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Rennberichte & Analysen

Giro d’Italia 2018: Maximilian Schachmann erobert Prato Nevoso in Etappe 18

Der Quick-Step-Floors-Fahrer, zur Zeit bester Deutscher beim Giro auf Platz 20, erringt einen wohlverdienten Etappensieg, Yates verliert 27 Sekunden.

Maximilian Schachmann (Quick-Step Floors) war einer der drei Fahrer der Fluchtgruppe, die es schafften, das Peloton abzuhalten, um den Kampf um den Tagessieg unter sich auszumachen. Der junge Deutsche konnte sich erfolgreich auf der Ski-Station Prato Nevoso gegen Ruben Plaza (Israel Cycling Academy) und Mattia Cattaneo (Androni Giocattoli-Sidermec) durchsetzen.

Das Trio erreichte die letzten 900 Meter zusammen und nur ein paar hundert Meter vor dem Ziel zog Schmann seinen Mitstreitern davon. Plaza konnte dem jungen Deutschen nichts gegenhalten.

Maximilian Schachmann (Quick-Step Floors) siegt auf der 18. Etappe des 101. Giro d’Italia. Ein großer Erfolg für den jungen Deutschen, der beim Giro sein Grand Tour Debut feiert. (Foto: Sirotti)

„Es ist ein unglaubliches Gefühl“, sagte Schachmann. „Es ist großartig, dass ich auf meiner ersten Grand Tour einen Etappensieg erreiche. Ich glaube, wir sind alle der gleichen Meinung, dass der Giro wirklich hart ist, was diesen Sieg noch besser macht. Natürlich werde ich Viviani helfen so viel wie ich kann. In unserem Team ist es egal, wer gewinnt. Wir sind ein großartiges Team, mit einem tollen Teamgeist.“

Schachmann konnte sich auf den letzten paar hundert Metern von seinem Mitstreiter Mattia Cattaneo absetzen und das Ziel erobern. (Foto: Sirotti)

„Ein großer Teil des Erfolges geht an Michael Morkov. Er hat mich an die Gruppe herangezogen und er hat mir während des Rennens schon öfter geholfen. Wir teilen ein Zimmer, er ist ein großartiger Fahrer und spielt in jedem Sieg eine Rolle.“

Am letzten Berg der 18. Etappe des 101. Giro d’Italia teilte sich das Renngeschehen in zwei Hälften: Vorne wurde um den Tageesieg gekämpft, im Hauptfeld um Zeitvorsprünge und das Maglia Rosa. Die 12-köpfige Fluchtgruppe mit  Morkov, Schachmann (Quick-Step Floors), Davide Ballerini, Cattaneo (Androni Giocattoli-Sidermec), Christoph Pfingsten (Bora-Hansgrohe), Plaza (Israel Cycling Academy), Vyacheslav Kuznetsov (Katusha-Alpecin), Jos van Emden, Boy van Poppel (Trek-Segafredo), Marco Marcato (UAE Emirates), Giuseppe Fonzi und Alex Turrin (Wilier Triestina-Selle Italia) konnte sich einen großzügigen Vorsprung von 16 Minuten herausfahren.

Morkov setzte ein gleichmäßiges und forderndes Tempo an und als die Steigung bei 10 % den steilsten Teil des Berges erreichte, sah sich ein Fahrer nach dem anderen gezwungen, sich nach hinten fallen zu lassen, um schließlich vom Peloton eingeholt zu werden. Letztendlich waren es noch sechs Fahrer, die sich untereinander mit wiederholten Angriffen herausforderten. Plaza griff 8,7 Kilometern vor dem Ziel an, aber Schachmann, in der Gesellschaft von fünf anderen Fahrern, holte ihn bald wieder ein. Plaza ging erneut zum Angriff über, aber Schmann nutzte den Angriff, sich weiter nach vorne katapultieren zu lassen.

In der Fluchtgruppe ging es um den Etappensieg, im Peloton entbrannte ein erbitterter Kampf um das Gesamtklassement. (Foto: Sirotti)

Cattaneo markierte Schachmann und ließ ihn nicht mehr aus den Augen. Schachmann und Cattaneo wechselten mit ihren Angriffen ab und es war ein ständiges hin und her zwischen dem Deutschen und dem Spanier, während sich Plaza mit ein paar Sekunden Rückstand an die zwei ranhängte. Zwei Kilometer vor dem Ziel beschleunigte Cattaneo ein letztes Mal, aber als die zwei Fahrer unter dem roten Wimpel durchfuhren, der den letzten Kilometer signalisierte, schienen Schachmann und Cattaneo unzertrennlich.

