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Tour de France 2017

Tour de France 2017: 8. Etappe – Lilian Calmejane gewinnt im Juragebirge

Nach einem harten und schnellen Tag holt sich der Franzose im Soloritt den Etappensieg

Nach einem beherzten und starken Soloritt konnte sich der Franzose Lilian Calmejane (Direct Energie) nach 187,5 Kilometern den Etappensieg holen. Der junge Profi feiert sein Tour de France Debut und heute seinen ersten Etappensieg auf der Grand Tour in Frankreich.

Es war ein spannendes und nervenaufreibendes Finale zu der ersten richtigen bergigen Etappe, die heute im Juragebirge die Kletterkünste und die Bergform der Fahrer testete. Calmejane konnte sich 23 Kilometer vor dem Ziel von der Ausreißergruppe absetzen und wurde nicht wieder eingeholt. Es war ein gebührender Sieg für den Tour de France Debutanten, der in seinem Soloauftritt alles gab.

(Bild: Sirotti)

Es war ein heißer Julitag, an dem das Peloton sich auf den Weg in das Juragebirge machte, die erste der fünf Bergregionen Frankreichs, die auf der 104. Tour de France besucht werden. Auf einer Etappe wie heute erwartet man eigentlich, dass sich so bald wie möglich eine Ausreissergruppe formt, die den Tag vorne verbringt und aus der sich ein Fahrer den Etappensieg holt, während die Favoriten an den Bergen um das gelbe Trikot kämpfen werden.

Nach seinem beherzten Angriff und dem Soloritt, der folgte, feiert Calmejane seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France (Foto: Sirotti)

Sobald der Startschuss fiel setzte das Peloton sich in rasantem Tempo in Bewegung, aber eine Ausreißergruppe kam nicht zustande. Es gab immer wieder Fahrer, die versuchten sich in einer Gruppe abzusetzen, aber ihre Mühe war vergeblich. Es kam regelrecht zu einer Pattsituation im Peloton und die Fans am Bildschirm warteten vergeblich darauf, das endlich etwas passieren würde.

Mit der ersten Sprintwertung kam endlich etwas Bewegung und Aufregung in das Rennen. Für die Sprinter war das die einzige Chance, sich noch den einen oder anderen Punkt zu sichern, bevor die Fahrer das Wochenende in den Bergen verbringen. Daher war es nicht überraschend, dass es zu einem Showdown zwischen den großen Favoriten unter den Sprintern kam. Quick-Step Floors setzten alles daran, ihren Träger des grünen Trikots Marcel Kittel als ersten über die Linie zu bringen. Aber es war sein Landsmann Andre Greipel (Lotto Soudal), der sich diesmal gegen ihn durchsetzen konnte.

 

Von da ging der Kampf der Fahrer, sich vom Hauptfeld abzusetzen, weiter. Wie es im Radrennen so ist, löste sich das Problem wie von alleine: Nach 70 Kilometern brach das Hauptfeld in zwei Teile mit ungefähr 50 Fahrern im vorderen Teil, während sich die Favoriten und die Träger der verschiedenen Trikots in der zweiten Gruppe befanden.

Angefeuert von Zuschauern nähert sich der Franzose vor einem begeistertem Publikum in seinem Heimatsland dem Ziel. (Foto: Sirotti)

Es war absehbar, dass so eine große Ausreißergruppe nicht lange zusammenbleiben würde. Kurz darauf schafften es 13 Fahrer sich abzusetzen, unter anderem Greg Van Avermaet (BMC), Emmanuel Buchmann (Bora-Hansgrohe), Thomas De Gendt (Lotto Soudal), Laurens Ten Dam (Sunweb), Lilian Calmejane und Alberto Bettiol (Cannondale-Drapac).

Über die Kilometer, die folgten, brach die Ausreißergruppe immer wieder auseinander und kam wieder zusammen. Letztendlich schaffte Calmejane sich am zweiten Berg des Tages mit fünf weiteren Fahrern vorne abzusetzen, als sie sich der Bergkuppe näherten.

Das gleiche Gruppetto setzte ihre Fahrt mit brisantem Tempo fort und kam als erste an den dritten und letzten Berg des Tages an. Von da waren es noch 18 Kilometer zum Ziel und mit der Bergkuppe in sieben Kilometern fast in Reichweite, zog Calmejane an und lancierte seinen Soloritt. Gesink war der einzige, der parieren konnte, aber er konnte den jungen Franzosen nicht näher kommen, geschweige denn einholen.

“Von Anfang an bis zum Ziel fuhren wir heute mit Vollgas”, sagte Calmejane. “Zum Schluss war es eher ein psychischer Kampf, der sich im Kopf abspielte. Du konntest es dir nicht leisten, mental abzuschalten oder schwach zu werden. Heute ging es nicht darum, wer gute Beine hatte, sondern wer mental gut drauf war.”

