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Rennberichte & Analysen

Die fünf wichtigsten Etappen des Giro d’Italia 2018

Zoncolan, ein Zeitfahren und zum Schluss drei Tage in den Alpen – der Giro d'Italia 2018 birgt einiges an Herausforderungen.

Der Giro d’Italia hat über die Jahrzehnte einen Ruf geerntet, ein hartes und unbarmherziges Rennen zu sein. Bei der ersten der drei Grand Touren im Rennkalender, kämpfen die Fahrer nicht nur gegeneinander auf langen und unnachgiebigen Etappen, sondern auch gegen widrige Witterungen. Auch dieses Jahr macht der Giro d’Italia seinem Ruf alle Ehre.

Der 101. Giro d’Italia weist eine klassische Grand-Tour-Streckenführung auf, was das Rennen in seinem Anspruch und seinem Versprechen, unterhaltsam und spannend zu werden, kein bisschen schmälert. Mit acht Bergankünften und drei aufeinanderfolgenden Etappen in den Alpen werden Chris Froome und seine Mitstreiter im Kampf um die Gesamtwertung vor einer großen Herausforderung stehen. Hier stellen wir fünf Etappen vor, die das Rennen spannend machen oder entscheidend beeinflussen werden.

Der Giro d’Italia 2018 wird seinem Ruf, das anspruchsvollste Rennen im schönsten Land der Welt zu sein, auch 2018 wieder gerecht. (Foto: Sirotti)

9. Etappe – Pesco Sannita – Gran Sasso d’Italia (Campo Imperatore), 234 km (13. Mai 2018)

Nach acht anstrengenden Tagen im Rennen, verbunden mit einer langen Reise von der Grande Partenza in Israel zurück nach Italien, werden einige Fahrer langsam aber sicher anfangen, die Erschöpfung zu spüren, die sich zwangsweise einstellen wird. Die Favoriten des Giro d’Italia werden anfangen, aufzudrehen und sich auf dieser Etappe gegenseitig testen zu wollen. Die 9. Etappe am Tag vor dem zweiten Ruhetag ist eine der längsten Etappen des Giro d’Italia 2018 und die letzte Möglichkeit seine eigene Form, und die seiner Rivalen, anzutesten, bevor es am letzten Wochenende des Giro d’Italia in Friuli unerbittlich hart und fordernd wird.

Und auf den Pässen liegt noch Schnee: Beim Giro müssen die Profis sich auf alle Witterungen gefasst machen. (Foto: Sirotti)

Auf den 224 Kilometern müssen die Profis nur über drei klassifizierte Pässe fahren, dennoch weist das Streckenprofil nicht ein Stückchen Flachland auf. Wenn die Flagge gesenkt wird und das Rennen beginnt, wird es ein ständiges Auf und Ab werden. Der Anstieg über Castel di Sangro wird einigen noch von der Zielankunft beim Giro d’Italia 2016 bekannt sein, aber die eigentliche Herausforderung  liegt auf den letzten 50 Kilometern der Strecke: Die Fahrer müssen sich einen Doppelanstieg hochkämpfen, um das Ziel zu erreichen.

Als erstes geht es 14,8 Kilometer nach Calascio, wo die Steigung gegen Ende auf 10 % anzieht. Anstatt die Abfahrt zu nehmen, führt der Giro d’Italia über ein kurzes Flachstück weiter nach oben zum letzten Anstieg und zum Ziel Gran Sasso d’Italia. Der Anstieg ist nicht besonders steil, aber mit seinen 26 Kilometern zieht er sich unwahrscheinlich in die Länge. Marco Pantani war der letzte Fahrer, der sich auf diesem Anstieg 1999 den Tagessieg holte.

14. Etappe – San Viro Al Tagliamento – Monte Zoncolan, 181 km (19. Mai 2018)

Was für die Vuelta a España der Angliru ist, bedeutet für den Giro d’Italia Monte Zoncolan. Wenn dieser Anstieg bei der Grand Tour in Italien in Erscheinung tritt, weckt er allgemeine Aufmerksamkeit. Spektakulär anzuschauen und mit Spannung erwartet, wird er nicht unbedingt das Renngeschehen und die Gesamtwertung großartig beeinflussen und neu ordnen. Dennoch ist es ein Anstieg zum Ziel, der großes Kino verspricht und schon im Vorfeld für Spekulation und Spannung sorgen wird. Monte Zoncolan trat 2003 zum ersten mal beim Giro d’Italia in Erscheinung und, auch wenn es selten eine entscheidende Etappe war, war sie immer bemerkenswert und blieb in der Erinnerung haften.

