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Tour de France 2018

Tour de France 2018: Nairo Quintana gewinnt die 17. Etappe auf dem Col du Portet

Peter Sagan stürzt, Chris Froome (Team Sky) verliert den Anschluss und Zeit an das gelbe Trikot.

Nairo Quintana (Movistar) gewann die kurze, intensive und schmerzhafte 17. Etappe der 105. Tour de France. Der Kolumbianer ging auf dem letzten Anstieg zum Angriff über und kletterte zu seinem ersten Etappensieg bei der Tour de France seit fünf Jahren.

„Es war ein sehr harter Tag, aber wir hatten uns gut darauf vorbereitet“, sagte Quintana im Ziel. „Es lief genau nach Plan. Wir hatten Valverde und Soler vorne und sie halfen, das Peloton aufzuwühlen. Wir wussten, heute war eine Etappe für die echten Kletterer und wir haben unsere Stärke bewiesen.“

Nairo Quintana (Movistar) stellt seine Stärke in den Bergen unter Beweis mit einem Sieg auf der 17. Etappe der 105. Tour de France. Der Kolumbianer powerte souverän im Alleingang ins Ziel, seine Mitstreiter hinter sich lassend. (Foto: Sirotti)

„Zu Beginn dieser Tour de France hatte ich einige Schwierigkeiten“, fügte er hinzu. „Ich habe Zeit verloren, aber ich fühle mich immer noch stark und hatte die Kraft, diese Etappe stark zu Ende zu bringen. Ich werde normalerweise in der dritten Woche besser und das ist jetzt auch wieder so.“

Tour de France trifft Formel 1: Zum Start der kürzesten Etappe in der Geschichte der Tour de France gab es mal eine ganz andere Startaufstellung. (Foto: ©ASO / Alex Broadway)

Quintana ging zusammen mit Dan Martin (UAE Team Emirates) am letzten Anstieg zum Angriff über, nachdem Marc Soler anfing, das Tempo im Peloton zu bestimmen. Es dauerte nicht lange und die kolumbianische Bergziege hatte Martin abgehängt. Rafal Majka (Bora-hansgrohe) konnte mit Quintana mithalten und zusammen überholten sie Tanel Kangert (Astana). Aber mit noch sechs Kilometern zum Ziel musste Majka Quintana ziehen lassen.

Seit der Bekanntgabe der 17. Etappe, die mit 65 Kilometern die kürzeste Etappe in der Geschichte der Tour de France ist, versprach der Charakter und das Profil der Strecke eine unvergessliche und explosive Etappe. Es war nicht zu viel versprochen: Sobald die Fahne gesenkt worden war, explodierte das Rennen. Die Fahrer gingen wie bei der Formel 1 in einer Startaufstellung an den Start und fanden sich sofort mit dem ersten Pass konfrontiert: Dem Col de Peyresourde/Montée de Peyragudes. Nach den ersten 15 Kilometern der Etappe hatten die Fahrer die Passhöhe erreicht.

Schon auf dem ersten Anstieg hagelte es an Angriffen. 22 Fahrer schafften es, sich vom Peloton abzusetzen, das, wie erwartet, von Team Sky angeführt wurde. Unter den Ausreißern befanden sich unter anderem Alejandro Valverde und Marc Soler, Adam Yates und Mikel Nive (Mitchelton-Scott) und der Führer der Bergwertung Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors). Tanel Kangert (Astana) und Nicolas Edet (Cofidis) versuchten sich, von der Fluchtgruppe abzusetzen. Alaphilippe, zusammen mit Kristijan Durasek (UAE Team Emirates) und Jesus Herrada (Cofidis), stellte den zwei Fahrern nach. Das Trio erreichte Edet als erstes, der sich gezwungen sah, Kangert alleine ziehen zu lassen und machten sich auf die Verfolgungsjagd auf den einsamen Fahrer Kangert.

Rafal Majka (Bora-hansgrohe) kämpfte bis zuletzt. Letztendlich konnte er mit der Stärke und dem Tempo des Kolumbianers nicht mithalten. Quintana fuhr im Alleingang zum Ziel. (Foto: Sirotti)

Im Peloton schlug Soler ein scharfes Tempo an, das schon bald die Verfolgergruppe auseinanderriss und auf nur mehr zehn Fahrer reduziert wurde, unter anderem Soler, Valverde, Yates, Herrada, Gregor Mühlberger (Bora-hansgrohe), Majka, Omar Fraile (Astana), Daniel Navarro (Cofidis), Dani Martinez (EF Education First-Drapac) und Franco Pellizotti (Bahrain-Merida). Kangert erreichte als erster die Passhöhe mit einem Vorsprung von 20 Sekunden vor Alaphilippe, Herrada und Durasek. Die zweite Verfolgergruppe lag 1:13 hinter Kangert, das Peloton 3:18. Auf der Abfahrt hängte Alaphilippe Herrada ab und holte, zusammen mit Durasek, Tangert ein.

