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Der steile Anstieg zum Ziel kam dem Klassikerfahrer Tim Wellens (Lotto Fix All) sehr gelegen, der seine Kraft und Können, sonst den Ardennen vorbehalten, zu vollem Einsatz brachte, als er sich mit einem Sprint den Sieg der 4. Etappe in Caltagirone sicherte.

Wellens passte den richtigen Sprintzeitpunkt perfekt ab, visierte das Ziel an und schaffte es mit seinem Antritt Michael Woods (EF Education First-Drapac) auf den zweiten und Enrico Battaglin (LottoNL-Jumbo) auf den dritten Platz zu verdrängen. Hinter dem Tagessieger bemühte sich der Rest des Feldes, seine Position zu verteidigen und das Auseinanderbrechen der Gruppe zu vermeiden. Rohan Dennis (BMC) schaffte es, zusammen mit Tom Dumoulin (Team Sunweb) in der Gruppe hinter Wellens ins Ziel zu gelangen, vier Sekunden hinter dem Tagessieger und liegt weiterhin in der Gesamtführung.

Tim Wellens (Lotto Fix All) ist der Tagessieger der vierten Etappe des 101. Giro d’Italia in Caltagirone (Foto: Sirotti)

Nach drei Tagen Rennen in Israel markierte die 4. Etappe des 101. Giro d’Italia den Start der Italienrundfahrt auf heimischen Boden. Man hatte den Eindruck, dass mit der heutigen Etappe das Renngeschehen mit drei anspruchsvollen Tagen in Sizilien richtig loslegen würde. Man konnte nur vermuten, welchen Einfluss die 202 Kilometer der heutigen Etappe auf die Renntaktiken und das Peloton haben würden: Würde BCM das Maglia Rosa verteidigen? Würden die Favoriten anfangen, sich gegenseitig etwas auf die Probe zu stellen? Letztendlich waren es Tim Wellens und sein Team Lotto Fix All, die sich auf dem 13-%-Anstieg zum Ziel behaupten konnten.

Für den jungen Belgier ist der Sieg der zweite Etappensieg beim Giro d’Italia in seiner Karriere. Auf dem Steilstück zum Ziel powerte der Klassikerfahrer an seinen Mitstreitern vorbei. (Foto: Sirotti)

„Dieser Sieg ist etwas besonderes, denn ich war mir bis zum Schluss nicht sicher, ob ich gewinnen würde. Wenn du dann die Ziellinie überquerst, ist das ein starkes Gefühl“, sagte Wellens im Ziel. „Den ganzen Tag war es ein ständiges Hin und Her, Hoch und Runter; es war nicht leicht. Zum Schluss brachten mich meine Teamkameraden perfekt nach vorne. Adam Hansen blieb eine Weile vorne und zog mich, gefolgt von Tosh Van der Sande und hinter uns fiel es auseinander. Ich musste aufpassen, dass ich nicht zu früh anzog, denn ich wusste, dass das Ziel noch ziemlich weit weg war. Aber ich hatte einen kleinen Vorsprung und konnte den Anstieg etwas ruhiger angehen. Auf den letzten 200 Metern fuhr ich dann Vollgas.“

Das Peloton schaffte es,  trotz des fordernden Streckenprofils, nicht auseinanderzubrechen. Alle Teams waren sehr darum bemüht, eine Position so weit vorne wie möglich einzunehmen, um die Kraft für das wellig-hügelige Finale und dem Steilanstieg zum Ziel zu bewahren. BMC setzte ein Zeichen, dass sie das Maglia Rosa verteidigen wollten, als das Team vier Fahrer vorne im Feld absetzte, um ein gleichmäßiges und ruhiges Tempo zu bestimmen, während sich nach 25 Kilometern eine Ausreißergruppe formte.

Die Ausreißergruppe bestand aus fünf Fahrern: Enrico Barbin (Bardiani-CSF), Marco Frapporti (Androni-Giocattoli), Jacopo Mosca (Wilier-Triestina), Maxim Belkov (Katusha-Alpecin) und Quentin Jauregui (AG2R La Mondiale). Während BMC im Peloton das Sagen hatte und das Tempo vorgab, baute das fünfköpfige Team einen Vorsprung von drei Minuten aus. So bewegten sich die Fahrer in das Landesinnere Siziliens.

