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Profi-Radsport

Paris–Roubaix 2017 – Interviews mit John Degenkolb, Marcus Burghardt und Max Walscheid

Vor dem Start der 115. Ausgabe von Paris–Roubaix am Sonntag geben John Degenkolb, Marcus Burghardt und Max Walscheid interessante Einblicke ihre Rennvorbereitungen

Unterschiedlicher könnten ihre Ausgangspunkte kaum sein: zum einen Marcus Burghardt (Bora-hansgrohe), der alte Hase, der das Rennen kennt wie seine Westentasche, weil er schon elf Mal dabei war und zum anderen Max Walscheid (Team Sunweb), der 23-jährige Jungspund, der am Sonntag zum ersten Mal die Torturen des legendären Kopfsteinpflasters zu schmecken bekommen soll.

Beide geben im Interview interessante Einblicke in ihre Vorbereitung und ihre Gefühle vor dem Start des ebenso legendären wie wegen der Kopfsteinpflasterpassagen für Mensch und Maschine brutalen Frühjahrsklassikers Paris–Roubaix. Weiter unten im Artikel kommt John Degenkolb im Videointerview zu Wort.

Das Rennen wird übrigens live und in voller Länge am Sonntag, 9. April von 11:00 bis 17:00 Uhr auf Eurosport übertragen.

Der erfahrene Marcus Burghardt wird als Edeldomestik dafür sorgen, dass Weltmeister Peter Sagan in eine günstige Position für den Rennsieg gelangt. Quelle: www.bora-hansgrohe.com

 

Paris–Roubaix 2017 – Interview mit Marcus Burghardt (Bora-hansgrohe)

Am Sonntag startest Du zum 12. Mal bei Paris–Roubaix. Damit bist Du der Oldie unter den deutschen Startern. Warum ist gerade bei diesem Rennen die Erfahrung so maßgeblich?

„Bei Roubaix ist die Streckenkenntnis sehr entscheidend. Wenn Du jung bist, ist die Gefahr einfach groß, dass Du Fehler machst. Dich zu früh zu gut positionierst oder später einfach zu schlecht. Aus diesen Fehlern lernst Du über die Jahre hinweg und kommst von Jahr zu Jahr mehr in die Strecke hinein.“

Was sind die Schlüsselstellen im Rennen, auf die man besonders achten muss?

„Das geht schon mit dem ersten Sektor los. Da musst Du einfach vorne sein. Dann der Sektor vor dem Wald vor dem Arenberg und der Arenberg an sich, Mons und Carrefour de l’Arbre, Da zahlt sich die Erfahrung aus. Die Punkte habe ich alle im Kopf, da brauche ich nicht mal einen Sticker auf dem Rad (lacht).“

„Wenn wir als Team zu 100% funktionieren, fährt Peter um den Sieg mit“

Nachdem sich im letzten Jahr bei Paris-Roubaix die Chance für Dich ergeben hat, auf Ergebnis zu fahren, hast Du mit dem 19. Platz Dein bisher bestes Resultat in Roubaix eingefahren. Was ist Dir in Erinnerung geblieben?

„Vor allem eines: da das Rennen so schnell und stressig war, habe ich komplett vergessen, zu essen. Da hat es mir 70 Kilometer vor dem Ziel richtig den Stecker gezogen. Dann stand ich einfach still. Wäre mir das nicht passiert, wäre sogar ein noch besseres Ergebnis drin gewesen. Gerade in Roubaix ist das Essen so wichtig. Aber Du kannst auf den Sektoren nichts essen, weil beide Hände am Lenker sind. Dann kommt man aus dem Sektor raus und ist erst einmal kaputt. Mit den Gedanken ist man schon beim nächsten Abschnitt und versucht sich und den Leader in Position zu bringen. So geht’s immer weiter.“

Stehst Du in diesem Jahr auch mit eigenen Ambitionen am Start oder ist die komplette Teamstrategie auf Peter Sagan ausgelegt?

„Ich hatte elf Mal die Chance, Paris-Roubaix zu gewinnen und habe es nicht geschafft (lacht). Wir gehen mit einem klaren Leader in das Rennen, der die Chance hat, es zu gewinnen und das ist Peter. Falls es sich aus irgendeiner Rennsituation die Möglichkeit ergeben sollte, sind wir aber als Team so breit aufgestellt, dass wir sicher auch einen anderen Fahrer nach vorne schicken können.“

“Wichtig ist, dass wir nach dem Wald von Arenberg da sind. Ab da geht das Rennen richtig los.”

Bora-hansgrohe hat ein sehr erfahrenes Team für Roubaix nominiert. Zusammen kommt Ihr auf 42 Starts und die Hälfte Eurer Fahrer konnte sich bereits in den Top 20 platzieren. Aber diese Konstellation ist für Euch alle neu. Hat sich bereits alles eingespielt?

