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Rennberichte & Analysen

Giro d’Italia 2017 20. Etappe – Pinot gewinnt in Asiago

Auf der letzten Bergetappe bleibt Quintana in Führung, Dumoulin übt sich in Schadensbegrenzung.

Thibaut Pinot (FDJ) krönte einen fordernden Tag auf der 20. Etappe des Giro d’Italia. Der Franzose setzte sich in einem Schlusssprint gegen eine kleine Gruppe an Favoriten durch. Ilnur Zakarin (Katusha-Alpecin) überquerte als Zweiter die Ziellinie mit dem Titelverteidiger Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida) als Dritter im Bunde.

Nairo Quintana (Movistar), der am Vortag die Führung in der Gesamtwertung und somit das Maglia Rosa von Tom Dumoulin (Sunweb) übernahm, befand sich auch in der Gruppe von Nibali und behielt ohne Schwierigkeiten seine Top-Platzierung.

(Bild: Sirotti)

Dumoulin rutschte in der Gesamtwertung auf den vierten Platz herab, Nibali und Pinot besetzten am Ende der vorletzten Etappe jeweils den zweiten, beziehungsweise dritten Platz. Aber es liegen nur 53 Sekunden und ein Einzelzeitfahren zwischen ihm und dem Rosa Trikot. 

Wird Dumoulin das Maglia Rosa zurückerobern? (Bild: Sirotti)

Tom Dumoulin hat seine Kraft und sein Können in dieser Disziplin auf der Giro d’Italia schon zur Schau gestellt. Es war im ersten Einzelzeitfahren, das ihm einen massiven Zeitvorsprung und ihn in das Maglia Rosa katapultierte. Der Sieg, oder gar ein Podiumsplatz, des 100. Giro d’Italia ist keinem der ersten drei sicher.

Es dauerte nicht lange und eine ziemlich große Gruppe konnte sich vom Hauptfeld absetzen. Im Laufe des Tages veränderte ich die Größe und Zusammensetzung der Gruppe immer wieder. Dimension Data war das Team, dass eine Spaltung im Peloton verursachte, als das Team den Ausreißern nachjagte. Aber die Jagd auf die Ausreißer hielt nur bis zum ersten Anstieg des Tages, dem Mur di ca’dell Poggio und schon bald wuchs der Zeitabstand zwischen dem Peloton und den Ausreißern auf knapp vier Minuten an.

Am Fuße des ersten entscheidenden Berges des Tages bewegte sich Nibalis Team, Bahrain-Merida, in den vorderen Teil des Pelotons. Kurz darauf übernahm Katusha die Führung. Das Peloton wurde immer kleiner, als der Pass sich in die Länge zog und an Höhe gewann.

(Bild: Sirotti)

Es waren noch 84 Kilometer bis zum Ziel und die Spitze des Grappa Passe lag noch vor ihnen, als Movistar anfing, ernsthafte Probleme zu bekommen. Nachdem das Team in den letzten Wochen immer wieder das Tempo in den Bergen scharf bestimmt hat, machte sich die Erschöpfung bemerkbar.

Ein Fahrer nach dem anderen fiel zurück und Quintana im Maglia Rosa der Gesamtwertung hatte nur noch zwei Helfer an seiner Seite. Dumoulin, Pinto und Nibali waren ihm bedrohlich nahe gekommen. Katusha konnte das Tempo nicht mehr halten und fiel zurück. Auf halbem Wege des Anstiegs bestand die Gruppe um das Maglia Rosa nur noch aus dreißig Fahrern.

Kurz darauf kam es wieder zum Angriff von Katusha: Zakarin und Robert Kiserlovski erhöhten das Tempo und gewannen Abstand zum Feld, aber die Favoriten zogen alle mit. Durch das erhöhte Tempo und Druck schmolz die Gruppe auf 20 Fahrer  herab. Der Pass zog sich und mehr und mehr Fahrer fielen aus der Gruppe um das Maglia Rosa, die weiterhin ein unbarmherziges Tempo anschlug. Die Gruppe um Quintana schwoll auf den flachen Teilstücken zwischen dem vorletzten und letzten Anstieg an, als sich die Teams um die Favoriten auf ihre letzte Schlacht in den Bergen vorbereitete.

