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Rennberichte & Analysen

Nibali siegt bei Mailand–Sanremo 2018

In einem spannenden Finale holt sich Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida) den Sieg beim Monument La Primavera

Er kämpfte bis zum Ziel: Mit einem starken Soloritt bewies Vincenzo Nibali (Bahrain Merida) sein Durchhaltevermögen und sowohl seine körperliche als auch psychische Kraft und holte sich den Sieg bei Mailand–Sanremo. Das Peloton kam dem Sieger auf den letzten Metern zwar immer näher, konnten ihn aber nicht mehr einfangen. Nibali hatte sogar Zeit, seinen Sieg vor der Ziellinie in Zügen zu geniessen.

Das Rennen Mailand–Sanremo verlief in den ersten Zügen recht ruhig und überschaubar. Aber wie kaum ein anderes Rennen kommt dieser italienische Klassiker gegen Ende so richtig in Fahrt, und so auch in diesem Jahr: Die Spannung und Aufregung auf den letzten 15 Kilometern machten die Ruhe vor dem Sturm wieder wett.

Vincenzo Nibali (Bahrain Merida) gewinnt Mailand–Sanremo in einem spannenden Finale auf den letzten Kilometern. (Foto: Sirotti)

Nibali, der Hai von Messina, setzte sich auf dem entscheidenden Anstieg Peggio vom Peloton ab und flog regelrecht dei Abfahrt herab, seine unvergleichbare Geschicklichkeit in Abfahrten unter Beweis stellend. Der Italiener schaffte es, sich das Hauptfeld auf den letzten zwei Kilometern zum Ziel vom Leib zu halten. Spannender kann ein Finale eines Rennens kaum noch werden. Während Nibali auf den letzten 50 Metern seinen Erfolg feierte, entbrannte hinter ihm der Sprint um die übrigen Plätze. Caleb Ewan (Mitchelton-Scott) konnte sich als Zweiter im Ziel behaupten, Sieger von 2016 Arnaud Démare (FDJ) wurde Dritter.

Es war ein regnerischer und kalter Start der La Primavera. (Foto: Sirotti)

Mit seinem Sieg der „La Classicissima“ erweitert der zweimalige Sieger des Il Lombardia und Gewinner aller drei Grand Touren seine Palmarès  um einen dritten Sieg eines Monumenten. Nach zwölf Jahren ist Nibali der erste Italiener seit Pippo Pozzato in 2006, der La Primavera  gewinnt. Im Ziel wurde Nibali von seinem Team und Fans gefeiert. „Mir fehlen die Worte“, waren seine ersten Worte.

Der Wettergott lächelte nicht auf die Fahrer herab, als sie sich im strömenden Regen auf ihre 294 Kilometer Strecke von Mailand nach Sanremo aufmachten. Die widrigen Umständen schienen der Stimmung unter den Fahrern keinen Abbruch zu machen. Es hatte den Anschein, die Fahrer freuten sich, das erste Monument der Saison bestreiten zu können. Vielleicht war es auch die Vorfreude auf die Sonne und wärmere Temperaturen, die die Wettervorhersage für Sanremo verhieß, die die Fahrer bei Laune hielt, als sie Mailand hinter sich ließen.

Schon bald formte sich eine Ausreißergruppe von neun Fahrern, die sich vom Hauptfeld absetzten und das die Fahrer ziehen ließ: Mirco Maestri und Lorenzo Rota (Bardiani-CSF), Evgeny Koberniak (Gazprom Rusvelo), Guy Sagiv (Israel Cycling Academy), Dennis Van Winden (Israel Cycling Academy), Sho Hatsuyama (Nippo-Vini Fantini), Charles Planet (Novo Nordisk), Matteo Bono (UAE Team Emirates) und Jacopo Mosca (Wilier Selle Italia).

Als das Peloton sich der Küste näherte, wurden die Straßen trocken und die Sonne kam hervor. (Foto: Sirotti)

Nach einer Stunde hatten die Ausreißer sechs Minuten Vorsprung, Bora-hansgrohe, Team Sky und Quick-Step Floors setzten währenddessen das Tempo im Hauptfeld. Der Regen ließ nach, aber die Straßen waren noch feucht, als sich die Fahrer dem Passo Turchino näherten.

