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Profi-Radsport

Die 6 verrücktesten World Tour Momente 2015

An diese Momente wird man sich noch lange erinnern – auch wenn man manche von ihnen lieber vergessen würde.

Eine ereignisreiche Saison 2015 hat ihr Ende gefunden. Einige einprägende World Tour Momente ließen unseren Atem stocken oder veranlassten uns zum Kopfschütteln. Inzwischen hat sich die Aufregung aber wieder gelegt und einige der weltbesten Radsportler erholen sich in der Sonne oder verbringen, wenn man Instagram glauben darf, die Zeit auf ihren Mountainbikes bevor es mit dem Training für die Saison 2016 wieder losgeht.

Obwohl wir von Roadcycling nicht zu denjenigen gehören, die am Ende einer Saison nostalgisch werden, gab es in diesem Jahr doch einige World Tour Momente, die wir noch einmal Revue passierne lassen möchten. Hierbei handelt es sich in diesem Fall allerdings nicht um die eindrucksvolltsten Rennen und ihre Sieger, vielmehr geht es um spektakuläre Momente, die uns noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Wir haben die sechs verrücktesten für euch zusammengestellt.

World Tour Momente mit namenhaften Hauptdarstellern

Es kann jeden treffen. Ein unachtsamer Augenblick, der eigenen Körper oder die Hitze – viele Faktoren können den Radsport unangenehm beeinflussen. In diesem Jahr gehörten viele große Namen des Radsports zu den Opfern unglücklicher Vorkommnisse. Unsere sechs verrücktesten World Tour Momente drehen sich um Peter Sagan, Eddy Merckx, Fabian Cancellara, Geraint Thomas, Richie Porte, Vincenzo Nibali, mit dem wir auch gleich beginnen werden und einige andere.

Vincenzo Nibali und sein verhängnisvoller Ausflug mit dem Teamfahrzeug

In einer Zeit, als der Radsport noch nicht im Fernsehen übertragen wurde und die Fahrer sich noch in aberwitzigen Rennen, wie beispielsweise dem 560 Kilometer langen Bordeaux-Paris duellierten, war es keine Seltenheit, dass man sich gelegentlich von seinem Teamwagen ziehen ließ. Es kursieren sogar Geschichten darüber, dass Fahrer auf Züge aufgesprungen sind, um sich dann näher am Ziel mit ausgeruhten Beinen wieder auf das Bike zu schwingen. Heute sind solche Tricksereien aufgrund von Fernsehen und mit GPS ausgestatteten Bikes undenkbar geworden. Bis Vincenzo Nibali uns bei der diesjährigen Vuelta a Espana eines besseren belehrte, waren wir eingentlich der Ansicht, dass heutzutage niemand mehr so dumm wäre, es trotzdem zu versuchen. Ja, wir sprechen hier vom gleichen Vincenzo Nibali, der bereits alle drei World Tours sowie zwei italienische Meisterschaften gewonnen hat und den coolsten Spitznamen im Radsport inne hat – The Shark.

Im folgenden Video könnt ihr seinen verhängnisvollen Ausflug mit dem Astana-Teamfahrzeug sehen:

Was aber ging dem Mann von Astana durch den Kopf als er sich in das Teamfahrzeug einhakte und das Peloton auf der zweiten Etappe der Vuelta a Espana 2015 in rasantem Tempo hinter sich ließ. Diese Frage dürfte viele beschäftigen. Klar ist auf jeden Fall, dass diese Dreistigkeit den Ausschluß aus dem Rennen zur Folge hatte. Erst im letzten Jahr kam es bei der Vuelta a Espana zu der Disqualifikation von Gianluca Brambilla und Ivan Rovny, als sie sich auf ihren Bikes einen kleinen Boxkampf lieferten.

Vincenzo Nibali ließ den Rauswurf hinter sich und konnte einige Wochen später bei der Lombardei-Rundfahrt triumphieren. Dennoch bleibt sein Versuch, zu betrügen einer der bizzarsten World Tour Momente der letzten Jahre.

