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Rennberichte & Analysen

24-Stunden Inside the Team: ein Renntag bei den Profis der Gazprom-RusVelo Equipe

Gazprom-RusVelo-Equipe Insights

Gazprom-RusVelo: Was passiert eigentlich hinter den Kulissen eines Profi-Teams bei einem Eintagesrennen? Das wollte roadcycling.de wissen und hat das von Gazprom Germania gesponserte Profi-Team Gazprom-RusVelo 24 Stunden lang rund um den Münsterland Giro begleitet.

(Bild: Marcel Hilger)

ANREISETAG

17:00 Uhr

Am späten Nachmittag treffen die Profis von Gazprom-RusVelo im Mannschaftshotel in Münster ein. Der große Teambus sowie der Truck, beladen mit den Rennrädern, haben sich bereits auf dem großen Hotelparkplatz breitgemacht. Zusammen mit den Fahrzeugen der anderen Teams bilden sie eine regelrechte mobile kleine Stadt.

Warm-up am Vortag (Bild: Gazprom-RusVelo)

Um die Beine nach dem Flug und dem Transfer wieder locker zu bekommen und das Blut besser zirkulieren zu lassen, setzen sich die Fahrer noch für eine gute halbe Stunde auf den Rollentrainer – unter der Markise am Bus. In der Zwischenzeit geht der Sportdirektor Alexander Serov ins Rennbüro – Permanence –, holt dort die Startnummern, Transponder für die Zeitnahme, das Roadbook, Aufkleber für die Fahrzeuge ab und trifft sich dann zur Besprechung mit den Sportdirektoren aller Mannschaften. Der Veranstalter erklärt hier nochmal Details zum morgigen Rennen, das über 210, 8 Kilometer von Coesfeld nach Münster führt.

18:00 Uhr

Nach dem Warm-up auf der Rolle, duschen die Fahrer und werden im Anschluss noch massiert, damit ihre Muskeln schön locker und geschmeidig werden. In der Zwischenzeit checken die Mechaniker die Colnago-Rennmaschinen noch ein allerletztes Mal und waschen die Fahrzeuge. Schließlich sollen die Sponsoren beim Rennen morgen im vollen Glanz erscheinen. Um 19 Uhr steht dann schon das Essen auf dem Tisch beziehungsweise die Fahrer können sich zusammen mit den Profikollegen der anderen Teams am Hotelbüffet bedienen. Das Team besitzt auch einen eigenen „Kitchentruck“ – einen umgebauten LKW in dessen Laderaum eine vollfunktionsfähige Küche integriert ist. Dieser wird aber mitsamt dem Koch nur bei den ganz großen Eintagesrennen sowie den Rundfahrten eingesetzt.
Beim Abendessen – typische Sportlerkost mit weißem Fleisch wie Hühnchen oder Pute, Kohlenhydraten satt mit Pasta, Reis und Kartoffeln sowie Gemüse – herrscht eine lockere ungezwungene Stimmung. Nur die durchtrainierten und dünnen Staturen sowie die einheitliche Teamkleidung lassen erahnen, dass es sich um Profisportler handelt und nicht um normale junge Erwachsene im Urlaub. Im Anschluss an das Dinner „verziehen“ sich die Fahrer auf ihre Zimmer; die Hotelbar bleibt Managern, Mechanikern und Sportlichen Leitern sowie Journalisten vorbehalten.

20:30 Uhr

Auf den Hotelzimmern telefonieren die Fahrer mit ihren Familien, posten etwas in den sozialen Medien, hören Musik oder schauen sich auf ihrem Laptop Serien an. Gegen 22 Uhr wird das Licht ausgemacht und die Fahrer schlafen allmählich ein. Viel Schlaf ist wichtig für eine optimale Regeneration, daher versuchen die Profis schon, über acht bis neun Stunden pro Nacht zu ruhen.

RENNTAG

8:00 Uhr

Pünktlich um acht Uhr sitzen die Profis des Gazprom-RusVelo-Teams beim Frühstück, Neben dem Frühstücksangebot des Hotels können sie sich auch an Lebensmitteln aus einer Kiste bedienen, die auf dem Tisch steht. Die sogenannte teameigene Food-Box enthält ganz ausgewählte Lebensmittel – zumeist bio –, die die Fahrer besonders gern mögen, wie bestimmte Brotsorten, und Lebensmittel, die ideal als Verpflegung vor dem Rennen sind wie Sojamilch oder Cerealien. Ein gutes Olivenöl und Parmesan dürfen nicht fehlen, falls die Fahrer Nudeln oder Reis zum Frühstück essen.

9:20 Uhr

Abfahrt mit dem Bus zum Startort nach Coesfeld. In einem großen Konvoi fahren alle Teams mit ihren Bussen und den Renndienstwagen von Münster in die circa eine dreiviertel Autostunde entfernte Kreisstadt. Im Bus geht es locker zu. Die Fahrer entspannen, trinken Espresso, checken auf dem Handy ihre Mails und Nachrichten. In Coesfeld angekommen ziehen sich die Profis um, pinnen die Startnummer ans Trikot.

