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Rennberichte & Analysen

Vincenzo Nibali siegt beim Il Lombardia 2017

Der "Hai von Messina" überzeugt zum Saisonabschluss mit einer starken Leistung beim Klassiker in Italien

Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida) sicherte sich den Sieg des Klassikers Il Lombardia in Como. Der Italiener holte sich seinen zweiten Sieg dieses italienischen Klassikers im Alleingang, gefolgt von Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors) als Gesamtzweiter, der 28 Sekunden später ins Ziel kam. Gianni Moscon (Team Sky) konnte sich in einem Sprint von den Verfolgern absetzen und kam auf den dritten Platz.

Im Jahr 2015 gewann Nibali den Klassiker in seinem Heimatland und seine Taktik war bei dem diesjährigen Sieg mit dem von 2015 vergleichbar. “Ich bekam großartige Unterstützung von meinem Team und bin in sehr guter körperlicher Verfassung”, sagte Nibali. “Aber die anderen Fahrer hatten mich schon im Vorfeld als Favoriten markiert. Der Sieg wurde mir nicht einfach gemacht. Es war  nicht leicht.”

Vincenzo Nibali (Bahrain Merida) gewinnt den Klassiker Il Giro di Lombardia zum zweiten mal. (Foto: Sirotti)

Nibali konnte sich 18 Kilometer vor dem Ziel auf dem vorletzen Anstieg des Rennens, dem Civiglio, in eine Führungsgruppe vorarbeiten. Kurz darauf überbrückte er die Lücke zu Thibaut Pinot (FDJ) und die zwei Fahrer formten ein beeindruckendes Duo, das sich schnell von den anderen Fahrern absetzen konnte. Pinot hat in den letzten Jahren sehr an seiner Schwäche auf den Abfahrten gearbeitet, aber gegen den Italiener hatte er auf der schmalen und fordernden Abfahrt keine Chance.

Nibali sicherte sich auf der Abfahrt einen guten Vorsprung. Am letzten Berg, San Fermo Della Battaglia, stellte er seine starke Form unter Beweis. Keiner konnte mehr mit ihm mithalten und Nibali holte sich im Alleingang den Sieg. (Foto: Sirotti)

“Heute ging es mir einfach nur darum, ein großartiges Rennen zu fahren”, fügte der Italiener hinzu. “Ich hatte in dieser Saison viele gute Platzierungen, aber ohne einen großen Sieg. Ein Klassiker zu gewinnen ist immer etwas Besonderes.”

Pinot schaffte es, Nibali nur ein paar Sekunden Vorsprung zu lassen. Aber am Einstieg des letzten Berges angekommen – dem San Fermo della Battaglia – verlor er immer mehr an Boden und konnte letztendlich auf der letzten Abfahrt nicht mehr mit Nibali mithalten. Nibali raste die schmale, kurvenreiche Abfahrt hinunter und ließ sich auch von Bodenschwellen nicht aus dem Rhythmus bringen: Diese wurden geschmeidig übersprungen. So baute sich Nibali mit rasender Geschwindigkeit und unglaublichem Geschick seine Führung aus.

Alaphilippe setzte in der Verfolgergruppe zum Angriff an und jagte Nibali auf der Abfahrt hinterher. Aber er hatte keine Zeit mehr, die Lücke, die sich aufgetan hatte, zu schließen, konnte sich aber die Verfolger vom Leib halten, die von Moscon ins Ziel geführt wurden.

Julian Alaphilippe wurde Gesamtzweiter. (Foto: Sirotti)

“Es ist unglaublich”, sagte Alaphilippe. “Ich hatte nicht damit gerechnet, heute auf dem Podium zu stehen. Nach der Weltmeisterschaft hatte ich ein eigenartiges Gefühl, aber ich behielt meine Konzentration und mein Team leistete großartige Arbeit. Ich tat mein Bestes, aber ich konnte mit Nibali nicht mithalten, als er zum Angriff überging. Ich bin nicht enttäuscht. Es ist etwas sehr besonderes, bei einem Klassiker auf dem Podium zu stehen.”