Nach der schnellen Abfahrt kam schon kurz darauf der nächste Anstieg, der Col de Val Louron-Azet.  Die drei Fahrer errichten mit gut einer Minute Vorsprung den Fuß des zweiten Passes. Im Peloton war Team Sky damit beschäftigt, mehrere Angriffe im Keim zu ersticken. In der Verfolgergruppe setzte Martinez ein dermaßen scharfes Tempo, dass die Gruppe bald auseinanderfiel und nur noch Valverde, Majka, Pellizotti und Fraile übrig waren und sich auf die Verfolgungsjagd machten.

Majka bekam Hilfe von Teamkollege Mühlberger, der sich zu den Verfolgern vorgearbeitet hatte. Mit seinem Einsatz schaffte er es, den Abstand zu dem Trio vorne im Rennen auf nur 43 Sekunden zu verringern. Ein Einsatz, der sich kurz vor der Passhöhe rächte: Mühlberger musste die Verfolger ziehen lassen, als er vor Erschöpfung fast zum Stillstand kam. Majka überquerte den Col de Val Louron-Azet zusammen mit Valverde, Martinez, Pellizotti und Fraile. Weiter vorne hängte Alaphilippe dank seiner Fahrkünste Durasek ab und machte sich auf die Jagd um Kangert, der kein Risiko ausliess, sich den Franzosen auf der Abfahrt vom Leib zu halten. Das Peloton, geführt von Soler, kam 2:10 nach den Verfolgern oben am Pass an.

Es kam wieder zu einer schnellen Abfahrt. Den Fahrern blieb nicht viel Zeit sich zu erholen, schon kam der letzte und brutalste Anstieg der 17. Etappe. Mit 2.215 HM war der Col du Portet (ein Pass der Hors Catégorie) der höchste Pass der 105. Tour de France. Alaphilippe und Kangert erreichten die letzte Herausforderung der 17. Etappe 1:10 vor ihren Verfolgern und 2:35 vor dem Peloton.

Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors) konnte sich mit seinen Abfahrtskünsten gegenüber seine Rivalen behaupten. Er fuhr ein starkes Rennen, aber am Fuß des letzten Passes brach der Franzose ein und musste den Kampf um den Etappensieg anderen überlassen. (Foto: © ASO / Alex Broadway)

Aber schon am Fuß des Berges angekommen, brach der Franzose im gepunkteten Trikot zusammen und musste Kangert ziehen lassen. Etwas weiter hinten griff Valverde die restlichen Verfolger an und ließ Pellizotti hinter sich. Ein weiterer Angriff folgte und Valverde befand sich nur noch in der Begleitung von Martinez und Majka.

Im Peloton machte Soler weiter Tempo. Martin und Quintana griffen an, aber Team Sky ließ sich dadurch nicht beeindrucken und fuhr weiterhin ein gleichmäßiges Tempo. Quintana hängte den Iren ab, fuhr im Alleingang weiter und holte nach und nach die Überreste der Verfolger auf: Yates, Navarro, Durasek und Alaphilippe wurden vom Kolumbianer ein- und überholt bevor er der Gruppe mit Valverde hinterherjagte.

13, 5 Kilometer vor dem Ziel ging Roglic zum Angriff über, wurde aber schnell von Chris Froome (Team Sky) markiert. Der Slovene fing an, das Tempo zu bestimmen, Froome lag in seinem Windschatten und Tom Dumoulin (Team Sunweb) setzte sich an die Spitze des Pelotons, um die Verfolgung aufzunehmen. Das Tempo, das der Holländer anschlug, verringerte die Gruppe um Dumoulin auf Geraint Thomas (Team Sky), Romain Bardet (AG2R La Mondiale), Steven Kruijswijk (LottoNL-Jumbo), Mikel Landa (Movistar) und Bernal. Es dauerte nicht lange und die Gruppe hatte Froome und Roglic wieder unter Kontrolle.

Quintana schloss auf seinen Teamkollegen auf und gemeinsam hängten sie die restlichen Verfolger ab, abgesehen von Majka, der mit den zwei Movistar-Fahrern mithalten konnte. 11 Kilometer vor dem Ziel und der Abstand zu Kangert hatte sich auf eine Minute verringert. Der Abstand zu Kangert schwand zusehends. Valverde musste seinen Teamkollegen und Majka ziehen lassen und wurde von Dan Martin überholt, der Quintana und Majka in Sichtweite hatte.

