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Umrüsten auf Tubeless – der große Ratgeber zum Thema schlauchlose Reifen

Du denkst darüber nach, auf schlauchlose Bereifung umzurüsten? In unserem großen Ratgeber erfährst du alles, was du darüber wissen musst!

Lange Zeit gab es nur zwei Reifenarten für Rennräder: Drahtreifen und Schlauchreifen. Die erste Variante ist der Standard für die große Mehrheit der Rennradfahrer im Alltag, wie auch bei Rennen für Sportler verschiedenster Leistungsklassen. Die zweite Variante ist fast ausschließlich etwas für Profis und Rennfahrer.

Die Vorteile beider Arten liegen auf der Hand: Drahtreifen sind leicht zu montieren und eine Panne lässt sich einfach reparieren, indem der innen liegende Schlauch geflickt oder ausgetauscht wird. Rennfahrer und Bahnradfahrer bevorzugen hingegen die an das Laufrad geklebten Schlauchreifen, weil sie Gewicht sparen und höhere Drücke aushalten.

Wenn du bereit für Tubeless bist, sollten es deine Laufräder auch sein.

Beide Reifenarten haben aber auch ihre Nachteile: Drahtreifen wiegen mehr als Schlauchreifen, bei Schlauchreifen führt aber jedes kleine Loch zu einem aufwändigen Reparaturprozedere. Tatsächlich sind Schlauchreifen bei den Profis nur deshalb so populär, weil diese bei einer Panne auf die Begleitfahrzeuge zählen können, deren Crews in Windeseile das gesamte Laufrad austauschen.

Doch was ist mit Tubeless-Reifen? Schlauchlose Reifen sind ein wichtiger werdendes Thema in der Radsportindustrie und immer mehr Rennradfahrer schwören auf Tubeless. Aber was macht diese neue Technik aus und solltest du den Sprung wagen?

Das spezielle Profil von Tubeless-geeigneten Laufrädern sorgt für eine luftdichte Verbindung mit den entsprechenden Reifen.

Was ist schlauchlos, auch tubeless genannt?

Wie der Name schon sagt, gibt es in solchen Reifen keine inneren Schläuche. Man kann sich das am Besten am Beispiel von Autoreifen vorstellen: Der Reifen liegt in einer Weise an der Felge an, dass das Innenleben luftdicht ist. Somit ist „schlauchlos” eigentlich auf das System Reifen-Laufrad zu beziehen und nicht nur allein auf den Reifen.

Das Speichenbett eines für schlauchlose Reifen geeigneten Laufrads weist keine Bohrungen auf und ist etwas weiter als bei normalen Felgen.

Laufräder für schlauchlose Reifen

„Für Tubeless geeignete Laufräder sind relativ einfach zu erkennen“, meint Tom Marchment von Hunt Bike Wheels, einer britischen Firma, die sich auf die Produktion von schlauchlosen Reifen spezialisiert hat. „In Inneren der Felge befindet sich eine viel deutlicher ausgeprägte Schulter, die dazu dient, den Reifenwulst sicher an seinem Platz zu halten.“

Für schlauchlose Reifen geeignete Laufräder weisen auch keine Löcher auf, wie sie bei normalen Laufrädern an den Stellen zu finden sind, wo die Speichennippel in die Felge geschraubt sind. In Kombination mit speziellen Schlauchlosventilen erhöhe dies die Zuverlässigkeit des Reifens, so Marchment, denn eine normal gelochte Felge würde eine extra Dichtung benötigen, um mit Tubeless-Reifen zu funktionieren.

Schlauchlose Reifen

Ein Tubeless-kompatibles Laufrad bildet zusammen mit einem Tubeless-Reifen ein luftdichtes System, das typischen Rennraddrücken von 7-8 Bar gewachsen ist.

Eines der Hauptverkaufsargumente für Tubeless-Reifen ist die höhere Pannensicherheit, die den Gebrauch von Reifendichtmilch erfordert.

