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Hobby-Radsport

Alpenüberquerung mit Gravel-E-Bike: Neue Wege vs. alte Vorurteile

Gravel-Bikes und E-Motoren etablieren sich immer stärker auf dem Fahrradmarkt, schließlich werden durch sie neue Wege und Distanzen ermöglicht. Doch wie viel Radsport bleibt da noch übrig? Um das herauszufinden machte sich unser Autor auf eine Alpenüberquerung der besonderen Art.

Fotos: Chris Gollhofer

Es gibt gleich mehrere Gründe, warum der Grat des Splügenpasses ein besonderer Ort ist. Auf 2114 Metern hat man nicht nur einen atemberaubenden Blick über den vielleicht schönsten Teil der Alpen, sondern man sieht auch eine in die Jahre gekommene, aber dafür umso charmantere Grenze zwischen der Schweiz und Italien. Der höchste Punkt des Passes ist außerdem meine Startlinie für den spaßigen Teil der Reise: Schließlich geht es fortan nur noch bergab.

Zwischen Auto und Straße passt kaum eine flache Hand – da hilft auch das Aufheulen der PS-starken Motoren nicht.

Meine gute Laune steigert sich noch weiter, als eine Armada tiefgelegter Sportwagen, die selbst Tim Wiese als viel zu prollig betiteln würde, verzweifelt vor mir anhält, da ein kleiner Teil des Asphalts von Baggern abgetragen wurde. Über die buckelige Baustelle zu fahren, ist für die Lambos beinahe unmöglich – zwischen Auto und Straße passt kaum eine flache Hand –, da hilft auch das Aufheulen der PS-starken Motoren nicht. Wäre ich mit meinem Rennrad unterwegs würde ich wahrscheinlich ähnlich laut jammern, da ich aber zum ersten Mal auf einem Gravel-Bike sitze, macht mir die kurze Buckelpiste überhaupt nichts aus. Doch ist das nicht die einzige Situation auf meiner Reise, in der mir das vielseitige Bike wahre Freude bereitet.

Seit Beginn der Corona-Pandemie wird Hobby-Radsport immer präsenter. Besonders das Graveln nimmt zu. Die Instagram-Accounts sind voll mit Postings von abenteuerlustigen Radsportlern, die auf zwei Rädern die Welt erkunden. Zwar wurde mit dem Graveln das Rad jetzt auch nicht neu erfunden – die Möglichkeit, mit Fahrrädern sowohl auf Asphalt als auch auf Schotterwegen lange Distanzen zurückzulegen, gibt es nicht erst seit gestern. Dennoch wurde mit der Geburtsstunde der Gravel-Bikes ein neuer Hype entfacht und dementsprechend salonfähig gemacht.

Doch es gibt noch eine Sparte, die immer weiter an Bedeutung gewinnt: E-Bikes. Anfangs hauptsächlich von älteren Herrschaften genutzt, die ohne die Motor-Unterstützung das Fahrradfahren wohl einstellen müssten, sind E-Bikes längst auch im ambitionierten Radsport angekommen. Das elektrische Radeln ist sicher ein Thema, das den Fahrradmarkt revolutioniert hat, aber auch von vielen Radsportfans zumindest mit einem kritischen Auge gesehen wird. Dennoch bleibt festzuhalten: Die Stimmen von einstigen Kritikern, die den E-Bikes inzwischen ihre Daseinsberechtigung anerkennen, häufen sich.

Auch ich kann eine anziehende Wirkung nicht ganz leugnen. Schließlich geben mir beide Trends das Versprechen, dass ich meine Grenzen mit ihnen neu ausloten kann. Um herauszufinden, wie viel Radsport noch in einem Gravel-E-Bike steckt und ob es mir wirklich Routen ermöglicht, die ich sonst nur mit viel Kraftaufwand und Tunnelblick bewältigen könnte, leihe ich mir von Simplon das Gravel-E-Bike Inissio Pmax und starte eine sportliche Route von Bregenz am Bodensee bis nach Como am Comer See.


