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Rennberichte & Analysen

Giro d’Italia 2018 – Matej Mohoric gewinnt die 10. Etappe

Yates bleibt im Maglia Rosa, Esteban Chaves verliert den Anschluss und den dritten Platz in der Gesamtwertung.

In einem Zweikampf im Sprint zum Ziel konnte sich der Bahrain-Merida-Fahrer Matjei Mohoric gegen Nico Denz (AG2R La Mondiale) durchsetzen und gewann die 10. und längste Etappe des 101. Giro d’Italia. Esteban Chaves (Mitchelton-Scott), der in der Gesamtwertung auf dem dritten Platz lag, verlor den Anschluss und fiel gänzlich aus den Top 10. 

Für den Slovenen ist der heute Sieg sein zweiter Etappensieg bei einer Grand Tour: In 2017 gewann er eine Etappe bei der Vuelta a España. Mohoric ging sowohl bei den Abfahrten auf den regennassen Straßen, als auch in dem Kopf-an-Kopf-Sprint zur Ziellinie einige Risiken ein, um sich den Sieg zu sichern. „Ich war mir nicht sicher, deshalb habe ich ihn auf den letzten 10 Kilometern immer wieder angegriffen. Denz war zur Zusammenarbeit bereit, obwohl ich ihn immer wieder angriff. Also entschloss ich mich, für den letzten Sprint alles zu riskieren. Ich war mir nicht sicher, aber als ich merkte, dass er nicht mit mir ganz mithalten konnte, gabe mir das noch mehr Stärke, um es bis zur Ziellinie durchzuhalten“, sagte Mohoric.

Matjei Mohoric (Bahrain-Merida) gewinnt die 10. Etappe des 101. Giro d’Italia. Der Slovene schlägt Nico Denz (AG2R La Mondiale) im Sprint-Zweikampf zum Ziel. (Foto: Sirotti)

„Ich bin total glücklich – nicht nur für mich, sondern auf für das Team. Mein Team hat mir diese Chance gegeben, obwohl Domenico gut Chancen für die Gesamtwertung hat. Er hat mich heute laufen lassen, um mir die Möglichkeit auf einen Etappensieg zu geben und ich bin superglücklich.“

Auch wenn Mohoric letztendlich der Stärkere war, gab Denz sich nicht leicht geschlagen und kämpfte bis zum Schluss. (Foto: Sirotti)

Der längste Tag im Sattel begann für die Fahrer mit einem 15 Kilometer langen Anstieg – dem Fonte della Creta. Das hielt einige nicht davon ab, sich schon früh vom Peloton abzusetzen: Innerhalb von ein paar Minuten, nachdem die Flagge den Start der Etappe signalisierte, hatte sich eine 17-Mann starke Gruppe geformt. Unter den Ausreißern befanden sich unter anderem Luis Leon Sanchez (Astana), Koen Bouwman (LottoNL-Jumbo), Tony Martin (Katusha-Alpecin), Valerio Conti (UAE Team Emirates) und  Matej Mohoric (Bahrain-Merida). Hinter ihnen im Peloton explodierte das Rennen regelrecht, als die Fahrer bemerkten, dass Chaves offensichtlich Schwierigkeiten hatte. Team Sky nutzte die Gelegenheit und schlug ein scharfes Tempo an, um den Kolumbianer weiter in Bedrängnis zu bringen und abzuhängen.

Auf der Passhöhe hatten die Ausreißer gerde mal eine Minute Vorsprung, der sich nach der Abfahrt nach Teramo auf drei Minuten ausweitete. Eine Verfolgungsjagd entbrannte und die Gruppe um das Maglia Rosa schaffte es letztendlich, die Ausreißer einzuholen. Tony Martin und Neilands starteten einen Versuch, sich von der Gruppe loszureißen, mussten aber schnell feststellen, dass der Drang innerhalb der Teams, Chaves zu distanzieren, stärker war als die zwei zusammen und gaben ihren Versuch auf.

Marco Frapporti (Androni Giocattoli) entschloss sich 75 Kilometer vor dem Ziel zum Soloangriff überzugehen. Der Italiener fuhr hart und erlangte eine Vorsprung von 2:30. Dann begann der lange, langsame und allmähliche Anstieg nach Annifo, was Davide Vilella (Astana) veranlasste, aus dem Peloton heraus anzugreifen und Frapporti nachzustellen. Mohoric fuhr mit ihm mit und schon bald hatten sie den einsamen Italiener eingeholt.

