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Profi-Radsport

Jonas Deichmanns Panamericana-Tagebuch 13: Auf der Suche nach der passenden Kurbel

Jonas Deichmann berichtet bei RCDE regelmäßig von seinen Abenteuern während seines Solo-Weltrekordversuchs über die Panamericana.

Aus Jonas Deichmanns Panamericana-Tagebuch:

Tag 61

Direkt vom Start weg steigt die Strecke auf 2.800 Meter an. Auf dem Gipfel befinden sich die Grenze zu Ecuador und eine große Menschenmenge. Viele Flüchtlinge aus Venezuela versuchen, Peru zu erreichen, was zu Verzögerungen führt. Nach 20 Minuten in der Schlange öffnen sie einen separaten Schalter für die Gringos und ich bin in 5 Minuten fertig. Was folgt, ist eine der besten Abfahrten aller Zeiten. Perfekte Straße, Serpentinen und ein herrlicher Blick über 5.000 Meter hohe Berge. Im Tal ist es heiß und trocken. Scheint so, als würde ich in eine andere Klimazone fahren.

Tag 62

Hartes Klettern am Morgen mit einem langen und steilen Aufstieg. Meine Kurbel beginnt sich wieder zu lösen und ich hoffe, sie in Quito reparieren zu können. Gegen Mittag überquere ich den Äquator. Ein schönes Gefühl, aber vor allem ein wichtiger Meilenstein. Von nun an werden die Tage länger und auch meine tägliche Fahrzeit. In Quito gehe ich zu einem Fahrradgeschäft, das mir empfohlen wurde. Die netten Jungs dort finden schnell heraus, dass sowohl das Tretlager als auch die Kurbel beschädigt sind. Die starken Regenfälle und Straßenüberschwemmungen hatten sie verschlissen. Es wäre möglich, noch ein paar hundert Kilometer weiterzufahren, aber dann gibt es keine Fahrradinfrastruktur. Leider verwende ich eine Kompaktkurbel, die hier sehr ungewöhnlich ist. Die Mitarbeiter des Fahrradladens und sogar ein paar Kunden rufen gefühlt jeden Fahrradladen in Ecuador an und zwei Stunden später haben wir die einzige passende Kurbel im ganzen Land ausfindig gemacht. Ich fahre anschließend noch weitere 60 km, bis es dunkel ist. Der gesamte Zeitverlust beträgt einen halben Tag, aber er hätte viel schlimmer kommen können. Vielen Dank an Dos Ruedas in Quito!

Tag 63

Einer meiner Lieblingstage auf dem Fahrrad. Zwei Radfahrer aus Quito begleiteten mich am Morgen ein Stück und es war schön, meine gewohnte Routine zu unterbrechen. Dann stieg ich bis auf 3.600 Meter an und radelte vorbei an spektakulären Vulkanen und durch alte Dörfer. Trotz des Aufstiegs bin ich 250 km gefahren und werde morgen die Anden verlassen.

Tag 64

Letzter Tag in den Anden. Um 5:30 Uhr mache ich mich auf den Weg, um einen steilen Pass zu erklimmen. Auf halbem Weg geht die Sonne über den Bergen auf und bietet eine unglaubliche Aussicht. Ich folge nun einer kleinen Bergstraße, die in Schotter übergeht und ich kämpfe mich die Rampen hinauf. Zum Glück ist die 2.500 Meter lange Abfahrt asphaltiert. Von nun an ist es hügelig, bis ich Chile erreiche und die Anden wieder überquere. 250 km habe ich heute geschafft und damit mehr als zwei Drittel der Gesamtdistanz.

Tag 65

Ein regnerischer und flacher Start durch endlose Bananenplantagen. Nach zwei Stunden biege ich landeinwärts in die Berge ab, um den starken Gegenwind an der Küste zu vermeiden. Die Landschaft verändert sich zu einer Halbwüste und es wird trocken. Ein zunehmend starker Gegenwind zehrt an den Kräften, und ich quäle mich Richtung Grenze. Ich komme gerade zum Sonnenuntergang an und die Grenzbeamten sagen mir, ich solle auf der ecuadorianischen Seite schlafen, da es dort sicherer ist. Ich lege meinen Schlafsack hinter das Zollhaus und versuche etwas Schlaf zu finden. Leider bellen mich die streunenden Hunde die ganze Nacht an und ich kann kaum schlafen.

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