Das sagt der Simplon-Chef über Graveln, E-Bikes und das Inissio Pmax

Tag 1, Bregenz am Bodensee

Vor mir liegen lediglich 262 Kilometer, die mich durch Österreich, die Schweiz und Italien bringen. Ein Klacks – wären da nicht die 3200 Höhenmeter Anstieg. Zuerst geht es jedoch auf perfekt ausgebauten und asphaltierten Radwegen den Rhein entlang bis weit in die Schweiz hinein. Da die Unterstützung des E-Motors ohnehin bei 25 km/h automatisch abschaltet und ich selbst sowieso auch mehr zu denjenigen gehöre, die sich eher ungern vom Motor unterstützen lassen, bleibt dieser erstmal aus.

Da sich der Motor bei Nichtbenutzung vom Antriebsstrang trennt, hat sein Vorhandensein keine wirklichen Nachteile für mich und selbst das etwas höhere Gewicht des Bikes macht sich kaum bemerkbar. Auch der perfekt geteerte Untergrund hat vorerst nicht viel mit Graveln zu tun. Ehrlich gesagt wäre ich auf den ersten Kilometern mit einem klassischen Rennrad wohl besser ausgestattet gewesen. Dennoch ist es erstaunlich, wie leichtgängig ich trotzdem voran komme.

Ab Chur zweigt meine Route vom Rhein ab, und zügig lässt die Landschaft erahnen, was nun auf mich zukommt. Direkt wartet ein steiler Anstieg auf mich und auf unzähligen bergauf-bergab-Passagen kann nicht nur mein Gravel-Bike zeigen, wie es sich neben den stark befahrenen Autostraßen schlägt. Auch der Motor kommt zu seinem ersten Einsatz. Körperlich ist die Unterstützung zwar noch nicht notwendig, doch staune ich dennoch nicht schlecht, wie harmonisch sich dieser in die Fahrt einklinkt und mir die Anstrengung nicht komplett abnimmt, sondern lediglich meine Kräfte je nach Stufe mehr oder weniger dezent unterstützt. Entgegenkommenden Radfahrern ist die Verwunderung förmlich ins Gesicht geschrieben, als sie mein Rad sehen, da es äußerlich mehr an ein Rennrad erinnert und die aktuelle Passage meiner Strecke eigentlich nur von Mountainbikes befahren wird.


Fahre mit der Maus über das Gravel-E-Bike, um mehr zu erfahren


Unseren Testbericht übers Inissio Pmax lest ihr hier

Die eine oder andere Bemerkung, ob ich mich denn mit meinem Rennrad verirrt hätte, muss ich über mich ergehen lassen. Doch ist der Untergrund endlich wie gemacht für das Gravel-Bike. Zwar kann es natürlich kein Mountainbike ersetzen und einen Singletrail mit ihm zu fahren, wäre sicherlich auch keine allzu gute Idee. Die meisten gut ausgeschilderten Radwege aber befinden sich auf gemischtem Terrain und können schlagartig von perfektem Asphalt auf groben Schotter wechseln. Wo das Rennrad dann an seine Grenzen kommt, holt das Gravel sein Ass aus dem Ärmel. Und in puncto Geschwindigkeit kann ich vor den MTB-Kollegen auch noch mal mächtig auftrumpfen.

Konstant bergauf geht es durch die Via-Mala-Schlucht, einem landschaftlichem Juwel inmitten der Schweizer Alpen. Erstaunlich verkehrsarm schlängelt sich die Straße Kehre für Kehre hinauf in Richtung Splügen, meinem heutigem Ziel für die Nacht und Ausgangspunkt für die morgige Passüberquerung.