Die nassen Straßen und Hindernisse auf der Strecke in der Form von Verkehrsinseln erhöhten die Nervosität der Fahrer und nach einem Sturz von Alexander Kristoff (UAE Team Emirates), Andre Greipel (Lotto Soudal), Lukasz Wisniowski (Team Sky) und Mitchell Docker (EF Education First-Drapac) wurde das Tempo innerhalb des Peloton ruhiger und gesammelter. Docker und Wisniowski sahen sich gezwungen, nach dem Sturz das Rennen aufzugeben. Nur vier Kilometer vor dem Ziel sollte André Greipel nochmals stürzen, und zwar so unglücklich, dass er sich dabei ein Schlüsselbein brach. Die notwendige Operation und die anschließende Reha dürften für Greipel das vorzeitige Ende der Klassikersaison bedeuten.

Der Regen hörte auf, die Straßen wurden trocken und 70 Kilometer vor dem Ziel wurde die Geschwindigkeit merklich angezogen und die Ausreißer langsam aber sicher vom Peloton eingeholt. Mit noch 50 Kilometern nach Sanremo hatten die Ausreißer nur noch zwei Minuten Vorsprung und als die Fahrer den Cappo Berta erreichten, lag der Unterschied zwischen dem Hauptfeld und den neun Ausreissern dreißig Sekunden. Die Angriffe zermürbten die Gruppe der neun Fahrer, die auseinanderbrach und schließlich nur noch aus vier Fahrern bestand. Es lagen noch 30 Kilometer zwischen den Fahrern und dem Ziel, als das Hauptfeld auch die restlichen Ausreißer eingeholt hatten. Die Sonne schien, der Himmel war blau und das Renngeschehen nahm seinen Lauf.

Der letzte Anstieg des La Primavera, der Poggio, war das Sprungbrett zu seinem Sieg für  Vincenzo Nibali. Als das Hauptfeld sich mit hoher Geschwindigkeit dem Poggio näherte, waren es Groupama-FDD und Astana, die ein hartes Tempo vorlegten. Bahrain-Merida übernahm die Führung, als die Straße sich nach oben neigte. Marcus Burghardt (Bora-Hansgrohe) konnte sich absetzen mit Jempy Drucker (BMC) auf seinen Fersen. Drucker konnte Burghardt abschütteln, aber schon bald hatte Bahrain-Merida den Soloritt des Fahrers ein Ende gesetzt.

NIbali stellte seine Abfahrtskünste unter Beweis und gab auf den letzten Kilometern alles, um das Rennen für sich zu entscheiden. (Foto: Sirotti)

Kurz vor dem Gipfel ging Krists Nielands zum Angriff über und Nibali nutzte den Angriff zu seinem Vorteil. Er liess Nielands hinter sich und hatte plötzlich einen ziemlichen großen Vorsprung zu den anderen Fahrern. Mit 12 Sekunden zwischen sich und dem Rest des Pelotons warf sich einer der besten Abfahrer den Poggio hinab. Das Peloton erkannte die Gefahr, die von dem Soloangriff ausging und Matteo Trentin ging zum Gegenangriff über.

Unten angekommen hatte Nibali immer noch neun Sekunden Vorsprung und eine große Gruppe an Fahrern, die sich auf eine verzweifelte Verfolgungsjagd machten. Unter ihnen befanden sich der Titelverteidiger Michal Kwiatkowski, Michael Matthews, Peter Sagan und Caleb Ewan. Nibal biss sichtlich die Zähne zusammen und fuhr sich in Grund und Boden, als er die letzten Kilometer zum Ziel raste und versuchte, sich die restlichen  Fahrer vom Leib zu halten. Es war Spannung bis zur letzten Minute, man konnte förmlich spüren wie ganz Italien ihren Nibali ins Ziel rief. Nach zwölf Jahren hat Italien mit Vincenzo Nibali endlich wieder einen Sieger bei der La Classicissima.

“Auf den letzten 15 Kilometern hatte ich ein gutes Gefühl“, sagte Nibali. „Auf dem Poggio arbeitete ich mit Colbrelli und auf den letzten 5 Kilometern folgte ich dem anderen Fahrer. Als mir der Direktor über das Radio den Zeitabstand sagte, dachte ich nur noch ‚Gas geben‘.“

Die Verkehrsinseln auf der Strecke forderten ihren Tribut: Kurz vor dem letzten Anstieg verursachte eine Insel einen furchtbaren Unfall, als Mark Cavendish mit voller Geschwindigkeit gegen einen Poller raste, schwer zu Fall kam und von Fahrern hinter ihm überrollt wurde.

 

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