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Tour de France 2018

Das war die Tour de France 2018: Ein Rückblick

Chris Froome verliert. Geraint Thomas siegt, John Degenkolb trimphiert auf dem Pavé, Sprinter schaffen es nicht ins Ziel – das war die Tour de France 2018!

Nach 21 Etappen erreichte das Peloton der 105. Tour de France Paris. Ein ereignisreiches und spannendes Rennen wurde den Radsportfans geboten.

Letztendlich war es Team Sky, das den Sieger der 105. Tour de France auf dem Podium hatte. Nicht in der Form von Chris Froome sondern von seinem Königshelfer Geraint Thomas. Dazwischen lag eine ereignisreiche und spannende Tour. Hier findest du eine Zusammenfassung der unvergesslichen Momente.

Das Podium der 105. Tour de France: Geraint Thomas (Team Sky), Tom Dumoulin (Team Sunweb) und Titelverteidiger und vierfacher Sieger Chris Froome (Team Sky). (Foto: Sirotti)

Tour de Thomas – vom Königshelfer zum Tour-Sieger

Chris Froome (Team Sky), viermaliger Tour-de-France-Sieger und Titelverteidiger, zog als Persona non grata in den Kampf um das gelbe Trikot. Der Brite, dessen Teilnahme aufgrund unerklärlicher, erhöhter Salbutamol-Werte noch kurz vor dem Start der Tour fraglich war, zielte auf einen fünften Titel und den Giro-Tour-Doppelsieg ab. Es kam anders: Auf der 11. Etappe holte sich sein Königshelfer Geraint Thomas den Etappensieg und das gelbe Trikot – und gab es nicht wieder her.

Vom Königshelfer zum Sieger der 105. Tour de France: Geraint Thomas schlug Teamkollegen und Titelverteidiger Chris Froome im Kampf um die Gesamtwertung. (Foto: ©ASO)

Der Waliser hatte von Team Sky am Anfang der Tour eine „card blanche“ erhalten und durfte für sich fahren, ohne seine Chancen dem Titelverteidiger unterordnen zu müssen. Ziemlich früh während der Tour de France kristallisierte sich heraus, dass Geraint „G“ Thomas in starker Form und ein würdiger Anwärter auf das Gesamtklassement war. Schon in den ersten neun Tagen der 105. Tour de France war Thomas der einzige Mitstreiter, der es schaffte, keine Zeitverluste zu verbuchen. Dazu kam seine starke Form in den Bergen, sein taktisches Geschick, Zeitboni einzufahren und hatte ein starkes Team hinter sich.

Der Dreikampf um Gelb

Für Chris Froome war die erste Etappe der Anfang vom Ende: Nach einem Sturz kurz vor dem Ziel lag der Titelverteidiger 51 Sekunden hinter der Gesamtführung. Bei Thomas waren es nur zehn Sekunden und er befand sich immer einen Schritt vor seinem Teamkollegen. Die Verluste von Froome an den Waliser vermehrten sich – auf der sechsten Etappe zur Mûr de Bretagne Guerléda verlor er weitere fünf Sekunden an den Mann in Gelb, der auf dem ersten Anstieg zwei Bonussekunden einfuhr.

Primoz Roglic (LottoNL-Jumbo) machte einen ersten starken Eindruck. Man konnte sehen, dass der Slovene eine ernste Bedrohung für die drei Rivalen Tom Dumoulin (Team Sunweb), Geraint Thomas und Chris Froome werden konnte.

L’Alpe du Huez war bei der 105, Tour de France wieder Schauplatz eines heftigen Kampfes um die Gesamtwertung und wurde Thomas zweiter Etappensieg bei der Tour de France. (Foto: © ASO)

Auf der 11. Etappe, die erste Bergetappe mit Zielankunft in La Rosière, stürmte Thomas nicht nur zum Sieg, er distanzierte seine zwei Hauptmistreiter noch mehr. Der Waliser zeigte in seinen zwei Angriffen auf Dumoulin Stärke und Entschlossenheit. Am Ende lag Thomas 1:25 vor dem Zweitplatzierten in der Gesamtwertung, Froome; Dumoulin lag noch weitere 19 Sekunden hinter dem Gelben Trikot.

