erwies sich das Damenrennen als eines der spannendensten Rennen der Weltmeisterschaft und nach den Fahrerinnen zu urteilen kann es auch in diesem Jahr wieder zu einem aufregenden und spannenden Kampf um den Titel kommen. Die Holländer haben mit Marianne Vos, Annemiek van Vlueten, Anna van der Breggen und Ellen van Dijk eines der stärksten Teams nach Norwegen geschickt. Es wird interessant sein, ob das Team zusammenarbeiten wird, um seine Rivalen aus Australien, Großbritannien, Belgien, Frankreich, Dänemark und den USA erfolgreich auszuschalten.

Vos bewies ihre hervorragende Form mit ihrem Sieg bei den Europäischen Meisterschaften. Ihre Teamkollegin Van Vlueten hat sich von ihrem schweren Unfall bei den Olympischen wieder erholt und gewann zwei Etappen bei der Giro Rosa, La Course auf dem Col d’Izoard und gewann die Boels Rental FrauenTour in Belgien. Van der Breggen wird die Führung übernehmen und bringt fünf WorldTour-Siege und den allumfassenden Titel des WorldTour-Champions mit sich.

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