Von einem Augenblick auf den nächsten versuchte sich ein sichtlich erschöpfter Plaza in einem Angriff zum Etappensieg. Aber Schachmann ließ diesen Schachzug nicht gelten und 700 Meter vor dem Ziel setzte sich der junge Deutsche an die Spitze des Trios und zog das Tempo an. Cattaneo ergab sich zuerst, Plaze konnte dem Tempo letztendlich auch nicht folgen.

Quick-Step Floors kann mit diesem Erfolg insgesamt fünf Etappensiege verzeichnen, für Schachmann ist sein erster Tagessieg bei seiner ersten Grand Tour ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des aufstrebenden jungen Profis.

Der Kampf um das Maglia Rosa

Als seine Rivalen am letzten Berg zum Angriff übergingen, konnte Simon Yates (Mitchelton-Scott) nicht mithalten. Der Brite verlor 28 Sekunden an den Titelverteidiger Tom Dumoulin (Team Sunweb). (Foto: Sirotti)

Während Schachmann auf dem letzten Berg um seinen Etappensieg kämpfte, entbrannte  hinter ihm ein paar Kilometer weiter hinten im Peloton ein erbitterter Kampf um das Gesamtklassement. Simon Yates (Mitchelton-Scott) sah während des Anstiegs noch stark und kontrolliert aus, als er vorne in der Gruppe den Berg eroberte und Astana und Movistar folgte, die vorne das Tempo angaben.

Aber Sport ist nicht Sport und der Giro nicht der Giro, wenn sich nicht innerhalb von nur ein paar Kilometern das Blatt wenden würde. Yates hatte angedeutet, nach dem Zeitfahren das Rennen etwas defensiver angehen zu wollen. Er hielt sich an seine Taktik und der Plan schien aufzugehen. Bis Woet Poels (Team Sky) sich von der Gruppe absetzte, um zu versuchen sich zu Miguel Angel Lopez (Astana) zu gesellen.

Plötzlich war alles anders: Als Titelverteidiger Tom Dumoulin (Team Sunweb) etwas später das Tempo anzog konnte Yates dem Holländer noch ohne sichtliche Schwierigkeiten folgen. Aber als Chris Froome (Team Sky) zwei Kilometer vor dem Ziel davonzog, kam Yates in Schwierigkeiten. Der Brite konnte Froome nicht mehr folgen, Pozzovivo und Dumoulin hingegen hängten sich ohne zu zögern an Froome. Yates kämpfte vergeblich weiter, aber auch die nächste Gruppe mit Patrick Konrad (Bora-hansgrohe) und Pello Bibao (Astana) musste das Maglia Rosa ziehen lassen.

Lopez schaffte es als erster der Gruppe ins Ziel zu kommen, Pozzovivo kurz hinter ihm mit Dumoulin und Froome auf seinen Fersen. Yates quälte sich indessen alleine die letzten Kilometer den Anstieg hoch, bis ihn sein Teamkollege Nieve einholte, der ihn bis zum Ziel noch unterstützte.

Yates wollte die restlichen Etappen nach Rom mehr in die Defensive gehen. Ein Plan, der nicht aufzugehen scheint. Doch noch ist nichts entschieden. (Foto: Sirotti)

Auch wenn Yates sich seit seiner Eroberung des Maglia Rosa auf dem Ätna einen guten Vorsprung erarbeitet hatte und als Hauptfavorit in die letzte Woche zog, hat sich innerhalbe einer Etappe wieder alles geändert: Yates Vorsprung auf seinen Hauptrivalen Tom Dumoulin ist auf 28 Sekunden geschrumpft und es liegen noch zwei harte Bergetappen zwischen ihm und Rom. Zwei harte Tage, an denen er sich vielleicht doch wieder gezwungen sieht, wieder in die Offensive gehen zu müssen – wenn er es kann. Der Giro d’Italia folgt seinem Ruf zum 101. Mal: Hart, unerbittlich, unbrechenbar.

Video: Etappe 18 des Giro d’Italia 2018 in der Zusammenfassung

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