Für den jungen Slovenen ist dieser Etappensieg sein zweiter Tagessieg bei einer Grand Tour. 2017 gewann Mohoric eine Etappe bei der Vuelta a Espana. (Foto: Sirotti)

Auf dem letzten, steilen Teilstück des Berges ließen sie Frapporti hinter sich. Und die Wolken, die sich bis dahin nur verdächtig am Himmel zusammengezogen hatten, öffneten sich und ein schwerer Regenschauer kam auf die Fahrer nieder. Schon bald waren die verwinkelten Landstraßen durchnässt, was diesen langen Tag im Sattel für viele Fahrer noch erschwerte. Mohoric ließ sich durch die Veränderung in den Witterungsverhältnissen nicht beeindrucken, sondern nutzte sie zu seinem Vorteil aus und stellte sein Fahrgeschick unter Beweis. Denz wiederum bewies seine Fahrkünste in diesen wiedrigen Umständen, um auf Vielella und Mohoric aufzuschliessen. Der Deutsche konnte mit Mohoric mithalten, während Viellella schließlich zur Aufgabe gezwungen war.

Sergio Henao (Team Sky) und Alessandro De Marchi (BMC Racing) versuchten vergeblich auf den letzten welligen Kilometern zum Ziel die zwei Fahrer einzuholen, aber konnten die Lücke nicht überbrücken. Mohoric machte einen starken Eindruck, aber Denz ließ sich nicht beirren und gab bis zum letzten Sprint alles, was er hergeben konnte. Sam Bennett (Bora-Hansgrohe) wurde dritter und konnte seine Enttäuschung über einen weiteren verpassten Etappensieg nur schwerlich verbergen.

Für Esteban Chaves war die 10. Etappe des 101. Giro d’Italia ein Desaster: Der Kolumbianer hatte von Anfang an Schwieriegkeiten, das Tempo im Peloton zu halten und fiel aus der Gruppe. Die anderen Teams bemerkten seine Schwäche und machten Druck, ihn weiter zu distanzieren. Eine Rechnung, die aufging. Esteban Chaves verlor den Anschluss zum Peloton und kam in der dritten Gruppe 25 Minuten nach dem Tagessieger in das Ziel. Simon Yates hatte es geschafft, zusammen mit der Hilfe seiner Teamkollegen Jack Haig und Mikel Nieve, seine Führung in der Gesamtwertung und das Maglia Rosa erfolgreich zu verteidigen. Für den Drittplazierten Chaves, der nach diesem dramatischen Ereignis aus den Top 10 gefallen ist, war dieser Tag eine einzige Enttäuschung.

Yates kam 34 Sekunden nach Mohoric ins Ziel, Tom Dumoulin (Team Sunweb), der auf den letzten Kilometern stürzte, rückte vom dritten auf den zweiten Platz auf und liegt 41 Sekunden hinter dem Briten. Thibaut Pinot (Groupama-FDJ) liegt in der Gesamtwertung mit einem Rückstand von 46 Sekunden auf dem dritten Platz. „Chaves hat einen schlechten Tag erwischt und schon ist es vorbei. So schnell kann es gehen“, sagte Yates. „Es war eine sehr harte Verfolgungsjagd. Ich weiß, dass er hart für den Giro gearbeitet hat.“

Simon Yates (Mitchelton-Scott) konnte seine Führung und das Maglia Rosa wieder verteidigen. Sein Teamkollege Esteban Chaves konnte das Tempo des Peloton nicht halten. Der bis dahin Dritte der Gesamtwertung ist aus den Top 10 gefallen. (Foto: Sirotti)

„Für mich wäre es besser gewesen, wenn Chaves mit mir in der Gesamtwertung fahren würde. Wir hätten unsere Taktiken anders ausgelegt und wären das Rennen anders angegangen. Jetzt bin ich alleine und ich denke, es wird schwieriger für mich. Wir müssen uns anpassen. Ich werde jede Sekunde brauchen, die ich kriegen kann. Deshalb habe ich mir den Zwischensprint geholt. Um gegen Dumoulin im Zeitfahren eine Chance zu haben brauche ich nicht ein paar Sekunden. Ich brauche Minuten. Ich brauche mindestens zwei Minuten, drei Minuten wären ideal.“

Video: Zusammenfassung der 11. Etappe

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