“Schlauchlose Reifen verfügen über einen stärkeren Reifenwulst aus Butyl, um Dichtigkeit und Passform sicherzustellen”, erklärt Dave Taylos vom Reifenriesen Schwalbe. “Wegen des hohen Drucks in einem Rennradreifen ist es unmöglich, Laufräder für Drahtreifen sicher für den Einsatz mit Schlauchlosreifen umzurüsten. Das liegt einfach daran, dass die nach außen wirkenden Druckkräfte zu hoch für normale Laufräder sind und der Reifen dadurch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Betrieb von der Felge springt. Stelle sicher, dass du für schlauchlose Reifen nur Laufräder benutzt, die auch für schlauchlos entworfen sind.”

Was sind die Vorteile schlauchloser Reifen?

Befürworter der schlauchlosen Technologie schätzen die Verbesserungen in einigen Bereichen, die für Rennradfahrer wichtig sind: Schnelligkeit, Komfort, Grip und Pannensicherheit.

Laut Marchment sorgt ein schlauchloses Setup für mehr Speed:

„Bei Drahtreifen haben wir einen inneren Schlauch, der während der Fahrt am Reifen reibt. Ohne den Schlauch fällt diese Reibung weg und damit wird der Rollwiderstand geringer.“

Um diesen Punkt zu unterstreichen, behauptet Schwalbe, dass der One Tubeless der schnellste Reifen im Sortiment sei. Dadurch, dass ein Schlauch bei Tubeless-Reifen wegfällt, gibt es auch bei geringeren Drücken keine Gefahr mehr einer Panne durch Durchschlagen der Felge.

Tubeless-Reifen erfordern spezielle Ventile.

„Schlauchlose Reifen können mit weniger Druck gefahren werden, ohne die Performance zu beeinträchtigen“, erklärt Taylor. „Das bringt spürbar mehr Komfort und Kontrolle über das Rad.“

„Gleichzeitig bieten schlauchlose Räder erhöhten Schutz vor Pannen. Die Gefahr von Reifenplatzern ist geringer und verlorene Luft durch poröse Schläuche und abscherende Ventile gehört völlig der Vergangenheit an.“

Ein vollständiges Schlauchlossystem kommt mit einem Dichtungsmittel, dass die Bereifung vor kleinen Löchern durch Glas oder Dornen schützt – noch bevor nennenswert Druck verloren geht.

„Flüssige Dichtungsmittel kommen innerhalb der Bereifung zum Einsatz und dienen der Soforthilfe gegen Risse. Die Beschädigung wird innerhalb von Millisekunden behoben.“, so Taylor.

Falls dann doch noch etwas schief gehen sollte, so rät Schwalbe, dass du einen handelsüblichen Schlauch in den Tubless-Reifen ziehen und damit entspannt weiter fahren kannst.

Warum haben sich schlauchlose Reifen bisher nur zögernd durchgesetzt?

Schlauchlose Reifen sind nichts Neues. Mountainbiker benutzen sie schon seit Jahren und heute sind Tubeless-Reifen Offroad-Standard. In Kraftfahrzeugen sind sie schon seit vielen Jahrzehnten im Einsatz.

Die Auswahl an Tubeless-Ready-Laufrädern wird immer vielfältiger und reicht mittlerweile von günstigen Aluversionen bis hin zu High-End-Carbon-Modellen.

Doch wie bei vielen technologischen Neuerungen im Radsport gilt auch bei schlauchlosen Reifen, dass es zeimlich lange dauern kann, bis sie sich endgültig durchsetzen können.

„Wir haben bisher keinen großen Push der Industrie verzeichnen können“, führt Marchment aus. „Draht- und Schlauchreifen haben über Jahrzehnte hinweg gut bei Rennrädern funktioniert und dadurch kein wirkliches Verlangen nach Neuerung aufkommen lassen. Man muss außerdem auch an die Lernkurve denken, wenn es um die Einführung neuer Technologien geht.“

„Hersteller brauchen genügend Zeit, um neue Technologien zu entwickeln“, fügt er hinzu. „Aber sie werden das erst tun, wenn die Fahrer ein klares Interesse daran zeigen, sich in eine neue Technologie einzulernen. Das engt die mögliche Nutzergruppe derzeit noch massiv ein.“

Technologische Neuerungen setzen sich schneller durch, wenn sie erfolgreich auf höchster sportlicher Ebene eingesetzt werden. Beispiel Scheibenbremsen: Discs hatten einen denkbar holprigen Start in die Rennradwelt, aber der Einsatz durch Profis führte dazu, dass diese Technologie weltweit Beachtung erlangte. Schlauchlose Reifen warten noch auf ihren großen Moment im Profisport.