Nibali fuhr den ersten Angriff, der eher den Anschein machte, um zu sondieren, wer ihm folgen würde. Die meisten Favoriten folgten dem Italiener. Nur Dumoulin schien die Kraft zu verlassen. Der Sunweb Fahrer verlor den Anschluss. Aber wie schon auf den anderen Bergetappen liess sich der Zeitfahrspezialist nicht aus der Ruhe bringen sondern fuhr weiterhin seinen eigenen Rhythmus. Schon bald hatte er wieder aufgeschlossen.

Gesamtwertung und Punktewertung am Start. (Bild: Sirotti)

Während Zakarin zwei erfolglose Angriffe instigierte, kümmerten sich Nibali und Quintana nur um sich gegenseitg – keiner ließ den anderen aus den Augen. Sie beobachteten sich gegenseitig und warteten regelrecht darauf, dass der andere in den Angriff überging. Und dann ging Quintana zum Angriff über. Auf das Zeichen hatte Nibali nur gewartet und er zog mit dem Kolumbianer mit.

Quintana und Nibali fingen an, zusammen zu arbeiten, um sich von der Gruppe mit Pinot und Dumoulin abzusetzen. Mit nur noch 20 Kilometern zum Ziel holten Zakarin und Pozzovivo Teuns ein, der Abstand zu Quintana und Nibali wurde immer geringer. Noch ein Stück weiter hinten versuchte Dumoulin vergeblich die anderen Fahrer seiner Gruppe zur Zusammenarbeit zu bewegen, um wieder Anschluss zu finden.

Quintana und Nibali kamen in Sichtweite und Pinot schaffte es, aufzuholen. Dumoulin lag nur ein paar Sekunden hinter ihnen und führte die verbleibenden Fahrer in einer Jagd, die drei Favoriten wieder einzuholen. Und tatsächlich schafften sie es, wieder auf Quintanas Gruppe aufzuschließen. Es dauerte aber nicht lange und Nibali, Quintana und Pinot gingen wieder zum Angriff über

Wieder versuchte der Kolumbianer im Maglia Rosa,  seine Rivalen abzuschütteln, aber es war vergeblich: Er schaffte es nicht, einen nennenswerten Abstand zu ihnen zu gewinnen. Pinot zog das Tempo an. Nur zehn Sekunden hinter dem Maglia-Rosa-Gruppetto führte Dumoulin die Verfolgung, nur Bob Jungels kam ihm zur Hilfe und gemeinsam versuchten sie, wieder an Quintana heranzukommen. Aber der Abstand wuchs von acht auf 20 Sekunden an, als der Pass immer mehr an Höhe gewann.

Quintana hat das Maglia Rosa erfolgreich verteidigt – aber Dumoulin ist ihm bedrohlich nah. (Bild: Sirotti)

Vorne hagelte es ein Angriff nach dem anderen. Aber die Gruppe brach nicht in seine Einzelfahrer, stattdessen hielt sie zusammen. Auf dem letzten Kilometer führte Quintana die Gruppe Richtung Ziel. Zusammen mit Pinot schaffte er es, sich von den anderen abzusetzen, aber schon bald wurde auch die Lücke wieder geschlossen. Und dann ging Pozzovivo zum Angriff über und übernahm die Führung.

Pinot und Zakarin reagierten blitzschnell und nahmen die Verfolgung auf. Auf den letzten 150 Metern zog Pinot nach vorne und schaffte es, sich seine Verfolger vom Leib zu halten. Zakarin kam als zweiter, Titelverteidiger Nibali als dritter ins Ziel. Schließlich schaffte es auch Quintana als fünfter über die Ziellinie.

 

(Bild: Sirotti)

Dumoulin und seine Gruppe hatten fantastische Schadensbegrenzung betrieben und die harte, entschlossene Arbeit auf den letzten Kilometern begrenzte den Zeitverlust auf nur knapp 14 Sekunden. Dieses Ergebnis kann dem Holländer uns Zeitfahrspezialisten beim Zeitfahren auf der letzten Etappe von großem Vorteil werden. Wir sind gespannt.

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