Eine kurze, harte und anstrengende Etappe für alle Beteiligten: Geraint Thomas (Team Sky) konnte seine Führung verteidigen und um ein paar Sekunden ausbauen. Tom Dumoulin (Team Sunweb) rutschte auf den zweiten Platz vor, Titelverteidiger Chris Froome (Team Sky) fiel auf den dritten Platz. (Foto: SIrotti)

Es waren noch 8,5 Kilometer zum Ziel, als Majka und Quintana zu Kangert aufschlossen und ihn überholten. Die zwei bildeten eine neue Führungsgruppe, Dan Martin lag 15 Sekunden hinter ihnen, die Gruppe mit dem gelben Trikot noch 1:02 im Rückstand. Quintana bestimmte das Tempo und Majka folgte ihm, aber 6,4 Kilometer vor dem Ziel war es um den Bora-hansgrohe-Fahrer geschehen. Quintana fuhr im Alleingang weiter.

In der Zwischenzeit ging es in der Gruppe um Geraint Thomas im gelben Trikot hoch her. Kruijswijk griff 5 Kilometer vor dem Ziel an, die Beschleunigung zwang Valverde und Poels, die Gruppe ziehen zu lassen. Bernal nahm die Jagd auf, gefolgt von Thomas, Froome, Dumoulin, Roglic und Landa. Es dauerte nicht lange, und Bernal hatte Kruijswijk wieder eingeholt. Noch drei Kilometer zum Ziel und die Gruppe mit dem Führer des Gesamtklassement hatte Majka eingenommen. Jetzt befanden sich nur noch Quintana und Martin vorne.

Roglic ging wieder zum Angriff über, aber Bernal ließ ihn nicht weit kommen, wobei aber Froome und Landa beide den Anschluss verloren. Bernal ließ sich zurückfallen, um dem Titelverteidiger zu Hilfe zu kommen. Dumoulin spürte seine Chance und ging als nächster in die Offensive. Der Holländer zog Thomas, Roglic und Kruijswijk mit, Bernal wartete auf Froome. Roglic beschleunigte wieder, Thomas konnte sie überbrücken, aber Dumoulin war sichtlich am Kämpfen, Kruijswijk fiel weiter zurück.

Als Quintana den roten Wimpel der 1-Kilometer-Marke passierte, war das Rennen schon entschieden: Quintana erreichte das Ziel 35 Sekunden vor Dan Martin und 53 Sekunden vor der Gruppe mit Geraint Thomas, Roglic und Dumoulin. Quintana gewann seine erste Etappe bei der Tour de France in fünf Jahren in seinem gewohnten starken Kletterstil und Geraint Thomas verteidigte seine Führung, während Teamkollege und viermaliger Sieger Chris Froome scheinbar Schwäche zeigte.

Der Kolumbianer widmete seinen Sieg seinen Fans in der Heimat. „All die Unterstützung, die ich sowohl von allen erfahren habe als auch von meiner Familie und Freunden, hat mir heute wirklich geholfen. Wir waren in den letzten Tagen etwas enttäuscht und brauchten den Sieg. Heute ist ein toller Tag.“

Auf der Abfahrt vom zweiten Pass der kurzen und brutalen Etappe stürzt Peter Sagan (Bora-hansgrohe), als er eine Kurve unterschätzt. Der Weltmeister und Träger des grünen Trikots erlitt Prellungen und Schnittwunden, bestätigte aber, dass er weiterfahren wird. (Foto: Sirotti)

Thomas liegt in der Gesamtführung 1:59 vor Dumoulin, Froome rutschte auf den dritten Rang und liegt 2:31 hinter seinem Teamkollegen. Roglic ist 2:47 Vierter in der Gesamtwertung und Quintana liegt mit 3:30 auf Platz fünf.

Peter Sagan erleidet einen schweren Sturz

Für Peter Sagan (Bora-Hansgrohe) verlief die 17. Etappe nicht wie geplant: Der Weltmeister und Führer in der Punktwertung unterschätzte auf der Abfahrt vom zweiten Anstieg der Etappe, dem Col de Val Louron-Azet, eine Kurve und kam von der Straße ab. Wie Philip Gilbert (Quick-Step Floors) auf der 16. Etappe landete Sagan hart im Wald. Er konnte weiterfahren und kam 26 Minuten nach dem Etappensieger Qunitana ins Ziel.

Anfängliche Besorgnis, dass dem Weltmeister das gleiche Schicksal wie Gilbert wiederfahren würde, der sich nach seinem schweren Sturz zur Aufgabe gezwungen sah, wurde später beseitigt. Röntgenaufnahmen bestätigten, dass sich Sagan keine Brüche zugezogen hatte.

„Natürlich fahre ich weiter“, sagte Sagan auf die Frage, ob er weiterfahren würde. „Es wäre ein leichtes, jetzt nach Hause zu fahren, aber zwei, drei Tage vor Paris? Nein. Es hätte schlimmer kommen können. Ich habe ein paar Kratzer und bin auf meinen Hintern gefallen. Ich hoffe, dass es in ein oder zwei Tagen besser wird.“

Das Team bestätigte, dass eine weitere Entscheidung noch vor der 18. Etappe getroffen wird, ob Peter Sagan sein rekordverdächtigen Titel des Siegers in der Punktewertung zum sechsten Mal in Paris verwirklichen kann.

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