Tubless-Reifen sind leichter und bieten einen höheren Pannenschutz als beispielsweise Faltreifen.

Trotzdem: Das Blatt wendet sich allmählich. Die Auswahl ist zwar noch limitiert, aber Hersteller wie Bontrager, Hutchison, Panaracer und Schwalbe bieten inzwischen schlauchlose Produkte an. In Bezug auf Laufräder sieht es da schon wesentlich besser aus: Vom preiswerten Trainingslaufrad bis hin zum teuren High-End-Carbon-Juwel ist alles inzwischen erhältlich.

Wenn du in den letzten Jahren ein modernes Rad gekauft haben solltest, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass dessen Laufräder mit Tubeless-Reifen kompatibel sind.

Doch nicht die ganze Fahrradindustire steht hinter der Idee von schlauchlosen Fahrradreifen für Rennräder.

Wo schwächelt es bei Tubeless-Reifen?

Nicht alle Hersteller denken, dass schlauchlose Reifen die Zukunft sind. Continental, einer der größten Reifenhersteller der Welt, hat Skepsis gegenüber der neuen Technologie geäußert und begründet dies damit, dass die Vorteile von schlauchlosen Reifen, wenn überhaupt, ziemlich limitiert seien.

Während Schwalbe sich für Tubeless ausspricht, hält Continental strikt am Drahtreifen fest.

Continentals Produktmanager Ben Blaurock erklärt die Haltung des Unternehmens folgendermaßen: „Im Mountainbiking, Cyclo-Cross und Geländefahrten benutzt man schlauchlose Reifen mit geringem Druck, um den Grip auf dem unebenen Terrain zu erhöhen. Geringer Druck vergrößert die Kontaktfläche des Reifens mit dem Boden.“

„Man hat mehr Reibung und verringert die Wahrscheinlichkeit von Pannen im Vergleich zu Drahtreifen, bei denen zu geringer Druck zu einer höheren Pannenwahrscheinlichkeit führt. Unserer Meinung nach hat man diese Vorteile auf Asphalt nicht.“

Blaurock bekräftigt, dass Continental sich weiterhin auf Draht- und Schlauchreifen konzentrieren werde, solange das Unternehmen keine signifikanten Vorteile schlauchloser Reifen identifizieren könne.

“Das zusätzliche Material, dass bei schlauchlosen Reifen und kompatiblen Felgen verwendet werden muss, um die Stabilität sicherzustellen, kann das Systemgewicht in die Höhe treiben, obwohl man sich den Schlauch in jedem Reifen spart. Es gibt Reifenhersteller, die deswegen an anderer Stelle Gewicht einzusparen vesuchen und in Kauf nehmen, dass die Performance darunter leidet.”

“Manche Tubeless-Reifen auf dem Markt verzichten auf eine Pannschutzlage oder verfügen über dünnere Karkassen, was dafür sorgt, dass sowohl die Pannsicherheit wieder sinkt und die Haltbarkeit beeinträchtigt wird.”, so Blaurock.

Und im Falle von Carbonlaufrädern, so Continental, kann es durch Hitzestau dazu kommen, dass das Reifendichtmittel an Wirksamkeit einbüßt.

“Temperaturen von über 150° Celsius sind unter hoher Bremslast an der Felge im Bereich des Möglichen. Das führt dazu, dass die Reifenmilch zu kochen beginnt und bereits verschlossene Löcher im Mantel können wieder zu lecken anfangen.”, so Blaurock.

Darüber hinaus gibt es noch einen offensichtlicheren Nachteil eines Systems, dass auf exakter Dichtung und hohen Drücken basiert: die im Vergleich zu Drahtreifen schwierigere Montage. Der Reifen muss, um seine korrekte und luftdichte Position auf der Felgenschulter zu erreichen, zunächst durch rasch ansteigenden Druck über den sogenannten Felgenhump gedrückt werden. Erst dann hält das System die Luft und es kann normal aufgepumpt werden.