Peter Sagan testet in Roubaix die Flugeigenschaften seines Bikes

Von Zeit zu Zeit laufen die Dinge anders, als man es sich wünscht. Peter Sagan sah sich dieses Jahr nicht nur mit einem unglücklichen Moment konfrontiert. Im Großen und Ganzen lief es 2015 dennoch ziemlich gut für den Slowaken. Neben den nationalen Meistertiteln sowohl im Einzelzeitfahren als auch im Straßenrennen holte er sich zudem die Weltmeisterschaft im Straßenrennen und sicherte sich somit das Regenbogentrikot. Des Weiteren konnte er die Kalifornien-Rundfahrt für sich entscheiden und holte sich zudem ein weiteres Mal das Grüne Trikot bei der Tour de France. Im April sorgte er im Eintagesrennen, Paris-Roubaix, allerdings für Aufsehen und ist somit der Hauptdarsteller in einem unserer sechs verrücktesten World Tour Momente 2015.

Sein neuer Vertrag mit Tinkoff-Saxo, ein Teambesitzer, der darüber nachdachte, den besagten Vertrag an eine erfolgreiche Vorstellung bei den Klassikern zu knüpfen und die Tatsache, dass Peter Sagan bis Dato trotz aller Bemühungen kein Rennen für sich entscheiden konnte, setzten den Slowaken sehr stark unter Druck. Nachdem ihn in Flandern, eine Woche zuvor, sowohl Niki Terpstra als auch Alexander Kristoff noch überlisten konnten, setzte Peter Sagan alle Hoffnungen in das bevorstehende Eintagesrennen.

Die Götter des Radsports waren dem Slowaken aber nicht gut gesonnen. Neben einigen mechanischen Schwierigkeiten war er auch noch gezwungen hinter einem Busch auszutreten. Diesen Moment wünscht sich nun wirklich kein Radsportler in einem Rennen – schon gar nicht in einem so wichtigen wie Paris-Roubaix. All diese Frustration entlud sich dann kurze Zeit später. In Roubaix platzte ihm endgültig der Kragen. Er sprang von seinem Bike, hob es hoch und schmiss es in die Wiese am Rande der Strecke.

Das folgende Video zeigt den Vorfall, über den wir wohl alle noch lange schmunzeln werden:

Peter Sagan ist allerdings nicht der einzige Fahrer, dem der eigene Körper einen Strich durch die Rechnung machen wollte. Greg LeMond wurde bei der Tour de France einmal von explosionsartigem Durchfall heimgesucht. Das zeigt einmal mehr, dass man noch so gut in Form sein kann, der eigene Magen kann von einem Moment auf den anderen alles zunichte machen.

Die Farce bei der Tour of Oman 2015

„Eddy Merckx, Fabian Cancellara und Vincenzo Nibali diskutieren unter einer Brücke in der Wüste“. Eigentlich wäre das eine super Einleitung für einen Witz. Unglücklicherweise trug es sich auf der fünften Etappe der diesjährigen Tour of Oman aber genau so zu.

Wüstenrennen werden fast immer von Problemen begleitet. Temperaturen um die 50 Grad, Luftbereifung, Sandstürme, Starkwinde und Rennräder sind keine sonderlich gute Mischung – schon gar nicht an einem Ort wie einer Wüste.

Das folgende Video zeigt die Traube von Radsportlern, die sich aufgrund der Probleme unter der Brücke zusammenfand:

Aufgrund von Temperaturen bis zu 47 Grad wurde die fünfte Etappe ohnehin schon gekürzt. Als dann aber auch noch die Reifen von sechs Bardiani CSF Fahrern explodierten und viele andere darüber klagten, dass ihre Bremsen nicht mehr richtig funktionieren, entschied das Peloton sich dazu, Halt zu machen. Fabian Cancellara, der ohnehin gerne sagt, was er denkt, war einer der Fahrer, die das Zepter übernahmen. Unter dem Schutz einer Brücke, kam es zu einer improvisierten Konferenz. Auch Vincenzo Nibali, Tom Boonen, Roman Kreuziger und Filippo Pozzato taten ihre Meinung kund bevor man sich an den repräsentativen Veranstalter, Eddy Merckx, wandte, einen Mann, der für seine kompromisslosen Ansätze im Radsport bekannt ist.

