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Rennberichte & Analysen

Bob Jungels gewinnt Lüttich-Bastogne-Lüttich

Bob Jungels (Quick-Step Floors) überquert nach einer spannenden Solofahrt in Ans als Sieger das Ziel. Der junge Luxemburger konnte den Abstand der Verfolgergruppe über die letzten 18 Kilometer halten. Bob Jungels ist der dritte Luxemburger in der Geschichte der Frühjahrsklassiker, der ein Monument gewinnt. Unter den Verfolgern entschied ein Sprint die restliche Platzierung: Michael Woods (EF Education First-Drapac) wurde zweiter mit Romain Bardet (AG2R La Mondiale) dritter. Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors), Sieger von La Fleche Wallone, kam als vierter ins Ziel.

Der Sieg von Bob Jungels ist der krönende Abschluss einer äußerst erfolgreichen Klassiker-Kampagne des belgischen Teams Quick-Step Floors. Auf dem Côte de la Roche-aux-Faucons konnte sich Jungels von der Ausreißergruppe absetzen. Von dem Zeitpunkt war es ein Einzelzeitfahren zum Ziel für den luxemburgischen Meister im Straßenrennen. Er teilte sich seine Kräfte über die letzten zwei Anstiege, dem Côte de Saint-Nicolas und Côte de Ans, geschickt ein und erreichte 37 Sekunden vor  Michael Woods (EF-Drapac) und Romain Bardet (AG2R La Mondiale) die Ziellinie in Ans.

Bob Jungels (Quick-Step Floors) siegt in Ans beim Monument Liege-Bastogne-Liege. Der Belgier konnte sich 14 Kilometer vor dem Ziel von der Gruppe absetzen und powerte ins Ziel. (Foto: Sirotti)

Nach einem 274 km langen Rennen bei für die Jahreszeit ungewöhnlich warmen Temperaturen, war es Bob Jungels, der sich als der stärkste und entschlossenste Fahrer des Tages entpuppte. „Ich habe meine Fähigkeiten eines Rouleur heute am besten eingesetzt. Als wir am Saint-Nicolas ankamen musste ich meine Kräfte vorsichtig einteilen“, sagte Jungels. „Ich konnte nicht zu hart rangehen. Und dann hatte ich bis zum Schluss Angst, doch noch eingeholt zu werden. Es war der längste Kilometer meines Lebens. Ich sah meinen Sieg erst hinter der letzten Kurve, aber nicht vorher.“

Das Peloton erobert den Cote De Saint Roch auf dem Weg zurück von Bastogne. (Foto: Sirotti)

Julian Alaphilippe kam als vierter Stelle ins Ziel. Es war seine Gegenwart in der Ausreißergruppe, die eine entscheidende Rolle in Jungels Sieg spielen sollte. Der Franzose wurde wegen seines Sieges bei Flèche Wallonne als heißer Favorit bei La Doyenne gehandhabt und erfuhr viel Aufmerksamkeit.

Keiner der Fahrer in der stark reduzierten Ausreißergruppe, am wenigsten der viermalige Sieger Alejandro Valverde (Movistar) wollte dem Franzosen auch nur die kleinste Chance geben, sich auf dem Weg zum Ziel abzusetzen und seine Fähigkeit zur vollen Geschwindigkeit auszuholen einzusetzen. Dadurch verpassten die Fahrer, sich als eine einheitliche Gruppe zu organisieren, die Jungels hinterherjagen und vielleicht noch einholen hätte können.

Die Verfolger konnten sich nicht einigen und organisieren. Gepaart mit Jungels außerordentlichen Leistung ergab das einen Vorsprung von 53 Sekunden, als er Saint-Nicolas erreichte. Jelle Vanendert (Lotto Soudal) war der einzige, der sich auf die Verfolgungsjagd machte und konnte den Vorsprung auf 25 Sekunden reduzieren. Aber Vanendert hatte nicht die Kraft, sich weiter an Jungels heranzuarbeiten, als die Anfahrt Richtung Ans anfing und musste Jungels ziehen lassen.

Jungels begann seinen Siegeszug auf dem Côte de Roche-aux-Faucons. Sein mutiges Manöver zahlte sich aus: Der Luxemburger konnte seinen Abstand bis zum Ziel halten. (Foto: Sirotti)

Die restlichen Ausreißer waren zu sehr damit beschäftigt, sich gegenseitig einen Angriff vorzutäuschen anstatt sich einer echten harten Verfolgungsjagd zu verpflichten. Mit vier Kilometern zum Ziel schien Alaphilippe Anstalten zu machen, Vandendert hinterherzusetzen und das zögernde Verhalten der Gruppe auszunutzen. Aber sein Angriff wurde umgehend von Davide Formolo (Bora-hansgrohe) und Valverde im Keim erstickt, als sie die Lücke überbrückten und zu Alaphilippe und Vandendert aufschlossen.

Spätestens ab dem Zeitpunkt war für die Zuschauer klar zu sehen, dass Jungels bei dem Monument Liège-Bastogne-Liège zum Sieg fahren würde. Letztendlich waren es Woods und Bardet, die die Flaute unter den Verfolgern auf dem Weg nach Ans ausnutzten und ihr Tempo anzogen. Die zwei holten Vandendert ein, überholten ihn und machten den Kampf um zweiten und dritten Platz unter sich aus.

Der Vorsprung, den Jungels mit sich ins Ziel trug, war der größte Vorsprung seit dem Sieg seines Landsmannes Andy Schleck bei La Doyenne in 2009. Wie auch Andy Schleck begann Jungels Siegeszug auf dem Côte de Roche-aux-Faucons. Der junge luxemburgische Nationalmeister setze ein hartes und unerbittliches Tempo auf dem Anstieg, dem nur Woods, Sergio Henao (Sky) und Jakob Fulgsang (Astana) gewachsen waren. Die vier Fahrer wurden kurz vor der Kuppe eingeholt. Aber anstatt aufzugeben, machte Jungels weiterhin Druck. Die Straße wurde flacher und es ging bergab und Jungels hatte mit einem Mal einen Vorsprung von 20 Sekunden auf die Ausreißergruppe.

Für viele war dieses Manöver nicht nur zu mutig und dreist bei einem Rennen, das in den letzten zehn Jahren eher dosiert und konservativ in Angriff genommen wurde, als dass es zum Erfolg führen könnte. Aber Jungels Mut und sein gewagtes Manöver zahlten sich aus. Jungels konnte den Abstand halten, ausbauen und powerte überzeugend zum Sieg. „Es ist das großartigste Eintagesrennen“, sagte Jungels. „Als Luxemburger hatte ich viele Leute, die mir zuriefen und meine Familie ist heute auch dabei. Es bedeutet mir daher sehr viel, hier heute zu gewinnnen.“

Für Quick-Step Floors ist Jungels Sieg ein weiterer Erfolg in einer bisherigen starken und erfolgreichen Kampagne von allein 27 Siegen durch 12 Fahrer in 2018. (Foto: Sirotti)

Mit seinem Sieg bei Liege-Bastogne-Liege fährt Jungels die Erfolgssträhne seines Teams in diesem Jahr fort: Alleine in diesem Jahr hat Quick-Step Floors 27 Rennen mit 12 verschiedenen Fahrern gewonnen. Es hat manchmal den Anschein, als würde das Team die Rennen nur unter sich auszumachen.

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