Tag 2, Splügenpass in der Schweiz

Vom Start meiner zweiten Etappe sind es nur knapp neun Kilometer mit 650 Höhenmetern zur Spitze des Passes und dem damit höchstem Punkt unserer Tour. Dennoch könnten bei einem Anstieg wie diesem mit den vielen steilen Serpentinen die Verhältnisse nicht besser sein, um sich durch die Unterstützungsstufen des Motors zu testen. Ob man viel, mittelmäßige oder kaum vorhandene Unterstützung beim Treten bekommen möchte, kann man mit einem zentral positionierten Knopf regeln. Während die beiden höchsten Stufen mir mit meinen noch frischen Kräften etwas zu stark in meine körperliche Belastung eingreifen und nebenbei auch die Akkulaufzeit entsprechend schnell reduzieren, entscheide ich mich für die leichteste Unterstützungsstufe. Der Motor liefert dezent Energie, dennoch spürbar, und bringt mich mit einer stolzen Pace über den Berg, gönnt mir aber trotzdem das Gefühl, etwas zu tun.

Dabei ist das Motorengeräusch kaum zu hören und dem Rad sieht man den Antrieb ohnehin nicht an, was zu keinerlei Kommentaren überholter Radfahrer führt, die man eigentlich als E-Biker erwarten würde.

Keiner hat Verdacht geschöpft, dass ich mich bergauf unterstützen ließ.

Trotz meines etwas weniger aerodynamischen Rads bin ich mit Rennradfahrern stets auf einer Wellenlänge. Auch bei Gesprächen mit anderen Radverrückten schöpft keiner Verdacht, dass ich mich bergauf dezent unterstützen lasse. Erst als ich den Vorhang fallen lasse und offenbare, was mein Rad so unter der Haube hat, ist das Staunen anderer Personen riesig.

Die Abfahrt von der Spitze des Splügenpasses bis nach Chiavenna ist mit über 30 Kilometern Länge und 1.842 Höhenmetern nicht nur ein wahnsinnig langer Spaß, sondern auch eine der vielseitigsten und schönsten Routen, die ich je befahren habe. Ein Wow-Moment jagt den nächsten, und wenn man denkt, was da noch kommen soll, haut einen der Ausblick zwei Kehren später erneut vom Hocker. Dabei ist der Lago di Montespluga, ein Stausee auf 1.908 Metern Höhe, tatsächlich nur eines der nennenswerten Highlights.

Kaum spürbar sind die Extra-Kilos vom Rad, wenn es steil bergab geht. Und auch die speziell für Gravel-Bikes entwickelten Bremsen leisten stets einen guten Job mit ausgezeichneter Wirkung. Die engen Kehren, die den Splügenpass hier nach unten malen, sind für Autofahrer kein leichtes Spiel. Da hab ich mit dem Rad eindeutig die besseren Karten und komme deutlich zügiger voran als manch ein Autofahrer.

Hochsommerliche Temperaturen gepaart mit italienischem Flair erwecken Urlaubsgefühle, als ich Chiavenna erreiche. In Richtung Comer See geht es leicht bergab und auf perfektem, hart komprimierten Schotter mit Rückenwind gen Süden. Den Motor brauche ich nun nicht mehr – schnell vergesse ich, dass dieser überhaupt existiert.

Tag 3, Varenna am Comer See

Ein wahres Radfahrer-Eldorado ist der Comer See allemal. Das muss ich direkt feststellen, als ich in den dritten und letzten Tag starte. Die Straßen sind dominiert von Radlern – und das, obwohl die Bodenbeschaffenheit auf asphaltierten Straßen sehr zu wünschen übrig lässt. Schlaglöcher so weit das Auge reicht, bergen für die Zweiräder einige Gefahren. Abermals bin ich dankbar für das komfortable Fahrgefühl des Gravel-Bikes, welches mich über die meisten Unebenheiten einfach hinüberrollen lässt.

Nach wenigen Kilometern setze ich mit der Fähre von Varenna nach Bellagio über. Von hier ist es bei passenden Verhältnissen nur noch etwas mehr als eine Stunde zum finalen Ziel in Como. Da kann man sich dann schon mal die Zeit nehmen und den grandiosen Ausblick über den See genießen, den mir die Straße nahezu ununterbrochen ermöglicht.

Das Ziel in Como erreiche ich bereits am frühen Mittag. Stolz ist man nach einer mehrtätigen Radtour immer, wenn man am Ziel ankommt. Die Kräfte in diesem Fall wurden aber doch gut geschont und dementsprechend viel Energie bleibt für die anstehende Heimfahrt.