Das kann die Montage und den Reifenwechsel zu einem komplizierteren Prozedere werden lassen, als das bei Drahtreifen der Fall ist, wobei der Schwierigkeitsgrad bei Drahtreifen stark von der gewählten Reifen-Felgen-Kombination abhängt.

Es kann sein, dass du einen Kompressor oder eine CO2-Pumpe benötigst, um den nötigen Druckanstieg zu erreichen, der zur Montage eines Tubeless-Reifens notwendig ist.

Was wird für den Wechsel auf Tubeless-Reifen benötigt?

Wie also geht der Wechsel auf schlauchlose Reifen vonstatten? Klar, zunächst brauchst du einen Satz Schlauchlosreifen. Laut Dave Taylor von Schwalbe ist es außerdem unabdingbar, Tubeless-kompatible Laufräder zu benutzen und nicht zu versuchen, einen Standardlaufradsatz auf Tubeless umzubauen.

“Es kommen nur Laufräder in Frage, die explizit vom Hersteller für den Gebrauch mit Tubeless-Reifen freigegeben worden sind”, so Taylor. “Gerade für ein System, dass hohen Drücken ausgesetzt ist, ist es wichtig, dass die Wandstärken der Felge den spezifischen Belastungen schlauchloser Reifen angepasst sind und das der Reifen exakt und damit luftdicht sitzt.”

Doch der auf vielen Laufrädern zu findende Begriff “Tubeless-Ready” heißt nicht unbedingt “sofort mit schlauchlosen Reifen einsetzbar”. Die Felge muss luftdicht sein, und um das zu erreichen, müssen unter Umständen die Bohrungen im Speichenbett mit einem geeigneten Band abgedichtet werden.

Hutchinson ist einer der Hersteller, die Tubeless-Reifen im Angebot haben.

Wenn du also schon über einen Tubeless-Ready-Laufradsatz verfügst, brauchst du an Anschaffungen noch die speziellen Ventile für Tubeless-Reifen, die schlauchlosen Reifen selber und Dichtmittel, sowie ein geeignetes Felgenband, sollte die umzurüstende Felge nicht bereits luftdicht sein.

Solltest du alle Komponenten vom selben Hersteller kaufen? Marchment gibt an, bislang keine Probleme mit der Kombination von Produkten verschiedener Firmen gehabt zu haben: “Ich habe nie ein Kompatibilitätsproblem gehabt. Empfehlungen werden eben ausgesprochen, weil bestimmte Produktkombinationen erfolgreich zusammen getestet worden sind.”

Tubeless – ja oder nein?

Zweifellos befindet sich die Tubeless-Technologie in einer frühen Phase ihrer Entwicklung und kann mittlerweile immer häufiger in den Fahrradläden bewundert werden. Wie bei jeder sich entwickelnden Technologie gilt auch bei schlauchlosen Reifen, dass immer mehr Fortschritte gemacht werden – sowohl an der Spitze des sportlichen Einsatzgebietes, wie auch an der Basis, wo Fahrräder als alltägliche Gebrauchsgegenstände verwendet werden.

Wer die Vorteile, wie Komfort, Grip und Pannensicherheit eines Tubeless-Reifens selber testen möchte, für den steht eine günstige Umbaumöglichkeit offen, sofern ein entsprechend tauglicher Laufradsatz verfügbar ist.

Tubeless-Reifen haben den Ruf, schwierig zu montieren zu sein. Mit fortschreitender technologischer Entwicklung beginnt sich das aber zu ändern.

Das verminderte Pannenrisiko ist ein klarer Pluspunkt für schlauchlose Reifen, wobei allerdings ein Totalausfall des Reifens durch Riss oder ähnliches eine Reparatur unterwegs komplizierter macht.

Die Entscheidung, das Rennrad auf Tubeless umzurüsten, ist letzten Endes eine Entscheidung der persönlichen Vorblieben des jeweiligen Fahrers und wer die Vorzüge eines schlauchlosen Systems ausprobieren möchte, dem stehen mittlerweile günstige Umrüstkits zur Verfügung, die allerdings nur auf geeigneten Laufrädern eingesetzt werden darf, die Tubeless-Ready sind.

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