Share

Werkstatt & Material

Die richtige Übersetzung für dein Rennrad – ein Ratgeber

Die Wahl der richtigen Übersetzung hat starken Einfluss auf die Leistung, die du auf die Straße bringen kannst.

Die Übersetzung an deinem Rennrad ist eine der wichtigsten Faktoren, wenn es darum geht, deinen Fahrspaß zu maximieren und hat signifikanten Einfluss darauf, wie schnell du fahren kannst.

Ist deine Übersetzung zu niedrig gewählt, also die Gänge zu leicht, fällst du zurück, auch wenn du dich noch so abstrampelst. Ist sie zu hoch, kann es sein, dass du nicht mehr in der Lage bist, Steigungen zu bewältigen.

Fährst du mit der richtigen Übersetzung? Foto: Scott Connor/Factory Media

Beide Fälle sollten vermieden werden und die Übersetzung an deinem Rad sollte optimal auf das Revier absgestimmt sein, in dem du unterwegs bist. In diesem Ratgeber zeigen wie dir, wie du die richtige Übersetzung für dein Rennrad wählst.

Wir gehen im Folgenden darauf ein, welchen Einfluss Übersetzungsverhältnisse auf die benötigte Leistung haben, wie wichtig die richtige Kadenz, also Trittgeschwindigkeit, ist, welche Optionen dir zur Anpassung deiner Übersetzung zur Verfügung stehen und wie du deine Gänge effizient nutzen kannst.

Jeder Fahrer hat seine eigenen Vorlieben bezüglich der Gangwahl, basierend auf seiner Erfahrung, seiner Fitness, seinem Fahrstil und dem Terrain in dem er fährt. Foto: Scott Connor/Factory Media

Wie beeinflusst die Übersetzung die Leistung auf dem Rennrad?

Du weißt es bestimmt schon: Der wichtigste Faktor, der deine Geschwindigkeit beeinflusst, ist die Leistung, die du auf die Pedale bringst. Das Übersetzungsverhältnis an deinem Rad und der Tretwiderstand, den es zur Folge hat, bestimmt, wie viel der Leistung deiner Beine auf der Straße ankommt.

Die Leistung ist, einfach ausgedrückt, das Ergebnis der Mutliplikation des Drehmoments, dass du erzeugst, wenn du in die Pedal trittst, mit der Trittfrequenz, also der Geschwindigkeit, mit der du die Pedale rotieren lässt

Die Gänge an deinem Rad sollten also so gewählt sein, dass du das Maximum aus der Kraft machen kannst, die du auf die Pedale bringst, doch nicht jeder Fahrer entfaltet seine beste Leistung auf dem gleichen Wege.

Wenn du in einer Gegend mit vielen Anstiegen wohnst, wirst du kleinere Übersetzungen schätzen. Foto: Scott Connor/Factory Media

Ein bulliger Fahrer mit starken Beinen tritt vielleicht langsamer, dafür aber stärker in die Pedale, während ein anderer Fahrer zwar vielleicht 30 % weniger Druck auf den Pedalen hat, dafür aber 30 % schneller tritt und damit die gleiche Leistung erbringt wie der erste Fahrer.

– So verbesserst du deine Tritttechnik und Tritteffizienz auf dem Rennrad –

Für die gleiche Leistungsabgabe benötigt der erste Fahrer also größere Gänge, während Fahrer Nummer zwei zu kleineren Gängen greifen sollte. Beide Fahrer sind gleich stark, doch sie nutzen ihre Gänge anders, um ihre Leistung zu entfalten.

Du solltest dich zunächst also grundsätzlich fragen, welche Gangkombination deinen Stärken am besten entgegenkommt und was für dich persönlich am effizientesten ist. Fährst du lieber in niedrigen Gängen mit hoher Kadenz oder empfindest du eine geringere Kadenz als angenehmer und trittst dafür härter? In diesem Artikel kannst du mehr zum Thema Tritttechnik und -effizienz lesen.

Wie und wo fährst du?

