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Insider-News & Interviews

Provisorisch gesperrt: Der Fall Roman Kreuziger

Mit auffälligen Werten in 2011 und 2012 rief der Tscheche eine Expertenkommission auf den Plan. Was ist dran?

Wegen verdächtiger Blutwerte ist der Tscheche Roman Kreuziger von der UCI provisorisch gesperrt worden. Verdachtsmomente gab es schon vor der Tour, weswegen Kreuziger nicht im Tour-Aufgebot von Kapitän Alberto Contador stand.

Erst einen Tag vor der Polen-Rundfahrt und mehr als einen Monat nach einigen Diskussionen über die Werte in seinem Blutpass (Biological Passport) hat die UCI den 28jährigen Profi von Tinkoff-Saxo provisorisch gesperrt. Ohne Verfahren, entgegen dreier unabhängiger Gutachten sowie auf Basis von Daten aus den Jahren 2011 und 2012.

Verdächtige Werte aus 2011/2012

Interessanterweise geht es aber nicht um auffällige Werte aus dem Vorfeld der Tour de France 2014, wie man annehmen könnte, sondern vielmehr um Blutwerte aus Kontrollen zwischen März und August 2011 und April bis Ende Mai 2012. Seinerzeit fuhr Kreuziger noch für das Team Astana mit Alexander Winokurow.

Im Mai 2014 wurde Roman Kreuziger dann über den Verdacht auf mögliches Doping informiert und bestreitet seitdem mit unlauteren Mitteln nachgeholfen zu haben. Fakt ist, dass seine Blutwerte nur bei einem Test während des Giro d’Italia die Grenzwerte der UCI erreicht hätten. Kreuziger erklärt dies mit extremer Dehydration nach einer sehr anstrengenden Bergetappe des Giro.

Zwei unabhängige Experten erklärten in Folge in einem Gutachten die Anschuldigung der Cycling Anti-Doping Foundation (CADF) für falsch und schlossen den Missbrauch verbotener Substanzen oder Praktiken aus. Das Gutachten blieb erfolglos vor der Expertenkommission und wurde zurückgewiesen. Dies bekam der Fahrer am 30. Mai schriftlich mitgeteilt. Ein weiteres Gutachten Kreuzigers ist noch in Bearbeitung bei der UCI.

Roman Kreuziger in Diensten des Pro Team Astana beim Giro d’Italia 2012. Bei der Italien-Rundfahrt wies Kreuziger laut UCI verdächtige Blutwerte auf. (Foto: Sirotti)

Provisorische Sperre verhängt

Bis zum letzten Samstag am 1. August gab es auch keine disziplinarischen Maßnahmen gegen Roman Kreuziger. Trotzdem zog Tinkoff-Saxo den Rundfahr-Spezialisten aus dem Team-Aufgebot der Tour de France zurück. Letzten Samstag folgte die provisorische Sperre durch den Weltradsportverband UCI. Mit dieser Sperre darf der Tscheche keine Rennen mehr fahren und wurde kurzfristig vom Start bei der Polen-Rundfahrt ausgeschlossen. Auch von Team-Manager Stefano Feltrin erhielt Roman Kreuziger eine Suspendierung bis zur endgültigen Klärung der Sachlage. Die aktuelle und provisorische Sperre ist ein Sonderfall im UCI-Reglement und rechtlich sicher eine Grauzone. Da bisher nicht mindestens eine positive A-Probe vorliegt und es unwahrscheinlich ist das ein mögliches Dopingvergehen aus 2011 und 2012 Rennergebnisse in 2014 beeinflusst, steht die verhängte Sperre auf tönernen Füßen.

O-Ton Roman Kreuziger

Auch Roman Kreuziger hat sich inzwischen zu den Vorwürfen geäußert und sagte:

“I am deeply frustrated by this current situation, which makes it impossible for me to do my job and ride my bike. I’m not a cheat, and I have not committed any doping offence. Experts confirm that there is no evidence of any alleged anti-doping rule violation in my case. This has been going on since June 2013, and still there is no formal case opened against me. Despite this I’m now provisionally suspended. I sincerely hope that this situation can be resolved quickly and not turned into a political matter.

I am grateful to my team, Tinkoff-Saxo, for their support, and it helps me to know they trust me and have faith in me based on our working relationship and the expert opinions on my case.”

Der Rundfahrer Kreuziger bei der Tour de Suisse 2014. (Foto: Sirotti)

Brief vom Team-Manager Feltrin

Manager Stefano Feltrin hat sich unterdessen in einem Brief an UCI-Präsident Brian Cookson gewandt. Der Wortlaut ist auf der Teamseite des Tinkoff-Saxo Pro Teams nachzulesen.

Wie geht es weiter?

Es bleibt abzuwarten was die UCI gegen Kreuziger noch ins Feld führen kann und ob das dritte Gutachten pro Kreuziger vom Weltradsportverband ebenso abgewiesen wird wie die ersten beiden.

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