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Reise & Trainingslager

Trainingslager im Oman – Mit dem Rennrad durch das Märchenland Arabiens

Jonas Deichmann berichtet von seinem Trainingslager im Oman, wo er fantastische Landschaften und die Gastfreundschaft der Einheimischen erfahren durfte.

Der nächste Langdistanz-Weltrekordversuch rückt näher und zur Vorbereitung hat es mich dieses Jahr auf die arabische Halbinsel gezogen. Fast 3.000 km bin ich mit Zelt und Gepäck durch hohe Berge, einsame Wüsten und wilde Täler geradelt. Während ich dort als Rennradfahrer noch der Exot war, bietet der Oman jedoch einiges, um sich zu einem Geheimtipp für abenteuerlustige Radler zu entwickeln.

Los ging die Tour am 1. Januar in Dubai und mangels alternativer Straßen erst einmal 100 km über emiratische Autobahnen. Viel Spaß hat dieser Abschnitt zwar nicht gemacht, aber dank eines breiten Seitenstreifens und gemäßigten Verkehrs war es zumindest nicht gefährlich. Nachmittags erreiche ich die omanische Grenze und radle fortan auf verkehrsarmen Straßen durch die wilden Hajar-Berge.

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Gleich am nächsten Tag bekomme ich die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Einheimischen zu spüren. Zuerst stoppt mich ein Polizist und ruft mich zu seinem Auto. Er möchte mir ein paar Tipps zu den eigentlich sehr guten Straßenverhältnissen geben und lädt mich zu einem Kaffee und Datteln ein. Am späten Nachmittag komme ich dann in ein kleines Bergdorf und werde von zwei Männern angesprochen, die gerade aus einer Moschee kommen.

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Sie laden mich zu sich zum Essen ein und zeigen mir anschließend das Dorf. Gegessen wird hier auf dem Boden und mit den Händen, erst Reis mit Huhn und dann Datteln mit Honig. Die Dorfführung durch alte Lehmhäuser und Palmengärten ist beeindruckend. Hier regnet es nur ein- bis zweimal im Jahr. Genug, um mit Hilfe jahrhundertealter Bewässerungssysteme das Dorf mit angenehm kalten Wasser aus den Bergen zu versorgen.

Die nächsten Tage geht es bei ständigem Auf und Ab durch die karge Gebirgswelt. Wer möchte, kann im Oman komplett auf gut asphaltierten Straßen fahren, ich finde jedoch die kleinen Wege in wilde Gebirgstäler besonders spannend und mache einige Abstecher. Ein Highlight ist die Schotterpiste ins Wadi Sahtan. Hier ist der Fortschritt, den der Oman in den letzten Jahren gemacht hat, noch nicht angekommen und die wilde Landschaft begeistert mich. Vorbei geht es an 2.000 Meter hohen Bergen, durch tiefe Schluchten und kleine Bergdörfer. Die Straße wird leider immer schlechter und auf halber Strecke zum Pass entscheide ich, umzukehren: Der Schotter ist zu viel für meine dünnen Rennradreifen.

Nach zwei weiteren Tagen in den Bergen erreiche ich die Wahiba-Wüste. Die 200 Meter hohen Sanddünen sind eine willkommene Abwechslung und ein Highlight meiner Reise. Eine Durchquerung ist mit dem Fahrrad leider nicht möglich, aber ich finde eine asphaltierte Straße von Al Wasil aus, die mich tief in die Wüste führt. Als der Asphalt endet, versuche ich es weiter über den Wüstensand, bevor mein Wasservorrat knapp wird und ich einsehe, dass ich umkehren muss.

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An freilaufenden Kamelen vorbei führt mich mein Weg bis zu einem Wüstencamp. Hier finde ich Wasser und schlage in der Nähe mein Zelt auf – eine beeindruckende Nacht unter dem Sternenhimmel der Wüste beginnt.

Am nächsten Tag folge ich dem Nordrand der Wahiba-Wüste Richtung Sul und erreiche abends das Tal Wadi Bani Khalid in den Ausläufern des östlichen Hajar-Gebirges. In der Dämmerung fahre ich den 20 % steilen Anstieg hinauf. Eine lohnenswerte Quälerei, denn am Ende des Tals wartet ein natürlicher Pool auf mich, an dem ich die Nacht verbringe.

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Am nächsten Tag lasse ich es ruhiger angehen und verbringe ein paar Stunden an den Pools, bevor gegen Mittag die Touristen kommen und die Natur Ihren Charme verliert. Nach ein paar Stunden auf dem Rad erreiche ich die Hafenstadt Sur und folge für die nächsten zwei Tage der Küstenstraße entlang des Arabischen Meeres. Der Wind in dieser Gegend bläst fast immer von Osten und ich komme fast ohne Treten bis Al Maha, wo ich entscheide, über die Inlandstraße zurück in die Berge zu fahren.

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Die Straße führt durch die komplett flache und baumlose Al-Wusta-Wüste und nun kämpfe ich mit sturmartigem Gegenwind. 18 Stundenkilometer zeigt mein Tacho als Durchschnittsgeschwindigkeit und ich bin zum ersten Mal richtig platt nach 8 Stunden auf meinem Zeitfahrlenker. An Zelten ist bei diesem Wind nicht zu denken und ich baue mir eine kleine Windbarriere, hinter der ich biwakiere. Meinen Schlafsack ziehe ich besonders fest zu, denn hier gibt es Skorpione und andere ungebetene Gäste.

Nach einem weiteren Tag im Gegenwind komme ich zurück ins Hajar-Gebirge und verbringe die nächsten Tage in den Bergen rund um die Stadt Al Hamra. Hier erhebt sich das Gebirge bis auf 3.000 Meter und es gibt einige Passstraßen, die sich durchaus mit den Alpen messen können. Mein persönliches Highlight ist der Weg hinauf zu Omans höchstem Berg; Jebel Shams. 2.000 Höhenmeter auf 51 Kilometern müssen hier überwunden werden, die Schwierigkeit liegt jedoch in den 20 % steilen Rampen und dem groben Schotter auf den letzten Kilometern. Ich kämpfe, fahre Zickzack und versuche mit meinen dünnen Rennradreifen die Spur zu halten. Die Anstrengung lohnt sich, denn oben gibt es einen Ausblick hinab in den „Grand Canyon des Oman“ und eine beeindruckende Nacht unter freiem Himmel.

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Von Al Hamra aus beginnt die Rückfahrt und ich erreiche nach fast 3.000 Kilometern die Wüstenmetropole Dubai. Toll war es im Oman und sicherlich nicht mein letztes Trainingslager im Nahen Osten!

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Auf Jonas‘ Youtube-Kanal findest du weitere Videos seiner Abenteuer!

Text und Bilder: Jonas Deichmann

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