Einsatzbesprechung im Bus der Gazprom-RusVelo Profis (Bild: Marcel Hilger)

10:30 Uhr

Die Fahrer schwingen sich aufs Rad – allerdings ohne Helm und in Turnschuhen, denn die Einschreibung und die Teampräsentation stehen an. Die Equipe wird den Zuschauern auf dem Marktplatz vorgestellt und die Fahrer müssen offiziell unterschreiben, dass sie am Rennen teilnehmen. Nach dem Bad in der Menge rollen sie zurück zum Bus, wo der Directeur Sportif (Sportdirektor) die Taktik erklärt. Die beiden Stagiaires, das sind junge Fahrer aus dem Nachwuchsbereich, die von Anfang August bis Saisonende Profiluft schnuppern dürfen, sollen versuchen in die Ausreißergruppe zu kommen. Die anderen Fahrer sollen die beiden etatmäßigen Sprinter „beschützen“. Der eine oder andere Profi lässt sich zur Aktivierung der Muskulatur die Beine massieren – durch den Busfahrer. Er ist, wie übrigens auch bei den meisten anderen Profi-Teams, auch Masseur. Allmählich wird es ernst, die Fahrer legen ihren Funk an und testen die Verbindung; in die Trikottaschen am Rücken werden Riegel und Gels gesteckt.

11:20 Uhr

Die Profis fahren locker in Richtung Start, der um 11:30 erfolgen soll. Der Sportdirektor reiht sich hinter dem Feld mit seinem VW in die Kolonne der Sportlichen-Leiter-Fahrzeuge ein. Im Fonds des Fahrzeugs sitzt der Mechaniker – auf dem Dach sind die Ersatzmaschinen der Rennfahrer befestigt. Während die Profis über die Startlinie rollen, fährt der Teambus zurück nach Münster, wo er direkt hinter der Ziellinie parkt. Zwei Betreuer fahren mit dem Auto zur Verpflegungszone.

Der letzte Kick vor dem Start (Bild: RSCP)
Die 6er Spitze mit Alexandr Kulikovskii (Bild: RSCP)

11:45 Uhr

Nur wenige Kilometer nach dem Start bildet sich eine sechs Mann starke Spitzengruppe und die zuvor ausgegebene taktische Marschroute der Jungs in Königsblau – Gazprom Germania sponsort übrigens neben dem Radteam auch den Fußballbundesligisten Schalke 04 – geht voll auf. Denn mit von der Partie ist Alexandr Kulikovskii, einer der Stagiaires des Teams. Zusammen mit den fünf anderen Profis wechselt er sich an der Spitze der Gruppe ab, damit jeder von dem kraftspendenden Windschatten profitiert. Das Feld lässt die Ausreißer erst einmal gewähren, die einen Vorsprung von über 4:30 Minuten herausfahren.

Zack, schnell ein Drink geschnappt (Bild: RSCP)

13:15 Uhr

Das Peloton erreicht bei Rennkilometer 65,6 die Verpflegungszone– in der Profisprache Büfett genannt. Aus voller Fahrt greifen die Fahrer nach ihren Verpflegungsbeuteln, die ihnen die Betreuer bereithalten. In den Verpflegungsbeuteln – der Musette – befinden sich meist Energieriegel und -gels, zwei Trinkflaschen mit einer Kohlenhydrat-Wasser-Mixtur sowie selbstgemachter Reiskuchen, eine Spezialität in der Rennfahrerernährung.

Drive-In – schneller, als jedes Fast-Food-Restaurant (Bild: RSCP)

14:20 Uhr

Der starke Seitenwind sorgt früh für eine Entscheidung im Rennen und zerreißt das Peloton in zwei Teile. Die Fahrer von Gazprom-RusVelo werden wie viele andere auch von der Situation förmlich überrumpelt und finden sich im zweiten Teil des Hauptfeldes wieder. Verzweifelt versucht das abgehängte Feld wieder nach vorne zu kommen – aber ohne Erfolg. In der Folge schließt die erste rund 50 Mann starke Gruppe zu den Ausreißern auf und durch die hohe Geschwindigkeit muss auch Gazprom-RusVelo-Profi Alexandr Kulikovskii reißen lassen. Der zweite Teil des Hauptfeldes kann dann die Lücke nach vorne nicht mehr aufschließen.

Alexander Porsev erreicht das Ziel 3:03 min nach dem Sieger Max Walscheid (Bild: RSCP)

16:20 Uhr

3:03 Minuten nach dem Sieger Max Walscheid fährt Gazprom-RusVelo-Profi Alexander Porsev als Zweiter des zweiten großen Feldes über die Ziellinie. Er rollt direkt durch zum Bus. Dort trifft er bereits auf einige seiner Teamkollegen; auch die beiden Stagiaires, die das Rennen auf einer der Schlussrunden in Münster vorzeitig aufgegeben haben. Nachdem die Fahrer geduscht haben, gibt es noch eine Nachbesprechung. Sportdirektor Alexander Serov ist mit der Leistung seiner Fahrer nicht unzufrieden, besonders freut er sich darüber, wie sich die beiden Nachwuchsfahrer geschlagen haben. Die Fahrer werden dann zum Flughafen gebracht. Das Gros von ihnen startet nur wenige Tage später in Italien und in der Türkei wieder bei Rennen.

Weitere Infos:

Gazprom-RusVelo: hier

Radrennen Münsterland Giro: hier

Radrennen bei RCDE: hier

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