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Hobby-Radsport

15 Fragen an Markus Hager, den Sieger des Race Around Austria

Markus Hager ist der erste Deutsche, der das Race Around Austria gewonnen hat. Wir haben dem Ultradistanzsportler ein paar spannende Fragen gestellt.

3 Tage 20 Stunden und 28 Minuten benötigte Markus Hager für die etwa 2200 km lange Strecke des Race Around Austria. Zahlreiche Pässe und insgesamt etwa 30 000 Höhenmeter musste er bezwingen. Wir haben den 48-jährigen Bayer interviewt. Im Folgenden werdet ihr unter Anderem erfahren, was das Besondere an diesem Rennen ist und wie er es erlebt hat. Außerdem gibt Markus auch noch wertvolle Tipps.

Von St. Georgen aus verläuft die Route des Rennens möglichst nah entlang der österreichischen Grenze. Jeder Teilnehmer hat ein Begleitfahrzeug, das rund um die Uhr beim Sportler bleiben muss. Markus Hager kennt das Procedere und die Strecke bereits. 2013 nahm er zum ersten Mal teil. Er belegte sogleich den fünften Platz. Letztes Jahr gelang ihm dann der Sprung aufs Podest. Er wurde Dritter. Dieses Jahr verwirklichte Markus nun seinen Traum vom Sieg. Erst neun Stunden später erreichte der zweitplatzierte Ralph Diseviscourt das Ziel. Doch die Teilnehmer hatten dieses Jahr besonders hart zu kämpfen. Viele Gewitter, Starkregen, heftige Windböen ebenso wie Hitzewellen machten den Startern zu schaffen.

Markus Hager startet beim Race Around Austria in Sankt Georgen. (Foto: RAA/ Heiko Mandl)

Hallo Markus, herzlichen Glückwunsch zum Sieg! Du bist ja nun bereits das dritte Mal beim Race Around Austria gestartet. Was reizt dich besonders an dieser Veranstaltung?

„Die Veranstaltung ist sehr gut organisiert. Der Athlet steht sehr im Mittelpunkt. Die ganze Region lebt da mit. Es ist eine Veranstaltung, die heraussticht.“

Nach der ersten Gewitterfront kämpft Markus Hager im Burgenland gegen den Wind. (Foto: RAA/Felix Roittner)

Wie hast du für dieses Rennen trainiert? Und wie viele Kilometer bist du dieses Jahr bereits vorher gefahren?

„Also trainieren tue ich eigentlich immer, täglich zweimal. Die Kilometerzahl kann ich jetzt gar nicht genau sagen. Sie müsste irgendwo im fünfstelligen Bereich liegen, 15 000 bis 18 000 km etwa. Ich schreib es nicht alles mit. Ich trainiere eher nach Zeit als nach Kilometern.“

Wie schaffst du das zeitlich mit der Familie und dem Berufsleben?

„Früh aufstehen! Ich fahre immer mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das ist schon einmal die erste Einheit, nach der Arbeit auch noch eine Runde. Wenn es auf der Arbeit länger dauert, dann nehme ich den direkten Weg und wenn es zeitlich passt, dann werden noch kleine Runden eingebaut.“

Du kennst die Route inzwischen bestimmt gut. Auf welchen Pass hast du dich am meisten gefreut?

Am meisten freue ich mich eigentlich immer auf dem Großglockner, weil der einfach mit dazu gehört. Er ist sehr steil zu fahren, aber schon ein Highlight.“

 

Wie viel hast du insgesamt während des Rennens geschlafen?

„40 Minuten, aufgeteilt in viermal zehn Minuten.“

Markus Hagers Team kümmert sich um das Rennrad und um den Kleidungswechsel. (Foto: RAA/Felix Roittner)

Was hast du für Tricks, um dich wach zu halten?

„Das darf ich ja nicht sagen. Red Bull. Ich trinke immer Red Bull, immer etwas Koffeinhaltiges. Ich glaube aber auch, dass mich das aktive Navigieren am Fahrrad wach gehalten hat. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fahrern navigiere ich selbst und verlasse mich nicht nur auf mein Team. So hab ich stets zu tun und zu denken.“

Was war der absolute Tiefpunkt im Rennen?

„Der absolute Tiefpunkt war, als ich gemerkt habe, dass es an der Piller Höhe wieder regnet, wie das Jahr zuvor auch. Man hofft ja jedes Jahr auf besseres Wetter, aber dieses Mal war es wieder kurz vorm Schneien. Es war kalt. Das Wetter spielt eine große Rolle. Was auch noch ein großer Negativpunkt war: Der Fernpass ist ja eine Reiseroute. Wir waren am Freitagabend im Reiseverkehr dort. Da wurden wir trotz des riesigen Aufklebers „Achtung Radrennen“ von den bereits gestressten Urlaubern angepöbelt und angehupt.“

Das ist wirklich nicht schön. Was war denn der Höhepunkt?