Erfahrung und dein Fitnesslevel sind wichtige Faktoren bei der Wahl der richtigen Übersetzung. Wenn du gerade erst mit dem Rennradfahren angefangen hast, wirst du wahrscheinlich von einer niedrigen Übersetzung profitieren, die dich in die Lage versetzt, weiter zu pedalieren, auch wenn es mal etwas steiler bergauf geht.

Dein Antriebsstrang sollte dir eine Auswahl von Gängen bereitstellen, in denen du in möglichst allen Situationen effizient pedalieren kannst. Foto: Media-24

Auch die Gegend, in der du fährst, hat Einfluss auf die richtige Wahl der Übersetzung. Wohnst du in einem bergigen Landstrich und fährst dauernd auf und ab oder wirst du hauptsächlich im Flachland unterwegs sein? Generell sind kleinere Übersetzungsverhältnisse die richtige Wahl für diejenigen, die viel klettern möchten und große Übersetzungen für Fahrer, die hohe Geschwindigkeiten auf flacher Strecke erreichen wollen.

Wenn du also viel in den Bergen fährst, neu auf dem Rennrad oder generell weniger fit bist, gibt dir eine sogenannte Kompaktkurbel mehr Möglichkeiten, leichtere Gänge zu wählen. Wenn dein Fitnesslevel schon recht hoch ist und du vielleicht an dem einen oder anderen Rennen teilnehmen willst, wird dir eine Standardkurbel gute Dienste erweisen. Dazwischen platziert sich die semikompakte Kurbel, die viele Vorteile der beiden anderen Zahnkranzkombinationen in sich vereint.

Deine Übersetzung meistern

Wir werden weiter unten genauer auf die drei Kurbeloptionen eingehen. Welche Option du aber auch wählst, es ist wichtig, dass du ihr Potential ausschöpfen kannst. Steht dir auf deinen Touren immer ein Gang zur Verfügung, in dem du effizient pedalieren kannst? Das Ziel ist es, Drehmoment, also die Kraft, mit der du aufs Pedal trittst, und Trittfrequenz auszubalancieren, so dass du die höchste Leistung aus jeder Pedalumdrehung holen kannst, ohne dich dabei völlig zu verausgaben.

Wenn du mit zu hohen Gängen fährst und Schwierigkeiten hast, eine effiziente Trittfrequenz einzuhalten, wirst du vielleicht alle 10 Sekunden in den Wiegetritt gehen müssen, um deine Geschwindigkeit halten zu können. Das kostet Kraft und du ermüdest schneller.

Disziplinen wie das Cyclocross haben ihre ganz eigenen Anforderungen an deine Ausrüstung. Foto: Trek

Natürlich kannst du dieses Problem in den meisten Fällen dadurch lösen, indem du in einen kleineren Gang schaltest. Aber es kann auch ein Indikator für eine schlechte Übersetzungswahl für dein individuelles Fitnesslevel und das Terrain, in dem du dich bewegst, sein. Gangwahl und Kadenz sind untrennbar miteinander verbunden. Um bei optimaler Kadenz fahren zu können, musst du in der Lage sein, im richtigen Gang zu fahren.

Welche Optionen stehen in Sachen Übersetzung zur Auswahl?

An zwei Stellen am Rad kannst du die Übersetzung an deinem Rennrad ändern: an der Kurbel, also den Kettenblättern, und am Ritzelpaket, auch Kassette genannt.

Grundsätzlich führen weniger Zähne am Kettenblatt zu einem kleineren Gang, während weniger Zähne am Ritzel mehr Tretwiderstand und einen höheren Gang bedeuten. Werfen wir einen näheren Blick auf verschiedene Kurbel- und Kassettenoptionen:

Die Kurbelgarnitur

Standard: 53 und 39 Zähne
Semikompakt: 52 und 36 Zähne
Kompakt: 50 und 34 Zähne

Eine Kompaktkurbel hat ein großes Kettenblatt mit 50 Zähnen und ein kleines mit 34 Zähnen. Foto: George Scott/Factory Media

Wie wir schon erwähnt haben, bietet eine Kompaktkurbel das kleinste Übersetzungsverhältnis bei Zweifachgarnituren, also Kurbeln mit zwei Kettenblättern, die bei Rennrädern aktueller Standard sind. Ideal eignet sich die Kompaktkurbel für den Anfänger, für Fahrer, deren Fitnesslevel niedrig ist, die gerne hohe Kadenzen treten oder in einer bergigen Gegend leben.