Auf der einen Seite stand Fabian Cancellara, der nicht von seinem Standpunkt abweichen wollte und auf der anderen Eddy Merckx, der seinerseits nicht vorhatte nachzugeben. Eine klare Entscheidung war somit nicht absehbar. Es musste also ein Kompromiss her. Schließlich einigte man sich darauf, den weiteren Streckenverlauf zu ändern und so wurde die fünfte Etappe der Tour of Oman 2015 auf einer flacheren Route zu Ende gefahren.

Gent-Wevelgem, Geraint Thomas und das Wetter

Ein weiteres Rennen, in dem das Wetter für Unruhe sorgen wollte, war der Radsportklassiker, Gent-Wevelgem. Wenige Tage zuvor blieb E3 Harelbeke noch größtenteils vom schlechten Wetter verschont. Das mag mit daran gelegen haben, dass in diesem Teil von Belgien die Straßen von Hecken umgeben sind, die einen gewissen Schutz bieten. Als es dann aber zwei Tage später in Richtung der französischen Grenze ging, sahen sich die Fahrer plötzlich mit Windböhen von bis zu 80 Stundenkilometern konfrontiert. Einige Fahrer hatten an diesem Renntag ihre ganz eigenen Erlebnisse. Geraint Thomas von Team Sky wurde beispielsweise direkt von der Straße geblasen. Er zögerte allerdings nicht lange, sprang direkt wieder auf sein Rad und konnte das Rennen am Ende, hinter Luca Paolini und Niki Terpstra, noch als Dritter beenden.

Das folgende Video zeigt den Abflug des britischen Team Sky Piloten:

Geraint Thomas war aber bei Weitem nicht der einzige, den es an diesem Renntag erwischt hatte. Zahlreiche andere Fahrer stürzten zum Teil schwer. Lediglich 39 von insgesamt 200 Fahrern schafften es bis ins Ziel – allen voraus Luca Paolini. Er kam aus dem Hinterhalt, ließ die Spitzengruppe hinter sich und stand am Ende als verdienter Sieger ganz oben auf dem Podium.

Die Bilder im Fernsehen mögen stellenweise amüsant gewirkt haben und es war wirklich ein spektakuläres Rennen, dennoch waren die Bedingungen wirklich fürchterlich. Nach dem Rennen erzählte uns Luke Rowe, die Bedingungen seien für die Fahrer seiner Meinung nach so gefährlich gewesen, dass man auch darüber hätte nachdenken können, das Rennen an diesem Tag gar nicht stattfinden zu lassen. Hätte man es allerdings ausgefallen lassen, wäre es heute nicht Bestandteil unserer sechs verrücktesten World Tour Momente.

Das folgende Video zeigt noch einmal die Highlights dieser spektakulären 2015er Ausgabe von Gent-Wevelgem:

Richie Porte und sein nicht ganz regelkomformer Reifenwechsel

Als wäre es nicht schwierig genug, in einem Hauptfeld mit so vielen Fahrern seine Gegner im Auge zu behalten, hat uns dieses Jahr gelehrt, dass man auch seine Freunde im Blick haben muss. Obwohl die beschwerliche Strecke sicherlich mit guten Vorsätzen gepflastert war, legte Simon Clarke von Orica GreenEdge seinem Freund, Richie Porte, versehentlich weitere Steine in den Weg als er ihm auf der zehnten Etappe des Giro d’Italia nach einer Panne seinen Vorderreifen anbot.