Bis zu dem Zeitpunkt war dem Sky-Fahrer Thomas kein Fehler unterlaufen und sein fehlerloser Start machte sich jetzt bemerkbar. Froome zeigte immer wieder Anzeichen von Schwäche, seine Aussicht auf einen fünften Titel schwand mit jeder Sekunde, in der sein ehemaliger Königshelfer seine Form und Stärke unter Beweis stellte.

Auf den Kehren der legendären Alpe d’Huez kam es zur Krönung des Nachfolgers zum Herrscher des Team Sky und der Gesamtwertung. Geraint Thomas wehrte einen Angriff nach dem anderen ab und setzte dann zu einem kraftvollen Sprint zum Ziel an. Ein Beweis, dass der Waliser bei der 105. Tour de France der stärkste Fahrer im Peloton war. Sein Kollege Froome schien eher damit beschäftigt, sich auf das Podium zu retten.

Dumoulin lag nur noch elf Sekunden hinter dem Zweitplatzierten, Roglic kam mit seinem fünften Platz dem Trio gefährlich nahe. Das Podium schien schon entschieden, dennoch blieb die Spannung um die verbleibenden Plätze auf dem Podium erhalten.

Nach 21 Etappen erreichen die erschöpften Fahrer zum traditionellen Rundkursrennen für die Sprinter Paris. (Foto: © ASO)

Die kurze, schmerzhafte und harte 17. Etappe besiegelte seine Führung. Roglic und Dumoulin forderten den Träger des gelben Trikots heraus, der sich weitere Bonussekunden sichern konnte. Froome fiel weiter zurück und landete auf den dritten Platz, mit Dumoulin gute 30 Sekunden vor ihm auf Platz zwei und Roglic auf den Fersen des Titelverteidigers mit nur 15 Sekunden Rückstand zu Froome. Geraint Thomas hatte spätestens auf dieser Etappe jegliche Zweifel ausgeräumt, dass er noch von Erschöpfung übermannt und keine weitere Woche durchhalten würde.

Es war auf der 19. Etappe, als der viermalige Tour-de-France-Sieger Froome seinen kleinen Halt auf dem Podium zu verlieren drohte. Thomas hielt den Angriffen von Dumoulin und Roglic selbstbewusst stand und es kam zu einem Kampf um den zweiten Platz zwischen Roglic und Dumoulin. Der Waliser endete seine Tour-de-France-Kampagne in den Bergen 2:05 vor dem Weltmeister im Einzelzeitfahren und sein dritter Platz im Zeitfahren auf der vorletzten Etappe vor der Ankunft in Paris besiegelte seinen Erfolg. Er verlor 14 Sekunden and den Weltmeister und 13 Sekunden an seinen Teamkollegen Froome, der sich auf den dritten Platz in der Gesamtwertung retten konnte.

Drei Wochen gab sich der Waliser sehr diplomatisch auf Fragen nach der Führung des Teams Sky und gab immer wieder den Königshelfer für den Titelverteidiger, auch wenn es immer offensichtlicher wurde, dass Thomas der eigentliche Sieger sein würde. Der Zauber von Chris Froome wurde von keinem anderen als seiner stärksten Domestique gebrochen, Team Sky verzeichnet seinen sechsten Sieg bei der Tour de France.

Die Rückkehr des Pavé und das Comeback von Degenkolb

Nach drei Jahren kehrte die Tour de France wieder zum berühmten und berüchtigten Pavé des Frühjahrsklassikers Paris–Roubaix zurück. Diesmal waren die Abschnitte, die das Peloton bezwingen mussten, noch länger, noch fordernder und noch härter als bei der Tour de France 2015.

Die 9. Etappe markierte das Comeback für John „Dege“ Degenkolb (Foto: © ASO)

Kein anderer als John Degenkolb stürmte auf dieser Härteprüfung zum Sieg. Der deutsche Sprinter, der mit seinem Sieg bei Paris–Roubaix in 2015 bewiesen hatte, dass er die berüchtigten Kopfsteinpflasterpassagen erfolgreich bezwingen kann, sicherte sich nach einem harten Tag auf der 9. Etappe seinen ersten Etappensieg seit seinem schweren Unfall in 2015.

Es war ein emotionaler Sieg und ein hart erkämpftes Comeback für Dege, der in den letzten Jahren aufgrund seiner angeblich mangelnden Form und Leistung immer wieder kritisiert wurde. Die Gefühle, die den deutschen Sprinter, der für seine sachlichen Interviews bekannt ist, an dem Tag im Ziel überwältigten, waren offensichtlich. Für viele Radsportfans und vor allem für Degenkolb selbst war der Sieg der 9. Etappe bei der 105. Tour de France ein klares Zeichen, dass man mit ihm wieder rechnen kann und muss.