Am anderen Ende des Spektrums platziert sich die Standardkurbel. Sie entfaltet ihr größtes Potential, wenn der Fahrer starke Beine hat und erlaubt hohe Geschwindigkeiten und Leistungswerte. Die Standardkurbel ist die erste Wahl für Wettkampffahrer oder Fahrer, die in flachen Gegenden wohnen.

Profis greifen normalerweise zur Standardkurbel mit 53 und 39 Zähnen. Das ist übrigens Peter Sagans Standardkurbel. Foto: George Scott/Factory Media

Eine relativ neue und schnell beliebter werdende Option ist die semikompakte Kurbel mit 52 und 35 Zähnen. Es ist nicht ungewöhnlich, eine Semikompakte an den Fahrrädern starker Bergfahrer, ambitionierter Radsportler oder auch Profis anzutreffen, die festgestellt haben, dass eine Standardkurbel ihnen nicht erlaubt, in ihrer optimalen Kadenz zu fahren.

Semikompakte Kurbeln bieten ein Mittelding aus den beiden anderen Alternativen und werden zunehmend populär. Foto: George Scott/Factory Media

Eine relativ neue und schnell beliebter werdende Option ist die semikompakte Kurbel mit 52 und 35 Zähnen. Es ist nicht ungewöhnlich, eine Semikompakte an den Fahrrädern starker Bergfahrer, ambitionierter Radsportler oder auch Profis anzutreffen, die festgestellt haben, dass eine Standardkurbel ihnen nicht erlaubt, in ihrer optimalen Kadenz zu fahren.

Es gibt auch noch andere Kombinationen, beispielsweise mit 46 und 36 Zähnen, wie man sie oft an Cyclocross-Rädern antrifft. Manche Hersteller bieten sogar noch kleinere Übersetzungen an, wie etwa 48-32, die manchmal an Gravelbikes verbaut und für die steilen Anstiege abseits der Straße geeignet sind.

Dreifachgarnituren werden immer seltener. Die meisten Fahrer, bevorzugen die Kombination aus einer Zweifachgarnitur und einer Kassette mit großer Kapazität. Foto: George Scott/Factory Media

Dreifachgarnituren verfügen über drei Kettenblätter an der Kurbel, normalerweise in einer Kombination aus 50, 39 und 30 Zähnen. Diese Garnituren waren früher die erste Wahl für Fahrer, die eine große Auswahl an Gängen benötigten, werden heute aber zunehmend von Zweifachgarnituren in Kombination mit einer Kassette hoher Kapazität verdrängt. Die Kapazität einer Kassette beschreibt den Unterschied zwischen dem kleinsten und dem größten Ritzel und damit, wie groß die Spannweite zwischen höchstem und niedrigstem Gang ist, die mit der Kassette erreichbar ist.

Die Kassette

Die Kassette, oder auch Ritzelpaket genannt, ist das Gegenstück zu den Kettenblätter an der Kurbel. Sie ermöglicht quasi das Finetuning beim Finden der optimalen Übersetzung. Mit dem passenden Kettenblatt bringst du die Übersetzung grob in die richtige Gegend und durc die Wahl des richtigen Ritzels kannst du die ideale Kadenz einstellen.