Es war sicherlich ein Zeichen von Freundschaft, allerdings eines, welches dem Sky Fahrer zwei Strafminuten einbrachte. Als Grund führte die Rennleitung an, dass es nicht den Regeln entspreche, die Hilfe eines anderen Teams anzunehmen. Das verschlimmerte die Situation des Australiers, der in diesem Rennen ohnehin schon nicht vom Glück begünstigt war doch deutlich. Seit es das Giro-Regelwerk gibt, war es der erste Vorfall dieser Art überhaupt. Eine Prüfung hat aber ergeben, dass die Entscheidung richtig war. Über Richie Portes außergewöhnlichen Reifenwechsel wird man noch lange sprechen und so darf auch er sich in die sechs verrücktesten World Tour Momente der vergangenen Saison einreihen.

Das folgende Video zeigt ein Interview mit Richie Porte und was er zu der Angelegenheit zu sagen hat:

Von Fahrern und Begleitfahrzeugen

Einer der unglücklichsten Umstände der vergangenen Saison ist die Tatsache, dass Fahrer und Teamfahrzeuge teilweise viel intimer wurden als einem lieb gewesen wäre. Getoppt hat das wohl der Vorfall mit Jesse Sergent von Trek Factory Racing und dem Teamwagen von Shimano bei der Flandern-Rundfahrt. Der Wind und die engen Straßen im Osten Belgiens waren der reinste Alptraum. Ein Feld von 200 Fahrern und zahlreiche Teamfahrzeuge an ihrer Seite machten die Sache nicht besser. Der Worstcase war perfekt als das Teamfahrzeug von Shimano Jesse Sergent touchierte und ihn von seinem Bike direkt auf die Straße beförderte.

Das folgende Video zeigt den unglücklichen Vorfall:

Später kam es in der Saison 2015 beim Eintagesrennen, Clasica San Sebastian, zu einem weiteren Vorfall. Diesmal war Greg van Avermaet vom BMC Racing Team der Leidtragende. Ein Motorrad, das Kameraaufnahmen machte, erwischte ihn unglücklich am Hinterrad und brachte ihn zu Fall. Der Unfall ist nicht mit dem bei der Flandern-Rundfahrt zu vergleichen, vielmehr erinnert er an mutwillig herbeigeführte Reifenberührungen, wie man sie in der Kindheit zur Belustigung provoziert hat. Für Greg van Avermaet war es allerdings mehr als ärgerlich. Er war zu diesem Zeitpunkt der Führende, gerade dabei seinen Vorsprung auszubauen und dürfte realistische Hoffnungen auf den Sieg gehabt haben.

Hier könnt ihr sehen, wie es sich zugetragen hat:

Der nächste Fahrer, der von seinem Rennrad geholt wurde, ist Jakob Fuglsang von Astana. Auf der 18. Etappe der Tour de France pedalierte er gerade in der Spitzengruppe auf den Col du Glandon, als es schien, als würde er aus dem Nichts stürzen. Die Bilder zeigten aber, dass er ohne jede Frage von einem Motorrad zu Fall gebracht wurde. Das gleiche Motorrad hatte Sekunden zuvor fast Ryder Hesjedal vom Rad geholt.

Bei der Vuelta a Espana hat es dann erneut Peter Sagan erwischt. Ein Begleitmotorrad brachte auch ihn zu Fall und als ob das nicht gerreicht hätte, konnte er am nächsten Tag nicht mehr weiterfahren. Nach dem Vorfall war der Slowake stinksauer und ließ seiner Frustration freien Lauf. Ein weiterer Fahrer von Tinkoff-Saxo, der das Rennen vorzeitig beenden musste, war Sergio Paulinho. Hoffen wir, dass wir in der Saison 2016 weniger dieser unglücklichen Momente zu sehen bekommen.

Abschließend könnt ihr im folgenden Video noch einmal Peter Sagans Zwischenfall mit dem Begleitmotorrad sehen:

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