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Rennberichte & Analysen

Giro d’Italia 2018: Chris Froome erobert Monte Zoncolan in der 14. Etappe

Chris Froome (Team Sky) holt sich seinen ersten Etappensieg beim 101. Giro d'Italia, Simon Yates verteidigt seine Führung.

Chris Froome (Team Sky) fuhr zu seinem ersten Etappensieg beim 101. Giro d’Italia auf dem berühmt berüchtigten Monte Zoncolan. Der Brite war ein Fahrer in einer auserlesenen Gruppe an Bergfahrern und startete seinen Angriff auf den letzten vier Kilometern. Er schaffte es, seinen Landsmann und Träger des Maglia Rosa Simon Yates (Mitchelton-Scott) von sich fernzuhalten und überquerte als Erster das Ziel, Yates ein paar Sekunden hinter ihm als Zweiter.

Froome wartete, bis die Gruppe die steilen Teilstücke zur Passhöhe erreichte, als er zum Angriff überging. Die Steigung schwoll auf 15 % an und Froome, ganz nach seiner Art, kurbelte mit hoher Trittfrequenz und sitzend seinen Rivalen Yates, Domenico Pozzovivo (Bahrain-Merida), Miguel Angel Lopez (Astana) und dem Titelverteidiger Tom Dumoulin (Sunweb) davon. Im ersten Moment verhielt sich der Rest der Gruppe unbeeindruckt, aber Yates fing ruhig und sicher an, das Tempo anzuziehen, um die Verfolgungsjagd aufzunehmen. Pozzovivo Lopez zog mit und Tom Dumoulin sah sich gezwungen, die beiden Fahrer ziehen zu lassen.

Chris Froome (Team Sky) gewinnt die 14. Etappe des 101. Giro d’Italia. Auf dem berüchtigten Monte Zoncolan setzte er zum Angriff an. (Foto: Sirotti)

Der erste Tag in den Bergen und eine monumentale Zielankunft auf einem der härtesten Berge im Radsport, Monte Zoncolan, versprach von Anfang an eine Etappe zu werden, auf der der 101. Giro d’Italia in die entscheidende Phase gehen würde. Radsportfans vor den Bildschirmen und an der Strecke wurden nicht enttäuscht, als ein hitziges Gefecht zwischen Simon Yates (Mitchelton-Scott) und Chris Froome (Team Sky) auf den letzten Kilometern entbrannte. Froome gewann letztendlich diese Etappe, aber Yates überzeugte mit einer gewaltigen Leistung und Durchhaltevermögen, als er dem viermaligen Tour-de-France-Sieger nachstellte.

Simon Yates setzte 3 Kilometer vor dem Ziel zur Verfolgungsjagd an. Er konnte Froome nicht einholen, war aber immer auf Sichweite und übte bis zum Ziel mit beachtlicher Leistung Druck auf den Etappensieger aus. (Foto: Sirotti)

Es waren nur noch drei Kilometer zum Ziel, aber drei brutale und unnachgiebige Kilometer. Yates nahm vollends die Verfolgungsjagd auf und setzte Froome hinterher. Es gab Momente, da hatte man den Eindruck, dass Yates seinen Landsmann einholen würde. Vor allem auf den flachen Teilstücken konnte das Maglia Rosa Froome bedrohlich nahe kommen. Aber Froome schaffte es, seine Führung bis ins Ziel zu halten. Ein Sieg, der ihm nicht leicht gemacht wurde. Mit seinem zweiten Platz hinter dem Etappensieger hat Yates seine Führung über Dumoulin noch weiter ausbauen können.

Vor allem Froomes Teamkollege Wout Poels zeigte eine beachtliche Leistung, als Team Sky und der Rest des Pelotons den gefürchteten Monte Zoncolan erreichte. Dieser Anstieg, der den ominösen Titel des härtesten Anstiegs im Radstieg sein eigen nennen darf, war die Hauptattraktion der heutigen Etappe. Dementsprechend war die Anzahl der Tifosi, die schon seit Stunden an den Hängen auf die Ankunft ihrer Helden warteten, um den Kampf um Sieg und Klassement aus nächster Nähe zu betrachten. Was die Fahrer erwartete, konnten sie spätestens aus dem Transparent entnehmen, dass sie mit den Worten „La porta dell’inferno“ („Das Tor zur Hölle“) begrüßte.