Der Hype ums Graveln ist definitiv berechtigt.

Rückblickend auf den Trip ist der Hype ums Graveln definitiv berechtigt. Durch die komfortable Ergonomie steht langen Tagen im Sattel nichts im Wege. Auch wenn ein Großteil meiner Zeit auf asphaltierten Wegen stattfand, war ein Ausflug ins Gelände immer eine willkommene Abwechslung und auch für den Kopf eine Erholungsphase, wenn man sich nicht mit Autos und Motorrädern die Straßen teilen muss.


Klicke hier, um meine mit komoot geplante Route zu sehen


Zwar büßt man bei der Pace etwas ein, aber alles zugunsten der Landschaft. Der optionale Motor bietet hierbei vielerlei Einsatzzwecke. Dieser kann Unterschiede im Leistungslevel ausgleichen, wenn man mit stärkeren Fahrern unterwegs ist, weniger belastbaren Personen ein größeres Raderlebnis bescheren oder bei Langstreckenausfahrten gerne auch mal die Distanz verlängern. Ob man sich diesen zuschaltbaren Rückenwind gönnen möchte, muss jeder selbst für sich entscheiden. Beim Praxistest habe ich auf jeden Fall gemerkt, dass dieser in manchen Situationen einen echten Mehrwert darstellen kann.

Routenplanung
Gute Vorbereitung bei der Routenplanung ist entscheidend. Ich habe komoot als Tool für die Planung der Tour genutzt. Das hat viele Gründe: Übersichtliche Karten, Insider-Infos über Geländebeschaffenheit und Untergrund, kombiniert mit den Empfehlungen aus der komoot-Community, machen aus jedem Trip ein Ereignis, das man so schnell nicht mehr vergessen wird. Mit komoot Premium muss man sogar nicht extra alle Etappen einzeln planen, sondern kann mehrtätige Touren und die einzelnen Routen entspannt im Voraus anlegen. Ein weiterer Vorteil ist die dynamische und minutengenaue Wettervorhersage, die man im Premium-Paket angezeigt bekommt und mit der man nervigem Gegenwind unter Umständen ausweichen kann. Meine Route könnt ihr hier im Detail anschauen.


Mensch vs. Maschine – die Challenge

Hätten Auto- und Radfahrer einen Beziehungsstatus, würde dieser lauten: Es ist kompliziert. Um das angespannte Verhältnis ein wenig aufzulockern, haben wir zur Challenge der besonderen Art aufgerufen. Spoiler: So unterschiedlich, wie man denken mag, sind beide gar nicht.


Begleitfahrzeug
Bei einem Fahrradtrip, der weit weg von der eigenen Haustür endet, kommt ein passendes Begleitfahrzeug ins Spiel. Der Kia Sportage ist für eine solche Alpenüberquerung der ideale Begleiter. Dank des ausgeklügelten Allradantriebs kommt der SUV auch in schwierigem Gelände sehr gut zurecht. Ein weiterer Vorteil: Auf der Rückreise kann das Rennrad im Ganzen, ohne dabei das Vorderrad zu demontieren, transportiert werden. Auch bei steileren Passagen bietet die Bergan- und Bergabfahrhilfe die passende Unterstützung. Mehr Infos zu meinem Begleitfahrzeug gibt es hier.

Simplon Inissio Pmax
Optisch sieht das Fahrrad beinahe exakt so aus wie der kleiner Bruder, der rein mit Muskelkraft betrieben wird. Mit E-Motor und bequemer Sitzposition ausgestattet, ist das Simplon Inissio Pmax wie gemacht für lange Strecken, ganz egal, auf welchem Untergrund man unterwegs ist: Die Ergonomie des Bikes wurde in Perfektion an sein Einsatzgebiet angepasst. Mit den 40 Millimeter breiten Gravel-Reifen steht einem Ausflug querfeldein nichts im Wege. Mehr Infos über das Bike gibt es hier.


Mit Unterstützung von Simplon, Kia und komoot

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