„Der Höhepunkt war, als ich gemerkt habe, ich kann gewinnen. Nach zwei Tagen hat es sich abgezeichnet, dass es realistisch wird. Aber wenn man nur noch 80 oder 100 km zu fahren hat, dann weiß man eigentlich, jetzt kann nichts mehr schief gehen. Und dann freut man sich auf die Zielankunft, die ja sensationell ist. Es ist Marktfest, viel Stimmung, richtig was los! Das ist dann schon ein richtiges Highlight. Einfach Ankommen, das Ziel und dann nimmer Aufsteigen und nimmer Weiterfahren.“

Ja, so ein großer Vorsprung beflügelt ja bestimmt auch ordentlich.

„Ja das war schon toll. Wir haben sogar am Ufer vom Mondsee, das ist so 20 km vorm Ziel, Sektpause gemacht. Man durchlebt in so einem langen Rennen doch recht viele Höhen und Tiefen. Aber so diesen absoluten Tiefpunkt, wo man denkt, es geht gar nicht mehr weiter, den hatte ich Gott sei Dank nie.“

Markus Hager hatte kein Glück mit dem Wetter. (Foto: RAA/Felix Roittner)

Die meisten Menschen haben nach spätestens 100 km keine Lust mehr, weiter zu fahren. Ein solches Rennen erfordert eine große mentale Stärke. Wie motivierst du dich zu so langen Distanzen?

„Solche Distanzen sind natürlich im Vorfeld großer Aufwand: sehr viel Trainingsaufwand, finanzieller Aufwand und auch organisatorischer Aufwand. Ich habe sieben Betreuer dabei. Die nehmen sich alle eine Woche Urlaub, damit ich meinem Hobby nachgehen kann. Es macht den Betreuern aber auch Spaß, mitzufahren. Da kann ich mich natürlich schon motivieren. Ich will meinem Team was bieten. Die nehmen sich die Zeit und ich hab dann einfach keine Lust mehr. Das kommt nicht gut. Letztendlich im Ziel anzukommen, das ist schon Ansporn und der Anspruch an dich selber, wenn sich welche so viel Zeit für einen nehmen.”

Bekommst du durch den Sieg die Kosten für das Rennen wieder rein?

„Nein. Ich habe Firmen, die mich mit Startgeld, Bekleidung oder Ernährung unterstützen. Es gibt kein Preisgeld. Leihautos und Unterkünfte müssen ja auch bezahlt werden.“

Ging es nach dem Rennen sofort wieder aufs Rad oder hast du es erst einmal eine Woche nicht mehr angerührt? 

„Einen Tag habe ich es nicht angerührt und dann ging es sehr zäh und sehr langsam los. Aber jetzt macht es wieder Spaß, also nach drei Wochen. Ich hatte viele kleine Blessuren, aber nichts Gravierendes, nichts Bleibendes. Und vom Kopf her geht es immer noch.“

Dass dir nach einem solchen Rennen einiges weh tat, das glaube ich sofort. Willst du deinen Titel nächstes Jahr verteidigen?

„Wenn es passt, würde ich schon gerne noch einmal starten. Ich hab am Freitag ein Treffen mit meinem Team. Dann würden wir das besprechen. Wenn man die Betreuer zusammen bringt, dann kann ich mir das vorstellen, noch einmal zu fahren.“

Markus Hager gewinnt das Race around Austria 2017. (Foto: RAA/Heiko Mandl)

Hättest du Interesse daran, in Zukunft auch einmal bei einem unsupporteten Ultradistanz-Rennen wie dem Transcontinental Race teilzunehmen?

„Hmm, jein. Also ich weiß es nicht. Ich hab so etwas einmal aus Trainingszwecken gemacht. Da habe ich mir noch keine Gedanken zu gemacht.“

Es gibt viele Menschen, die Ultradistanz-Rennen ebenfalls reizvoll finden und überlegen, dafür zu trainieren. Was würdest du ihnen für einen Tipp geben?

Stetig trainieren und langsam trainieren, nicht zu viel zu wollen. Mit sehr niedrigen Pulswerten arbeiten. Die Zeit macht sehr viel. Also man muss da schon ein paar Jahre Training investieren. Das Training muss systematisch aufgebaut sein, um seine Puls- und Laktatwerte in einen guten Bereich für Langstreckenrennen zu bringen.“

Vielen Dank für den den Tipp und für das Interview. Roadcycling.de wünscht dir weiterhin viel Erfolg. 

Für alle Interessierten gibt es hier noch ein Video vom diesjährigen Race Around Austria:

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