Bevor sie den gefürchteten letzten Berg erreichten, lagen vier klassifizierte Berge vor den Fahrern. Nach 43,3 Kilometern ging das Sammeln der Höhenmeter mit dem Monte di Ragogna los, gefolgt von Avaglio (4,5 km bei 7 %) nach 105,5 Kilometern.  Nach knapp 40 Kilometern kam ein Anstieg der zweiten Kategorie, der Passo Duron, ins Spiel und nur 20 Kilometer vor dem Ziel der vorletzte Berg in der Form des Sella Valcalda. Dann erreichten die Fahrer den Monte Zoncolan und Chris Froome, der bis dato beim Giro d’Italia nicht seine gewohnte Form abrufen konnte, setzte zum Angriff an.

Monte Zoncolan war die Bühne für das Finale der ersten Bergetappe des Wochenendes und die Hauptattraktion der 14. Etappe. (Foto: Sirotti)

Froome war in der Gruppe der Hauptfavoriten auf die Gesamtwertung und als er zum Angriff überging, blieb im ersten Moment jegliche Reaktion von seinen Mitstreitern aus. Froome konnte sich einen Zeitvorsprung von 12 Sekunden herausfahren, bevor Yates einen Kilometer später die Verfolgung aufnahm. Der Kampf, der sich daraufhin entfaltete, war spannend und dramatisch und erinnerte an ein Zeitfahren mit Verfolgungsjagd.

Während das Maglia Rosa Chris Froome nie aus den Augen verlor und ihm mal um ein paar Sekunden mehr oder weniger näher kam, war der Titelverteidiger Tom Dumoulin (Team Sunweb) sehr um Schadensbegrenzung bemüht und fuhr gleichmäßig die steilem Hänge des Berges herauf, mit Thibaut Pinot (Groupama-FDJ) auf seinen Fersen. Letztendlich konnte Simon Yates den viermaligen Tour de France Sieger nicht ganz einholen, aber den Druck, den er auf den letzten Kilometern unerbittlich auf den Team-Sky-Fahrer ausübte, setzte ein klares Zeichen. Mit seinem zweiten Platz auf einer der härtesten Etappen des Giro d’Italia hat Yates seinen Vorsprung auf Dumoulin noch vor dem Zeitfahren weiter ausbauen können. Der Holländer liegt nach der heutigen Etappe 1:24 hinter dem Maglia Rosa, Pozzovivo mit 1:37 an dritter Stelle der Gesamtwertung. Froome, der in den ersten zwei Wochen des Giro d’Italia nicht überzeugen konnte und sich hauptsächlich außerhalb der Top 10 wiederfand, konnte sein Stellung in der Gesamtwertung mit einem Rückstand von 3:10 zu Yates auf den fünften Platz verbessern.

“Es ist wirklich ein unbeschreibliches Gefühl, heute auf so einem Berg zu gewinnen“, sagte Froome im Ziel. „Es ist ein tolles Gefühl, vor allem nach einem sehr schwierigen Anfang in diesem Rennen. Das Team hat mich in den letzten zwei Wochen super unterstützt. Heute hier zu gewinnen bedeutet mir sehr viel. Ich spürte mit vier Kilometern zum Ziel, dass das Rennen wirklich hart an der Grenze war und das war für mich der richtige Augenblick, anzugreifen. Wout hat eine riesige Leistung abgerufen und es den anderen wirklich schwierig gemacht. Simon war mir bis zum Schluss hart auf den Fersen – ich war so erleichtert, als ich auf den letzten 100 Metern hörte, dass ich die Etappe gewinnen würde.“

Simon Yates (Mitchelton-Scott) konnte das Maglia Rosa erfolgreich verteidigen und seinen Vorsprung auf den Titelverteidiger Tom Dumoulin (Team Sunweb) auf 1:35 ausbauen. (Foto: Sirotti)

Video: Die 14. Etappe des Giro d’Italia 2018

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