 

Serge Pauwels versuchte, sich abzusetzen und immerhin für einen Tag das gelbe Trikot zu holen. (Foto: Sirotti)

Auf seiner Jagd zum Ziel gab es einen kurzen Augenblick der Panik, als er von Krämpfen übermannt anhalten musste. Aber nach einer kurzen Pause konnte er weiterfahren und sich seinen zweiten Etappensieg bei einer Grand Tour in seiner Karriere holen.

“Unglaublich. Seit dem Start der Tour de France waren wir immer vorne mit dabei, aber ich hätte nicht gedacht, dass es zu so einem Ergebnis führt”, sagte Calmejane. “Ich bin ein Fahrer, der gerne Leben ins Renngeschehen bringt und ich sagte zu meinem Teamkollegen, dass ich heute etwas versuchen würde. Die haben heute großartige Arbeit geleistet und haben mir ermöglicht, mir meinen Traum zu erfüllen: Einen Etappensieg bei der Tour de France.”

“Mit so einem Szenario habe ich nicht gerechnet. Als wir unser kleines Gruppetto formten dachte ich, dass wir die Etappe unter uns ausmachen würden, aber stattdessen gewinne ich alleine – einfach unglaublich.”

Dem jungen Franzosen stand die Freude seines Sieges regelrecht ins Gesicht geschrieben, als er auf der Zielgeraden in seinem Heimatland vor jubelnden Zuschauern auf das Ziel zurollte. Sein Abstand zu seinen Verfolgern war groß genug, dass er seine Zieleinfahrt und seinen Sieg gebührend genießen und feiern konnte.

Aber Team Sky hatte andere Vorstellungen und liess Serge nicht davonkommen: Chris Froome bleibt weiterhin in gelb. (Foto: Sirotti)

An einem Tag wie heute, wo noch einiges offen steht und einiges zu holen gilt, würde man denken, dass Team Sky fürs erste das maillot jaune an einen Fahrer abgeben würde, der ansonsten während der Tour de France keine große Bedrohung darstellen würde.

Serge Pauwels (Dimension Data) versuchte sich daran, sich für immerhin einen Tag das gelbe Trikot zu sichern, aber Team Sky hatte andere Vorstellungen. Anstatt den Zeitabstand wachsen zu lassen, um dem Fahrer eine Chance zu geben, schlug Team Sky ein hohes Tempo an und erlaubten Pauwels nicht, sich als Füher der Gesamtwertung um ein paar Sekunden vor dem Titelverteidiger Chris Froome zu behaupten.

Daher hat sich in der Tabelle der Gesamtwertung nichts gravierendes verändert: Chris Froome und Geraint Thomas befinden sich weiterhin auf Platz eins und zwei, Fabio Aru (Astana) mit 14 Sekunden Rückstand zu Chris Froome an dritter Stelle.

Mit dem Etappensieg ist es nicht getan: Calmejane konnte erwarb durch seinen Bergsieg am Cote de la Combe de Laisa – Les Mounes das Trikot der Bergwertung erwerben. Marcel Kittel nahm ein paar Punkte beim Zwischensprint mit und baut somit seine Führung in der Punktwertung aus. Simon Yates bleibt weiterhin im weißen Trikot des besten Jungprofi.

Die Ergebnisse: Top 10 das Etappenklassement – 8. Etappe

1 CALMEJANE Lilian DIRECT ENERGIE 04h 30′ 18″
2 GESINK Robert TEAM LOTTONL-JUMBO 04h 31′ 06″
3 MARTIN Guillaume WANTY – GROUPE 04h 31′ 19″
4 ROCHE Nicolas BCM RACING TEAM
5 KREUZIGER Roman ORICA-SCOTT
6 ARU Fabio ASTANA PRO TEAM
7 VALGREN ANDERSEN Michale ASTANA PRO TEAM
8  MAJKA Rafal BORA-HANSGROHE
9 BROWN Nathan CANNONDALE-DRAPAC
10 HARDY Romain TEAM FORTUNEO-OSCARO

Tour de France 2017 9. Etappe – Was erwartet die Profis?

Vor dem ersten Ruhetag warten noch einmal die Berge des Juragebirges auf die Fahrer, die sich auf eine 181 km Etappe von Nantua nach Chambery aufmachen werden. Für die Bergziegen im Peloton wird es ein wahres Kletterfest: Vier Anstiege warten auf die Profis – und sie lassen nicht lange auf sich warten. Der erste, Col de Cuvery, ist der unschuldigste von allen. Die Fahrer können ihn nutzen, um in Gang zu kommen, denn danach wird es hart und bitter, mit kürzeren, dafür aber steileren Anstiegen. Die Tour de France geht über den Col de la Biche, gefolgt von dem Col de la Grand Colombier und kurz darauf dem letzten Berg, der die Fahrer an ihre Grenzen treiben wird: Mont du Chat. Wer heute seine Kletterform und Bergbeine nicht dabei hatte, wird der 9. Etappe mit einem mulmigen Gefühl entgegensehen.

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