Eine Tour de France ohne Sprinter?

Die Tour de France ist bekannt für ihre Länge, ihre Härte und Höhenmetermassaker die sich in den Alpen und Pyrenäen jedes Jahr abspielen. Die 105. Tour de France machte da keine Ausnahmen und für die schnellsten Männer im Peloton waren die Bergetappen zu viel des Guten.

Nachdem sie sich auf der 10. Etappe, der ersten harten Bergetappe im Hochgebirge der französischen Alpen, tapfer geschlagen hatten, wurde die darauffolgende 11. Etappe mit vier schweren Anstiegen, die es zu bezwingen galt, drei der Sprintergrößen zum Verhängnis: Mark Cavendish (Dimension Data), sein Königshelfer Mark Renshaw und Marcel Kittel (Katusha-Alpecin) verpassten das Zeitlimit im Ziel und mussten die Tour de France aufgeben.

Sie waren nicht die einzigen: Schon am folgenden Tag, der letzten Etappe in den Alpen, die auf der berühmten Alpe d’Huez ihre Zielankunft hatte, fielen drei weitere Sprintergrößen den unbarmherzigen Höhenmetern der Tour de France zu Opfer: Andre Greipel (Lotto-Soudal) und Dylan Groenwegen (LottoNL-Jumbo), der sowohl  auf der 7. als auch auf der 8. Etappe zum Sieg sprintete, waren die ersten, die im Angesicht der Pässe, die es noch zu bezwingen galt, vom Rad stiegen.

Das verbleibende und traditionelle Bild der Tour de France: Ein Peloton rauscht unter blauem Himmel an Sonnenblumenfeldern vorbei. (Foto: © ASO)

Fernando Gaviria (Quick-Step Floors), Sieger der ersten Etappe bei seiner erstmaligen Teilnahme bei der 105. Tour de France, fuhr weiter bis er auf dem Croix de la Fer in das Teamauto stieg, als er feststellte, dass er zwanzig Minuten hinter der Führungsgruppe lag. So verlor die 105. Tour de France innerhalb von zwei aufeinander folgenden Etappen fünf der bekanntesten Sprinter aus dem Peloton.

Die Tour der Stürze

Für einige Fahrer nahm die Tour ein unerwartetes und verfrühtes Ende, weil sie durch Verletzungen bei Unfällen und Stürzen zur Aufgabe gezwungen wurden. Bei jeder Tour de France kommt es zu dramatischen Unfällen, teilweise mit schweren und enttäuschenden Folgen für die Betroffenen. Die 105. Tour de France war da keine Ausnahme.

Tony Martin (Katusha-Alpecin) war der erste namhafte Fahrer im Peloton, dessen Tour de France aufgrund einer Verletzung durch einen Sturz ein frühzeitiges Ende nahm. Der deutsche Fahrer war auf der 9. Etappe, zusammen mit Dan Martin (UAE Team Emirates) 17 Kilometer vor dem Ziel in einem Massensturz verwickelt. Martin flog über seinen Lenker und landete heftig auf seinem Rücken und Nacken. Das Team Katusha-Alpecin bestätigte nach einer Röntgenaufnahme, dass sich der viermalige Weltmeister im Einzelzeitfahren eine Quetschfraktur der Rückenwirbel zugezogen hatte und er dadurch die Tour de France aufgeben musste.

Schon am folgenden Tag auf der 9. Etappe, dem Tag des berühmten Pavés, musste Richie Porte, einer der Hauptfavoriten im Gesamtklassement, seine Kampagne aufgeben. Der Australier kam noch vor der ersten Pavé-Passage, zehn Kilometer nach dem Start der Etappe, zu Fall und verletzte sich an der Schulter. Porte konnte nicht weiterfahren und war gezwungen, das Rennen aufzugeben.

Für den BMC-Fahrer ist dieses der zweite Vorfall in aufeinanderfolgenden Jahren, nachdem er bei der Tour de France 2017 ebenfalls auf der 9. Etappe schwer stürzte und die Frankreichrundfahrt nicht bestreiten konnte.