Der Berg Monte Zoncolan st einer der anspruchsvollsten Anstiege in Italien und wird beim Giro d’Italia 2018 eine harte und spannende Etappe bieten. (Foto: Serafino Centenaro / Creative Commons)

Die Anwärter auf das Maglia Rosa gehen im allgemeinen den Monte Zoncolan, auch als der Kaiser bekannt, eher mit Bedacht und Vorsicht an. Seine mitunter steilen Steigungen verleiten nicht dazu, große Zeitvorsprünge einfahren zu können. Sowohl die Bergziegen als auch die Kraftpakete müssen sich die 20-%ige Steigung hochkämpfen, Abstände werden mit schmerzhaften Zentimetern, anstatt großen Lücken aufgetan. Für die Zuschauer am Straßenrand und vor den Fernsehern wird es mit Sicherheit eine fesselnde und spannende Etappe, die sich abspielen wird. Auf das gesamte Renngeschehen wird sich dieser Tag nur bedingt auswirken.

16. Etappe – Trento – Rovereto (Einzelzeitfahren), 34,5 Kilometer (22. Mai 2018)

Beim 100. Giro d’Italia in 2017 gewann Tom Dumoulin das Rennen praktisch durch das Einzelzeitfahren in  Montfalco. Wäre der Verteidiger des maglia rosa  am Passo dello Stelvio nicht zum Anhalten gezwungen worden, um dem dringenden Ruf der Natur zu folgen, wäre die Entscheidung des Sieges des 100. Giro d’Italia um jegliche Spannung beraubt worden. Die Tour de France 2017 bewies, dass es nicht viele Zeitfahrkilometer in einem Etappenrennen geben muss, um Entscheidungen zu bewirken und Spannung zu erzeugen. RCS, die Organisatoren des Giro d’Italia, scheinen aus der Erfahrung gelernt zu haben: Die Italienrundfahrt hat nur zwei recht kurze Einzelzeitfahren, die sich aber entscheidend auf die Gesamtklassifikation auswirken können.

Nach einem sehr kurzen 9,4 Kilometern Einzelzeitfahren in Israel, müssen sich die Zeitfahrkünstler mit einem weiteren Zeitfahren am Anfang der letzten Rennwoche zufrieden geben. In 2017 konnte man bei dem Einzelzeitfahren in Montefalco beobachten wie ein schlechter Tag nur noch schlimmer werden kann. Nairo Quintana musste sich auf der welligen Strecke geschlagen geben. Die 34,5 Kilometer des Giro d’Italia 2018 sind weniger anspruchsvoll, was die Geschicklichkeit des Fahrers ausmacht, aber Zeitfahrspezialisten wie Chris Froome oder Tom Dumoulin könnten dennoch einigen Schaden anrichten.

Anwärter auf den Gesamtsieg wie Fabio Aru können sich gezwungen sehen, in den letzten Tagen des Giro d’italia unüberbrückbare Zeitabstände überwinden zu müssen, oder sich ganz geschlagen geben. Das Zeitfahren zu Beginn der dritten Woche wird mit Sicherheit bestimmen wie die Fahrer die zweite Woche in Angriff nehmen werden. Das Ergebnis der 16. Etappe wird wiederum bestimmen wie sich das Renngeschehen in der letzten Woche in den Alpen entwickeln wird.

In der letzten Woche geht es mit drei aufeinanderfolfenden Bergetappen im Hochgebirge der Alpen in den entscheidenden Kampf um den Gesamtsieg. (Foto: Sirotti)

19. Etappe – Venaria Reale – Bardonecchia, 181 Kilometer (25. Mai 2018)

Das Beste, oder von der Perspektive eines erschöpften Profis vielleicht das Schlimmste, kommt zum Schluss: Beim Giro d’Italia 2018 werden die Fahrer mit einem äußerst fordernden Etappentrio im Hochgebirge der Alpen konfrontiert, bevor es für den Siegeszug und der letzte Kampf der Sprinter von Turin nach Rom geht. Dabei mutet der erste Tag des Trios, die 18. Etappe, relativ harmlos an: Sie bietet einen 13 Kilometer langen Anstieg zum Ziel, der die Anwärter auf die Gesamtklassifikation in Bedrängnis bringen könnten. Mit der 19. Etappe geht es dafür um so härter weiter. Die 19. Etappe ist erbarmungslos und wird die entscheidende Königsetappe des Giro d’Italia sein, auf der sich wahre Dramen entfalten können.