Kurbelgarnituren werden durch „standard“, „kompakt“ und „semikompakt“ spezifiziert, doch für Ritzelkombinationen gibt es keine solchen Bezeichnungen. Ein Grund dafür mag sein, dass es einfach so viele von ihnen gibt. Stattdessen werden Kassetten durch die Anzahl der auf ihnen befindlichen Ritzel und deren Kapazität beschrieben. Die großen Komponentenhersteller, Shimano, SRAM und Campagnolo, bieten eine große Anzahl verschiedener Kassetten mit unterschiedlichen Kapazitäten an. Eine Shimano-Ultegra-Kassete beispielsweise ist als 11-23, 11-25, 12-25, 11-28 und 11-32 erhältlich, so dass du viel Spielraum fürs Anpassen der Übersetzung an deinem Bike hast.

Werfen wir einen näheren Blick auf zwei dieser Kassetten: die 11-23 und die 11-32. Erstere ist gut geeignet für das Fahren im Flachland, sowie für Rennen und offeriert kleinere Schritte zwischen den verschiedenen Gängen. Letztere sorgt mit ihren größeren Ritzeln für leichtere Gänge und ist geeignet für Fahrer, die viele steile Anstiege bezwingen wollen. Am Großteil der heute verkauften Rennräder ist eine 11-28-Kassette verbaut, die einen Kompromiss aus Bergtauglichkeit und Speed darstellt und relativ gleichmäßige Abstufungen zwischen den Gängen bietet.

Ein Kassettenwechsel ist oft der einfachste Weg zu niedrigeren Gängen an deinem Bike

Der häufig einfachste Weg zu kleineren Gängen an deinem Rad ist der Wechsel der Kassette. In den letzten Jahren kamen zahlreiche Kassettenoptionen auf den Markt und die Auswahl ist größer als je zuvor. Kassetten mit größeren Ritzeln erfordern allerdings normalerweise ein Schaltwerk mit längerem Käfig.

Kassetten mit kletterfreundlichen 32er-Ritzeln erfordern meist einen längeren Schaltwerkkäfig

So nutzt du deine Übersetzung effizient

Die Gänge an unseren Rennrädern wechseln (noch) nicht automatisch und wenn du dir einmal sicher bist, die perfekte Übersetzung für dich gefunden zu haben, ist es wichtig, dass du sie auch perfekt nutzt.

Zwei Dinge sind wichtig, wenn es um die Kombination von Kettenblättern und Ritzelpaket geht. Einerseits sollte kein Gang zu viel Unterschied zum anderen haben, andererseits sollten Gänge für möglichst jede Fahrsituation zur Verfügung stehen.

Es bringt nichts, wenn du deine perfekte Übersetzungskombination gefunden hast, sagen wir eine 52-36-Kurbel und eine 11-28-Kassette, wie sie zunehmend an neuen Rennrädern verbaut werden, aber nicht verstehst, wie du die zur Verfügung stehenden Gänge effizient nutzt. Das Erfahren und Kennenlernen deiner Übersetzung können wir dir in diesem Ratgeber leider nicht abnehmen, aber einen letzten Tipp haben wir noch für dich.

Die richtigen Gänge zu haben ist eine Sache. Sie richtig zu verwenden eine ganz andere. Foto: George Scott/Factory Media

Du solltest stets auf einen möglichst geraden Kettenlauf achten. Ein großer Kettenschräglauf, wie er zum Beispiel entsteht, wenn du vorne und hinten auf dem größten Zahnrad fährst, ist weder gut für die Kette, die so schneller verschleißt, noch für deine Effizienz.

Als Faustregel gilt, dass du das große Kettenblatt in Verbindung mit den kleinen Ritzeln und das kleine Kettenblatt in Verbindung mit den großen Ritzeln verwendest. Vermeide die Kettenblatt-Ritzel-Kombinationen groß-groß oder klein-klein.

Vermeide einen großen Schräglauf der Kette, um deine Übersetzung möglichst effizient zu nutzen. Foto: Factory Media
Newsletter Terms & Conditions

Please enter your email so we can keep you updated with news, features and the latest offers. If you are not interested you can unsubscribe at any time. We will never sell your data and you'll only get messages from us and our partners whose products and services we think you'll enjoy.

Read our full Privacy Policy as well as Terms & Conditions.

production