Unvergesslich ist Philipe Gilberts Sturz über die Mauer auf der 11. Etappe. Der Belgier fuhr noch weiter ins Ziel, musste dann aufgrund seiner Verletzung das Rennen aufgeben. (© ASO)

Am letzten der drei aufeinanderfolgdenden Tage in den französischen Alpen wurde dem Favoriten Vincenzo Nibali die Tasche eines Zuschauers zum Verhängnis. Kurz vor dem Ziel bei der Bergankunft der legendären Alpe d’Huez geriet der Italiener mit einem Zuschauer aneinander und stürzte. Im allgemeinen Getümmel konnte man im ersten Moment nicht ersehen, was den Sturz verursachte. Später stellte sich heraus, dass sich Nibali in der Tasche eines Zuschauers verfangen hatte.

Der „Hai von Messina“ konnte weiterfahren, aber im Ziel angekommen, wurde er umgehend zu Röntgenaufnahmen im Krankenhaus geschickt. Das Ergebnis war ernüchternd: Frakturen der Brustwirbel machten es dem Favoriten unmöglich, bei der 105. Tour de France weiterzufahren.

Die 16. Etappe markierte das vorzeitige Ende für einen weiteren renommierten und beliebten Fahrer: Philippe Gilbert (Quick-Step Floors) überschätzte auf der Abfahrt eine Kurve und flog regelrecht über eine Mauer in den tieferliegenden Wald. Ein dramatischer Sturz, der bei vielen die schlimmsten Befürchtungen hervorrief. Der Belgier erschien aber wieder aus dem Gebüsch und konnte mit Hilfe einiger Retter aus dem Graben klettern, um die Etappe zu Ende zu fahren.

Erst im Ziel wurde es offensichtlich, dass sich der Quick-Step Fahrer schlimmere Verletzungen zugezogen hatte, als vorerst angenommen. Für seinen unerschüttlichen Kampfgeist, den er nach seinem Sturz an den Tag legte, erhielt Gilbert die Auszeichnung des kämpferischsten Fahrers der 16. Etappe. Später gab ein sehr emotionaler Gilbert bekannt, dass er aufgrund einer gebrochenen Kniescheibe das Rennen nicht fortsetzen konnte.

Peter Sagan (Bora-hansgrohe) erwischte es auf der 17. Etappe. Die genaue Ursache seines Sturzes ist nicht bekannt, der Sturz wurde nicht von Medien festgehalten. Fest steht, dass der Weltmeister schwer zu Fall kam, als er mit aufgerissenem Trikot, zerrissenen Shorts und schweren Hautabschürfungen ins Bild kam. Sagan, der zu dem Zeitpunkt in der Punktewertung führte, bestätigte, dass er eine Kurve unterschätzt hatte. Für den Weltmeister in grün, der bei der Tour de France 2018 drei Etappensiege holte, sah es bedenklich aus, ob er den Titel des Führers in der Punktewertung bis Paris halten konnte. Letztendlich siegte auch bei ihm der eiserne Wille und das Durchhaltevermögen und Peter Sagan gewann erneut das grüne Trikot bei der Tour de France.

Let the Welsh flag fly – Geraint Thomas feiert seinen Sieg der 105. Tour de France in Paris. (Foto: © ASO)

Kurz und schmerzhaft – 65 Kilomter zum Col de Portet

65 Kilometer standen auf dem Streckenplan der 17. Etappe, die viel Feuerwerk und Drama versprach und nicht enttäuschte. Die Fahrer mussten auf den 65 Kilometern drei Berge bezwingen. Sobald der Startschuss gefallen war, ging es hoch her. LottoNL-Jumbo, AG2R La Mondial und Movistar legten den Grundstein für das Finale, in dem der Kolumbianer Nairo Quintana (Movistar) mit seinem beachtlichen Leistung zum Etappensieg fuhr und seine begnadeten Kletterkünste zur Schau stellte.

Das war sie – die 105. Tour de France. Nach 21 Etappen und 3.351 km hat sie ihre eigenes Kapitel in der Rennradsportgeschichte geschrieben. Für die Profis geht es in verschiedenen Rennen und Kriterien weiter, einige werden sich bei der Vuelta a España einer weiteren Grand Tour stellen. Der Grand Depart der 106. Tour de France wird am 6. Juli 2019 in Brüssel an den Start gehen. Bis dahin sagen wir: Au revoir!

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