Von Venaria Reale geht es zum Warmfahren hoch auf den Colle del Lys, bevor der berühmte Colle de Finestre in Erscheinung tritt. Dieser Pass strotzt mit 2178 Höhenmetern und ist der Cima Coppi, der höchste Punkt des Giro d’Italia 2018. Der Pass windet sich 18,5 Kilometer in die Höhe, mit Teilstücken, die sich zwischen 9 % und 10 % abwechseln. Mit acht Kilometern zum Zeil werden die aspaltierten Straßen von unbefestigten Wegen abgelöst.

Der Finestre hat bei vergangenen Giros für spektakuläre Dramen gesorgt. Wenn die Passhöhe erreicht wurde, sind es immer noch 70 Kilometer bis zum Ziel, aber das Schauspiel, das sich auf dem Finestre abspielen wird, wird die Leute an die Straße und vor die Bildschirme ziehen und in aller Munde und Erinnerung bleiben.

Es folgt eine kurze Abfahrt und ein langer, relativ gleichmäßiger und sanfter Anstieg nach Sestrie. Dann geht es ein kurzes, aber steiles, Stück zum Ziel auf dem Jafferau, was die Beine und Entschlossenheit der Fahrer auf eine letzte harte Probe des Tages stellen wird. Auf 7,25 Kilometer lässt sich dieser Anstieg über Bardonecchia nicht lumpen: Er fängt bei 14 % an und lässt auf dem Weg zu Spitze nicht nach.

Der Giro d’Italia kommt in die Stadt. (Foto: Sirotti)

20. Etappe – Susa – Cervinia, 214 Kilometer (26. Mai 2018)

Auf der 20. Etappe geht es ums Ganze: Am nächsten Tag steht die Prozession und Siegerehrung in Rom auf dem Programm, daher kann mit Sicherheit gesagt werden, dass der Sieger des Giro d’Italia 2018 in Cervinia gekrönt wird. Ein Sieg, der hart erkämpft werden muss: Das Ziel ist auch gleichzeitig die letzte der acht Bergankünfte, die der Giro d’Italia 2018 zu bieten hat.

Es wird noch einmal ein langer Tag über eine lange Strecke, aber immerhin beginnen die 214 Kilometer recht flach und geben den Favoriten auf das Maglia Rosa und den Plätzen auf dem Podium, sich auf das, was da am Schluss kommen mag, vorzubereiten. Das Rennen wird auf den letzten 80 Kilometern in die Vollen gehen, denn das Peloton trifft auf drei Alpenpässe, die sich unbarmherzig und unnachgiebig einer nach dem anderen abwechseln.

Als erstes geht es über den Col Tsecore: 16 Kilometer, die zur Passhöhe immer steiler werden, und Teilstücke von 15 % müssen überwunden werden. Es folgt eine schnelle und kurvenreiche Abfahrt nach Chambave, wo schon kurz darauf der zweite Anstieg auf die Fahrer wartet: Der St. Pantaléon. Mit ebenfalls 16 Kilometern Länge ähnelt er in Steigungsgrad und Anspruch dem Col Tsecore.

Schließlich und endlich treten die Fahrer dem letzten Berg des 101. Giro d’Italia entgegen: Der Anstieg nach Cervinia ist lang, aber relativ gleichmäßig. Auf seinen 19 Kilometern beträgt sein steilstes Stück 12 %, was ihn nicht zum anspruchvollsten Pass des Giro macht. Aber nach drei intensiven Wochen der Grand Tour und drei harten und anspruchsvollen Etappen in den Alpen, wird er die Fahrer vor eine letzte Herausforderung stellen. Auf diesem Berg werden mentale Kraft und psychisches Durchhaltevermögen gefragt werden.

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