„Ich denke schon. Wenn man sich die flämischen Rennen anschaut, da hat das sehr gut funktioniert. Bei Rennen wie Gent-Wevelgem oder auch Flandern hatten wir das gut im Griff. Vor allem bei Paris–Roubaix braucht jeder Fahrer im Team seinen genauen Job. Jeder von uns muss wissen, bis wann oder ab wann er arbeiten muss. Wenn das zu 100% funktioniert, kann Peter um den Sieg mitfahren.“

Mit Andreas Schillinger und Dir stehen Peter Sagan am Sonntag gleich zwei deutsche Roubaix-Routiniers als Helfer zur Verfügung. Was sind Eure Aufgaben, um ihn zu unterstützen?

„Für uns ist extrem wichtig, dass wir nach dem Wald von Arenberg da sind. Ab da geht das Rennen richtig los. Die großen Teams schicken ihre Fahrer nach vorne, um das Rennen schwer zu machen. Da müssen wir wachsam sein und keine gefährliche Gruppe gehen lassen, die uns ins Hintertreffen bringen könnte.“

Paris–Roubaix 2017 – Interview mit Max Walscheid (Team Sunweb)

Dein Debüt bei Paris-Roubaix steht am Sonntag an. Es ist nicht nur Dein erstes Roubaix, sondern Dein erstes Rennen überhaupt mit einer Distanz von über 250 Kilometern. Wie bereitest Du Dich auf dieses sehr spezielle Rennen vor?

„Im Prinzip trainiere ich nicht speziell für die Distanz. Generell arbeite ich im Vorfeld möglichst gut an meiner Form, werde dann über die Rennen besser und hole mir da die nötige Härte. Mit Tirreno-Adriatico und der Katalonien-Rundfahrt hatte ich zwei schwere einwöchige Rundfahrten in meiner Vorbereitung, bei denen die Fahrzeiten auch bis zu sechs Stunden betrugen.“

Hast Du Dir bereits erste Streckenabschnitte angeschaut?

„Die Streckenerkundung steht bei uns zwischen dem Scheldeprijs am Mittwoch und dem Rennen am Sonntag an. Donnerstag und Freitag schauen wir uns dann die Sektoren und Schlüsselstellen an.“

“Ich muss sagen, dass ich noch nie Pflaster von Roubaix-Kaliber gefahren bin. Ich bin gespannt.”

Mit 1,99m und 89kg bringst Du ideale körperliche Voraussetzungen für ein Rennen, wie Paris–Roubaix mit. Wie sehr liegt Dir das Kopfsteinpflaster?

„Bisher immer sehr gut. Ich ‚rolle’ gut über das Pflaster, kann über kurze und mittlere Distanzen sehr viel Kraft produzieren. Das sollte mir auf den Pavé-Sektoren entgegen kommen. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich noch nie Pflaster von Roubaix-Kaliber gefahren bin. Ich bin gespannt.“

Benötigst Du für Paris-Roubaix aufgrund Deiner Physis spezielles Equipment?

„Ich fahre einen etwas anderen Rahmen als meine Teamkollegen, grundsätzlich benutzen wir aber die gleichen Reifen und Komponenten. Persönlich benutze ich gerne größere Kettenblätter. Ich werde vermutlich eine etwas höhere Übersetzung als der Rest des Teams fahren, das liegt aber nicht unbedingt an Größe und Gewicht.“

Max Walscheid wird dieses Jahr das erste Mal bei Paris–Roubaix antreten. Foto: teamkatushaalpecin.com

“Ich bin sehr motiviert und will auf jeden Fall eine starke Leistung bringen”

Bei Deiner Premiere wirst Du vor allem Deine Kollegen wie Mike Teunissen, den Sieger der U23-Ausgabe von Paris-Roubaix im Jahr 2014, oder auch Nikias Arndt unterstützen. Welche konkreten Aufgaben kommen auf Dich während des Rennens zu?

„Die genaue taktische Marschroute kenne ich noch nicht. Ich werde versuchen, möglichst lange dabei zu sein und meine Fähigkeiten als Sprinter und Rouleur in Sachen Positionierung und Kraft gewinnbringend einzusetzen. Ich denke, dass ich das Team zum Beispiel gut positionieren kann.“

Welche eigenen Ambitionen hast Du Dir für Dein Debüt gesetzt?

„Ich bin sehr motiviert und will auf jeden Fall eine starke Leistung bringen. Trotz erstem Start und damit verbundenem Erfahrungsmangel traue ich mir ein sehr gutes Rennen zu. Ich hatte eine ordentliche Vorbereitung, kann gut mit hektischen Rennsituationen umgehen und das Rennen sollte mir liegen. Sicher wird es schwerer, als gedacht und die Distanz wird mir zu schaffen machen, aber ich würde sehr gerne das Velodrom auf dem Rad erreichen.“

Paris–Roubaix 2017 – Videointerview mit John Degenkolb

 

Titelbilder: ASO/B.Bade

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