Auch Moscon, der kurz bevor Pinot zu seinem gewinnbringenden Angriff überging, in die Offensive ging, war mit seiner Platzierung auf dem Podium sehr zufrieden. Für ihn war es ein sehr guter Abschluss zu einer sehr beeindruckenden zweiten Saison als professioneller Radrennfahrer.

“Auch wenn ich in diesem Jahr kein Rennen gewonnen habe, aber in Como auf dem Podium zu stehen ist fantastisch und ein wertvoller Sieg – es ist ein sehr guter Abschluss zu meiner Saison”, sagte der Italiener. “Nibali war der stärkste Fahrer am letzten Anstieg. Ich hatte versucht, auf dem Civiglio anzugreifen, aber nach 200 Kilometern waren alle ziemlich erschöpft. Nach der Wand von Sormano sind deine Beine ziemlich müde. Auch wenn ich mit Nibali mitgefahren wäre, hätte ich ihn, wie Pinot, am letzten Berg ziehen lassen müssen. Ich bin mit meinem dritten Platz sehr zufrieden. “

Sormano – Eine Abfahrt wird zum Verhängnis

Leider gab es auf der diesjährigen Rennen schwere Stürze und Verletzungen zu bedauern: Die gefährliche Abfahrt vom berüchtigten Sormano wurde gleich vier Fahrern zum Verhängnis. Lauren De Plus (Quick-Step Floors) unterschätzte auf der Abfahrt eine der engen Kurven. Der Belgier krachte gegen die Leitplanke und wurde über die Absperrung geschleudert, sein Fahrrad landete in den Bäumen. Viele befürchteten das Schlimmste, aber das Team konnte später Entwarnung geben, dass De Plus keine ernsthaften Verletzungen erlitten hatte. Schon am Sonntag wurde er entlassen und machte sich auf den Heimweg, um dort weiter untersucht zu werden

In einem beherzten Schlussprint konnte sich Gianni Mosocon (Team Sky) von den Verfolgern absetzen uns sicherte sich den dritten Platz. (Foto: Sirotti)

Leider hatte Jan Bakelants (AG2R La Mondiale) nicht so viel Glück: Der Landsmann von De Plus stürzte auch schwer in der Kurve auf der gefährlichen Abfahrt und wurde noch weiter in die Schlucht geschleudert. Berichten zufolge zog der Belgier sich sieben gebrochene Rippen und Frakturen seines ersten und dritten Lendenwirbels zu und befindet sich weiterhin auf der Intensivstation.

Simone Petilli (UAE Team Emirates) war der dritte Fahrer, dem die Abfahrt zum Verhängnis wurde. Der Italiener brach sich das Schlüsselbein und das Schulterblatt, als er in der gleichen Kurve wie Baklant und De Plus stürzte. Später wurde bekannt, dass Petilli sich auch noch eine Gehirnerschütterung, einen Wirbelbruch und einen Schädelbasisbruch zugezogen hatte. Daniel Martinez (Wilier Pro Cycling Team) kam auch in der Kurve zu Fall, trug zum Glück nur leichte Verletzungen davon.

Dan Martin (Quick-Step Floors) beschrieb zurecht die Abfahrt als “eine der gefährlichsten Abfahrten bei einem WorldTour-Rennen”. Gesamtzweiter Alaphilippe gedachte seinem verunglückten Team Kollegen und bedankte sich bei seinem Team.

“Meine Gedanken sind bei meinem Teamkollegen, der während des Rennens verunglückte. Ich habe mitbekommen, dass es ihm gut geht und ich kann nur hoffen, dass es stimmt. Ich möchte mich bei meinem Team bedanken, das heute für mich gearbeitet hat. Ich werde zu den italienischen Klassikern zurückkehren und meine Ergebnisse – dritter bei Milan-San Remo und zweiter bei Il Lombardia – zu verbessern.”

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