Nach drei Tagen in Israel geht der Giro d’Italia in der Heimat der Rundfahrt weiter. Drei Tage Sizilien liegen vor den Profis. (Foto: Sirotti)

Nach 82 Kilometern begann das wellige Streckenprofil und die Fahrer mussten hart arbeiten, um zusammenzubleiben. Von dort an bis zum Ziel in Caltagirone war es ein unbarmherziges auf und ab. Jempy Drucker und Fran Ventoso halfen ihrem Team BMC und Teamkameraden Dennis unter Volleinsatz ihrer Kräfte, das Maglia Rosa zu verteidigen.

Auf der schnellen Abfahrt zum letzten Anstieg übernahmen Lotto Fix All und Mitchelton-Scott die Kontrolle. Jack Haig schlug gab ein rasantes Tempo für Esteban Chaves an, aber Tim Wellens blieb unbeindruckt und konnte sich eine kleine Erholung gönnen, als sie von Yates, Woods, Formolo und den anderen eingeholt wurden. Battaglin setzte schon früh zum Angriff an und Wellens hängte sich an sein Rad, nur um im Ziel an ihm vorbeizufahren. Für den Belgier ist das sein zweiter Etappensieg beim Giro d’Italia: In 2016 gewann er die Etappe in Roccaraso.

Dennis verteidigt das Maglia Rosa

Rohan Dennis gab zu, dass er in Versuchung kam, um den Tagessieg zu kämpfen, sich aber dann darauf konzentrierte, das Maglia Rosa zu verteidigen. „Es ist großartig, dass ich das Trikot noch etwas länger behalten kann. Die Jungs haben alles Mögliche getan, mich in die richtige Position zu bringen. Zum Schluss hatte ich De Marchi und Nico Roche, die mir helfen konnten, falls ich in Schwierigkeiten geraten sollte. Es gab etwas Stress, aber nicht viel“, sagte Dennis.

Rohan Dennis (BMC) und sein Team verteidigten erfolgreich seine Führung. Der Australier behält das Maglia Rosa für einen weiteren Tag. (Foto: Sirotti)

„Ich hatte darauf gehofft, dass ich mir den Zwischensprint holen könnte, aber mit noch 150 Metern zum Sprint wusste ich, dass ich nicht gut genug sein würde. Also hielt ich meine Position und konzentrierte mich darauf, dass sich keine Abstände zu Dumolin auftun würden.“

Rohan Dennis führt weiterhin in der Gesamtwertung und behält das Maglia Rosa, eine Sekunde vor Tom Dumoulin (Team Sunweb). Nach einer beeindruckenden Leistung liegt Adam Yates (Mitchelton-Scott) an dritter Stelle der Gesamtwertung mit einem Zeitrückstand von 17 Sekunden. Tim Wellens ist Vierter mit einem Rückstand von 19 Sekunden auf das Maglia Rosa.

Chris Froome fällt weiter zurück

Für einen der großen Favoriten verläuft der 101. Giro d’Italia nicht wie geplant und die heutige Etappe brachte ein weiteres ernüchterndes Ergebnis: Chris Froome (Team Sky) schien den Attacken auf dem zweistelligen Anstieg zum Schluss nicht gewachsen zu sein. Der viermalige Tour-de-France-Sieger, der ein Tour-de-France-Giro-d’Italia-Doppel anvisiert, verlor auf den letzten Kilometern weitere wertvolle Sekunden an seine Rivalen.

Für Chris Froome verläuft der Giro d’Italia anders als geplant: Nach der 4. Etappe liegt er, als einer der Hauptfavoriten, 55 Sekunden hinter Dennis Rohan. (Foto: Sirotti)

Froome kam weit hinten im Feld ins Ziel und erhielt 21 Sekunden Rückstand auf den Tagessieger Tim Wellens. Froome beschrieb den Zeitverlust als „Rennen“ ab, aber nachdem er im Einzelzeitfahren auf der ersten Etappe 37 Sekunden an Dumoulin verlor, liegt der Team Sky Fahrer 55 Sekunden hinter Dennis im Maglia Rosa, und 54 Sekunden hinter Dumoulin. Für Froome scheint der Plan der 101. Giro d’Italia bis jetzt nicht aufzugehen.

Giro d’Italia 2018: Rückblick auf Etappe 4

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